Archiv für die Kategorie ‘Vinyl’

Saisonstart 1965

April 29, 2013

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Mit dieser Werbeschallplatte – eine 7″-Flexidisc – und der darauf befindlichen Leichten Musik stimmte die Firma Langnese seine Händler im Jahr 1965 auf “eine goldrichtige Eiskrem-Saison” ein. Auf einer Seite ist “Greensleeves” zu hören, auf der anderen die Komposition “Langnese Romantic Places” von Martin Böttcher (Winnetou lässt grüßen), über die ein Sprecher verkaufsförderne Worte rezitiert. Hübsch.

Gelbe Musik

September 18, 2012

Gelbe Musik, Fachgeschäft für Künstlerschallplatten und Partituren, Schaperstr. 11, 10719 Berlin-Wilmersdorf (wiedergesehen am 16. September 2012).

Romanze

Mai 27, 2012

Flohmarktfundstück:
Eine bebilderte und einseitig abspielbare Flexidisc aus Polen mit drei kurzen Stücken (“Tango”, “Leit Motiv” und “Shimmy”) aus dem 1978 entstandenen Film “Romans Teresy Hennert”.
Auf der Abbildung sind vermutlich die SchauspielerInnen Barbara Brylska (als Teresa Hennert) und Józef Duriasz (Jan Omski) zu sehen.
Die Musik wirkt ein bißchen altmodisch und hängt leider gegen Ende des letzten Stücks.

… klingt gut

Mai 23, 2012

Teekrautzungen

Der Zickzack-Mann bringt drei Promo-CDs vorbei, Teil 3:

BESSERE ZEITEN – Sanktionen im Schutt
(LP/DL, All Rock’n'Roll Speeds Up/Zickzack/Hanseplatte, ZZ2037, 2012)

Für diese Band wünsche ich mir einen Besseren Namen, denn wenn ich “Bessere Zeiten” lese muß ich Alter Sack / Alte Schachtel an den gleichnamigen Song von Kolossale Jugend (ca. 1988 bis 1991) denken. Und deren ehemaliger Sänger Kirstof Schreuf schreibt dann auch noch den Begleittext zu diesem Album, der allerdings genausowenig erhellend ist wie die Texte der Band. Zu allem Überfluß nimmt Tobias Levin of Capt. Kirk &.-Fame (ca. 1986 bis 1994) diese wohlklingende Platte auf. Das sind mir allzuviele offensichtliche Referenzen an den Kern der sogenannten Hamburger Schule Ende letzten Jahrhunderts.

Krautzungen, immer wieder werden Krautzungen erwähnt. Keine Ahnung, was das sein soll. Eine Wucherung mit Phantasienamen, eine Veranstaltungsreihe, eine Kreuzung von Kunst und Popkultur?

Egal, vielleicht sollte man diesen ganzen Ballast einfach ignorieren, wenn man denn könnte…

Dieses Album, das am 1. Juni 2012 in den Darreichungsformen LP und Download erscheint, enthält zehn Lieder mit deutschsprachigen Texten, eingespielt in der waaahnsinnig originellen Besetzung Gitarre, Bass und Schlagzeug plus Keyboards. Natürlich singt auch noch einer. Die Lyrics vermeiden konsequent Einfachheit und Eingängigkeit. Da hat womöglich wiedermal jemand sein Studium der Literatur zu ernst genommen. Nicht mein Fall sowas. Die Musik klingt super angenehm, fast schon zu perfekt produziert, zwischen elegantem Schmalz (“Mexiko”, beispielsweise) und nervösem Rock (beim Titelstück, beispielsweise), auch wenn der Keyboarder ab und zu zweifelhafte Sounds einsetzt. Natürlich gibt es auch ein bedeutungsschwangeres Sprechstück mit atmosphärischer Klavieruntermalung.

Gymnasiasten-Pop /
Germanisten-Rock.

Trotzdem sympathisch.

Video gucken:
Zuweitgehen

GZ,
23.05.2012

Michelle auf der Herrentoilette

Mai 6, 2012

Vorgestern im Untergeschoß der Deichtorhallen, Haus der Photographie, Hamburg.

