Mit ‘New York’ getaggte Artikel

Miss.Tic Présidente

Juni 16, 2012

Jorinde Reznikoff und KP Flügel – BOMB IT, MISS.TIC!
Mit der Graffiti-Künstlerin in Paris

(Taschenbuch, Kleine Bücherei Nautilus, 2011)

In Hamburg kennt man die AutorInnen Reznikoff und Flügel als