Ode an den Schallplattenladentag

April 21, 2012

Oh, Record Store Day /  Du gehst mir jetzt schon auf die Nerven / Du Valentinstag der Erdöl verarbeitenden Industrie / Du Nichtsnutz / presst Musik in knisterndes Vinyl / in limitierten Ausgaben / das neue Album von Jack White / in Form einer Testpressung als Hauptgewinn / da wollte wohl einer / seinen Müll entsorgen / oh Fetisch / geh weiter / lass mich bloß in Ruhe / ich möchte Musik hören / und keine gülden glänzende Sonderauflage / von ach so rarem Material / das  ein paar Tage später / sowieso zur Veröffentlichung ansteht / geh weiter / laß mich in Ruhe / Du Ausgeburt der Erdöl verarbeitenden Industrie

Frank Weghardt

April 14, 2012

Lebenslauf

Frank Weghardt, ein Porträt des Malers, Komponisten und Poeten.

Übersetzt aus dem Französischen von Robert Weber.
Erschienen in der Monatsschrift »Liberte d’ Artiste« 1/90

1902 wird Frank Weghardt im Mecklemburgischen Naurach als Sohn des wohlhabenden Kaufmanns Victor F. Weghardt, der sich durch gewagte Spekulationen im Ausland saniert hatte, von seiner Mutter, Maria C. W. Weghardt, geborene Franzenmayer, im Landhospital zu Naurach geboren.

Es muß eine schwere Geburt gewesen sein, denn man entschloß sich verzweifelt, den zu dieser Zeit kaum erprobten Kaiserschnitt anzuwenden. Die erfolgreiche Durchführung der Operation, durch die in dieser Hinsicht völlig ungeübten Ärzte, soll diesen eine Flasche besten französischen Champagners wert gewesen sein.

In dem Zeitraum zwischen 1914 und 1918 trifft die Weghardt’s ein schwerer Schlag: Der Vater, als überzeugter Monarchist mit Begeisterung freiwillig in den Krieg gezogen, gilt als verschollen und wohl tot.

Die Mutter verkauft das Geschäft und zieht mit ihren Söhnen Frank und Franz, der 1906 geboren wurde, nach Berlin. Sie eröffnet dort einen kleinen Kolonialwarenladen, der einige Jahre ein einträgliches Auskommen bietet.

1928 geht, im Zuge der allgemein schlechten Lage der Weltwirtschaft, auch Maria Weghardt’s Laden bankrott. Nun gibt es für Frank kein Halten mehr, er, der auf dem Lande aufgewachsen war und im Grunde seines Herzens immer ein Provinzialist geblieben ist, wendet sich ab von dem seiner Meinung nach »Roten« Berlin und geht nach Bayern, wo er sich in Erding niederläßt.

Die derzeitigen kommunistischen Unruhen beunruhigen den bis auf die Knochen monarchistisch eingestellten Weghardt. Die Rettung des Deutschen Kaiserreiches sieht er allein in der erstarkenden Bewegung der Nationalsozialisten, denen er sich, als diese 1933 endgültig die Macht ergreifen, auch anschließt.

In den Wirren des Zweiten Weltkrieges, in welchem Weghardt aktiv als Infanterist teilnimmt, gerät er 1945 in russische Kriegsgefangenschaft. Hier trifft er wie durch ein Wunder seinen Bruder Franz wieder, der Betrübliches zu berichten hat: Die Mutter sei, so habe er erfahren, zwischen 1939 und 1945 verstorben. Wo sie begraben liege, wisse man nicht.

Diese schlimme Nachricht erschütterte das durch den Krieg keineswegs angegriffene, gesunde Weltempfinden des inzwischen 43jährigen Frank Weghardt bis ins Mark. Die Schuld für sein Unglück gibt er den Kommunisten.

1947 wird Weghardt aus der Gefangenschaft entlassen, muß aber verbittert feststellen, daß er seinen Bruder an die kommunistische Ideologie verloren hat. Dieser möchte in der Sowjetunion bleiben, um am Aufbau einer neuen Weltordnung mitzuwirken.

Weghardt zerreißt alle familiären Bande zwischen sich und seinem Bruder und läßt sich in dem Städtchen Ödheim am Rhein nieder, wo er alsbald eine deutschstämmige Amerikanerin — Elisabeth Hullner — kennenlernt und heiratet.

1949 startet Weghardt eine kurze politische Karriere: Er wird in Ödheim zum Gemeinderat gewählt, wohl aufgrund seines — als Kriegsteilnehmer und Kriegsgefangener — Status des heimgekehrten Helden. In dieser Position vertritt Weghardt die Interessen der CDU, der er unverzüglich nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion beigetreten ist.

Als Weghardt 1954 diesen Posten wieder verliert, zieht er sich in bürgerliche Gemächlichkeit zurück und zeugt 1963 seine Tochter Annemarie.

1968 erwacht Frank Weghardt aus seinem politischen Winterschlaf und schließt sich, aufgerüttelt durch die Studentenunruhen, die ihm zwar nicht gefallen aber doch imponieren, der SPD an, für die er einen Wahlkampf lang aktiv als Plakatierer tätig ist.

1974 gelangt er durch einige Versicherungsbetrügereien und Urkundenfälschungen wieder zu Wohlstand und beschließt, sein Domizil in Frankreich aufzuschlagen. Er kauft sich bei Nimes ein kleines Häuschen, das er im Herbst 1975 bezieht, ohne dabei jedoch seine Deutsche Staatsbürgerschaft aufzugeben.

1982 machen sich erste Anzeichen der Alzheimerschen Krankheit bemerkbar. Die Auswirkungen dieser furchtbaren Krankheit setzt Weghardt in den darauffolgenden Jahren geschickt in künstlerische Produktivität um.

Seine Malereien finden 1985 in Nimes, 1988 in Straßbourgh und 1989 in Ochsenfurt bescheidene Anerkennung. 1989 ist auch das Jahr, in dem sich Weghardt endlich mit seinem Bruder aussöhnt, der seinerseits, inzwischen enttäuscht vom Kommunismus, diesem den Rücken gekehrt hat.

Frank Weghardt wird in diesem Jahr 88 Jahre alt.

Aus dem Tagebuch des Frank Weghardt

Ich hatte die Heimorgel abgestaubt und bei der Gelegenheit wieder einmal betätigt, was mir viel Spaß bereitete und ich spielte allerhand Kleinigkeiten, die ich mir selbst ausdachte. Das erste Stück hieß Orgelcountdown und bestand aus einem einzigen Ton. Wenn es schon nur ein Ton ist, dachte ich mir, sollte man ihn zumindest auf abwechslungsreiche Weise mit Pausen versehen. Die Abstände zwischen den Pausen müßten dann immer kürzer werden, damit die Spannung, die in einem solchen Countdown steckt, hörbar wird. So spielte ich den einen Ton und zählte bis elf, dann die Pause und den gleichen Ton um eine Oktave höher eine viertel Note lang. Ab hier gings da capo, aber ich zählte beim zweiten Mal nur bis zehn, dann bis neun usw., bis die Abstände zwischen den Pausen Null betrugen. Sind die Abstände zwischen den Pausen Null, so folgt Pause auf Pause, was eine große Dauerpause ergibt, die nie aufhört, sofern man nicht, wie wir es bevorzugten, das Lied vor der Dauerpause beendeten, damit es nicht zu langweilig wird.

Am nächsten Tag fiel mir ein, daß ich heute ein Stück mit zwei Tönen versuchen könnte. Auch der Rhythmus sollte dann aus zwei unterschiedlichen Bums bestehen, die sich abwechseln. So schlug diesmal der Nachbar nicht nur bum-bum auf die Trommel, sondern um-bum-bum, während ich den ersten Ton zwei Takte lang hielt, um den zweiten im staccato anzuhängen. Meine Frau klatschte dazu in die Hände oder ließ Messer und Gabeln auf den Boden fallen. Mit dem Lied hörten wir erst auf, als wir keine Lust mehr hatten, und bis dahin verging eine Weile.

Meine Frau war übrigens sehr begabt darin mit dem Küchengeschirr zu klappern und den Rhythmus mit den großen Topfdeckeln zu bereichern. Bei meinem schönsten Orgelstück, das wir Frühling nannten, verstand sie es sehr virtuos den Takt zu schlagen. Darüberhinaus waren es viele Stücke, bei denen sie triangelte, wofür sie wirklich Talent besaß.

Als wir den Versuch unternahmen meine Kompositionen mit dem Diktaphon, das seit meinem Ausscheiden aus dem Gemeinderat unbenutzt im Wohnzimmerschrank stand, aufzuzeichnen, entdeckte ich beim Abhören der alten Bänder etliche Anzüglichkeiten, die ich mir der Sekretärin gegenüber erlaubt hatte. Leider hatte sie nie darauf reagiert, obwohl sie ein hübsches Ding war und alleinstehend dazu. Dummerweise bemerkte ich nicht, wie meine Frau ins Zimmer trat und mithörte, als meine mal mehr und mal weniger charmanten Komplimente aus dem Diktaphon erklangen. Es war natürlich kein Wunder, daß die Enthüllung dieser Tondokumente den Haussegen schief hängen ließ. Meine Frau zwang mich, sämtliche Bänder vorzuspielen und da kam einiges zu Tage, was mir recht unangenehm war.

Meine Frau meinte, es sei nicht nur eine Frechheit, was ich dieser Sekretärin ins Ohr geflüstert hätte, sondern sie wäre auch entsetzt über den Ton meiner Geschäftsbriefe. Ihr Stolz, die Frau eines Gemeinderates zu sein, verkehre sich im Nachhinein zu Scham darüber, daß ich Sätze wie ». . . der Erweiterung ihrer Firmenanlagen steht nichts weiter im Weg, als eine Handvoll assoziales Gesindel, für die wir schon lange einen Grund suchen, sie loszuwerden . . .« von mir gegeben hatte. Da nützten meine Erklärungen, im Sinne des Bürgermeisters gehandelt zu haben, auch nichts mehr. Aber da meine Frau eine gute Seele ist, währte ihr Ärger nicht lange und wir konnten mit den Aufnahmen beginnen. Allerdings schlug sie diesmal etwas fester auf die Kochtöpfe, was dem Stück »Die junge Bundeswehr« gut bekam.

Wenn es ums Trommeln ging, ließ meine Frau jedoch immer unserem Nachbarn den Vortritt, obwohl der ja nur ein Bein und eine Hand richtig benutzen kann, wegen seiner Kriegsverletzung. Aber er meinte, ich sei auch kein guter Orgelspieler, denn wenn ich es wäre, solle ich beim Gottesdienst spielen, damit der Pfarrer nicht soviel Scherereien mit den auswärtigen Organisten habe. Ich antwortete, daß ich schon sehr gut an der Orgel sei, aber gleichzeitig sehr schlecht in Kirchenmusik, weil Kirchenmusik für alle Hände auf einmal ist. Meine eigenen Stücke, vor allem die mit nur einem oder zwei Tönen beherrsche ich perfekt und zum Teil sogar rückwärts, was die Kirchenorganisten mit ihren Liedern bestimmt nicht hinkriegen. Mit der Erklärung war der Nachbar nicht zufrieden, aber das Trommeln machte ihm trotzdem Spaß. Leider waren ihm viele Takte zu kompliziert. Mein Schwiegersohn kam mit seinem Saxophon und wir sollten ihn begleiten, als er eine Melodie im 3/4-Takt spielte. Der Nachbar schaffte es nicht, und ich mußte auch erst eine Weile üben, denn wenn man das Orgelspielen mit Märschen und Polkas gelernt hat, ist so ein 3/4-Takt recht ungewohnt und bedarf größter Konzentration.

Der Schwiegersohn hatte noch eine andere schöne Idee, bei der wir sehr ausgelassen musizierten, nämlich das Lied »Frank beim Zahnarzt«. Zu der Zeit tat mein einer Zahn schrecklich weh, wenn er mit süßen Sachen zusammentraf. Dann jammerte ich, und zwar so ähnlich wie bei »Frank beim Zahnarzt«. Allerdings jammerte ich beim musizieren durch den Corpus des Saxophons hindurch, was sich sehr nach Weltraum anhörte. Nach Weltraum zu klingen fanden wir alle schön und mußten an den Nikolaus denken, wie er mit dem Schlitten durchs All saust.

Gerne hätte ich manchmal noch mehr gesungen, doch meine Frau meinte, ich solle das erst einmal üben, wenn sie nicht da ist. Weil sie fast immer daheim ist, kann ich also nie üben, oder zumindest nur selten. Darum wird es vielleicht noch ein paar Jahre dauern, bis es soweit ist. Hoffentlich kann dann der Nachbar auch ein bißchen mehr als sein bum-bum.

Die oben dokumentierten Texte stammen, ebenso wie die beiden Abbildungen, vom Textblatt zur 7″EP “Weber & Schuster spielen FRANK WEGHARDT – Kompositionen für einen, zwei oder mehrere Töne” (MultiPop, 1990), das im Original so aussieht:

Edi Rogers Review dieser Schallplatte für das 10.16 Megazine kann man hier lesen: bum-bum

Seit kurzem kümmert sich das Akkordeon Salon Orchester (feat. Ralf Schuster) um die Musik des mittlerweile verstorbenen Komponisten. In diesem Video sind sogar Schmalfilme aus dessen Nachlaß zu sehen (ab Minute 8:28):
Warum ist das Akkordeon Salon Orchester so wie es ist? Vier Lieder mit Erläuterung!



Kompositionen für einen, zwei oder mehrere Töne

April 13, 2012

WEBER & SCHUSTER: “…spielen Frank Weghardt”
(7″EP, MultiPopProd., 1990)

Bisher waren mir Weber & Schuster zwar keine Unbekannten, aber so richtig kennengelernt habe ich sie erst durch diese Veröffentlichung. Auf mein Interesse stieß ihre bisherige Entwicklung immer (was natürlich auch am 10.16 lag), aber leider ist ihr Ruhm noch nicht bis nach Bärlin gedrungen, so daß ich immer noch einem ihrer Auftritte entgegenfiebern muß.

Die Musik dieser Single kann eine gewisse Seelenverwandtschaft zur Tödlichen Doris nicht verleugnen, und auch der ‘Schule der tödlichen Doris’ (wie die Einzelmitglieder jetzt firmieren) würde diese Scheibe nicht schlecht zu Gesicht stehen. Im Gegensatz zur Doris wird hier allerdings rein instrumental vorgegangen, was den Reiz aber überhaupt nicht schmälert. Sieben kleine musikalische Miniaturen betören so das Ohr. Aber das reichliche Textbegleitmaterial (die Platte ist in einem beidseitig bedruckten DinA3-Bogen verpackt) macht den Hörgenuß kurzweilig. Mir ist nur schleierhaft, warum Schuster & Weber sich Frank Weghardt als Komponisten erkoren, denn nach seiner abgedruckten Biographie stößt er mich eher ab. Aber man muß ja nicht alles wissen!

Edi Roger

Dieser Text stammt aus Edit 15 des 10.16 Megazine, erschienen im Sommer 1990 in Würzburg.

Die Frau, Das Monstrum

April 2, 2012

Stereo Total feat. Käptn Blauschimmel – Die Frau in der Musik / Das Monstrum
(7“, Staatsakt / Rough Trade, 2012)

Vor ein paar Tagen ist diese neue Single der “Berliner Rockgruppe” Stereo Total erschienen. Diesmal kümmern sich die beiden um Frauen nicht nur in der Musik. Traurig, daß dies heutzutage immer noch ein Thema ist. Hat sich seit der Post Punk New Wave Ära mit all den Mädchengruppen wirklich nichts getan, trotz Riot Girls und so? Der Text hätte auch schon 1979 geschrieben werden können: Die Frau in der Musik nervt, spielt Bass, ist sexy, trällert Liebesliedchen und “stört immer”. So denken wohl heutzutage immer noch etliche Musiker, Bühnentechniker und Konsumenten. Traurig!

Die Pärchen-Combo Stereo Total ist nicht nur mit dieser Single der lebende Gegenbeweis dazu. Ihrem Sound sind sie treu geblieben. Trashiges Schlagzeug trifft Synthesizer, da rockt die Disko, Frau singt, Mann sendet lustige Störgeräusche (soll das wirklich ein echtes Trautonium sein? Oskar Sala rotiert in seinem Grab!). Das noch kürzere Lied auf Face B, ebenfalls zum Thema “Sie” (aber nicht in der Musik) rockt dann noch mehr und überracht mit Boogie Woogie-Klavier. Klasse! Auf der angekündigten LP soll das angeblich alles ganz anders klingen. Da bin ich ja mal gespannt – auch ob das dann ein Konzeptalbum zum Thema Frauenklischees werden wird!?

02.04.2012

totgut

Februar 25, 2012

DIE TOTEN HOSEN
‘Wir sind bereit’ / ‘Jürgen Engler’s Party’
(7″, Totenkopf, Tot2, 1982)

Seit ein paar Monaten gibt es in Düsseldorf ein neues Label: TOTENKOPF- Schallplatten. Ihre ersten Produkte sind eine ZK-live-LP (lustig! lustig!) und als zweites eine Single der TOTEN HOSEN (Bestellnummer TOT 2).
Die Vereinigung der TOTEN HOSEN besteht aus Trini Trimpop (ex der KfC), Jochen H., Kuddel. Whyat Earp, W. November, Andi M. und Campi. Wenn man die Single das erste Mal hört, denkt man unwillkürlich an die legendären ZK: der gut arrangierte (arrangiert???) Chorgesang (Aaaaaa/Aaaaa), das Klatschen und die tolle Stimme. Kein großes Wunder, denn Campi, der Sänger mit der tollen Stimme kommt direkt von ZK, die sich ja getrennt haben, aber back to the Musik: einfacher, gerader, harter und gutgemachter (Punk?-) Rock mit guten, originellen deutschen Texten. Allerdings besser bzw. perfekter produziert als bei ZK. Die A-Seite ‘Wir sind bereit‘ ist gut, aber die B-Seite ‘Jürgen Engler’s Party‘ ist genial!
Der Text beißt alle düsseldorfer Ex-UntergrundundjetztPopstars, vor allem die Englers und Doraus*. Passend zum Song ist auf dem Cover noch der Brief einer 13jährigen Gymnasiastin an Jürgen abgedruckt: “Ich hab alle deine Platten und viele Fotos von Dir und Bernward. Ich weiß nicht, wen ich von euch schöner finde. ….. Wenn ich mir zusammen mit Ulla und Karin eure Platten anhöre, muß ich immer in die Hosen machen. Letzte Woche…”

*****

DIE TOTEN HOSEN
‘Niemandsland’ / Reisefieber’
(7″, Totenkopf, Tot1, 1982)

Die zweite TOTEN HOSEN-Single ist da! (Diesmal Best.-Nr. TOT 1). Wieder gerader, rauher und fetziger Rock mit tollem Backgroundgesang und Campi’s (Hallo, wie gehts deinen Campino-Bonbons?) einzigartiger Stimme. Die Texte sind kurz und bündig, aber nie albern, sondern gut. Danke für das Textblatt, ohne das würde man nur die Hälfte mitkriegen!
Am Anfang von ‘Reisefieber‘ hört man einen Dudelsack (oder ist es eine Tote Hose?) und das Meer (eigentlich mehr den Wind) rauschen. Bei ‘Niemandsland’ gefällt mir besonders dieses ‘khwüa!’ (oder halt so ähnlich) in der Mitte.
DIE TOTEN HOSEN schaffen es, obwohl bei ihnen u.a. Leute mitspielen, die seit ca. fünf Jahren aktiv sind, frischeste Musik zu machen, die auch noch mit guten Texten Spaß macht. DIE TOTEN HOSEN gegen tote Hose in überall!

Achtung! Hab noch mehr Informationen aus Düsseldorf über die TOTEN HOSEN gekriegt: Und zwar, daß es schon wieder eine neue Single gibt. Titel: ‘Armee der Verlierer’, ‘Opel-Gang’ und ‘Eisgekühlter Bommerlunder’. Eine Flasche Bommerlunder liegt bei. Aber besauft euch nicht!
P.S.: DIE TOTEN HOSEN sind nicht toll, sondern totgut ! ! !

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Diese beiden zeitgenössischen Reviews stammen aus der im April 1983 erschienenen Erstausgabe des Würzburger Fanzines Oi Oi Oi!.

Ein herzliches Beileid an Die Toten Hosen zu ihrem 30-jährigen Jubiläum und dazu, daß ausgerechnet die Zeitschrift Rolling Stone aus diesem Anlaß im April 2012 ihre erste Single wiederveröffentlichen wird. Was nichts daran ändert, daß die ersten Hosen-Singles zu meinen All time favourites zählen!

Anmerkung:
* wobei eh klar ist, daß Andreas Dorau kein Düsseldorfer ist, genausowenig wie Holger Hiller. Aber bei den Leuten von Der Plan bzw. Ata Tak hat er die eine Hit-Single aufgenommen. Im Song der Toten Hosen ist Dorau auf dem Balkon zu sehen. Der Bilker Jürgen Engler war Mitglied von Male, bevor er mit Die Krupps erfolgreich wurde.


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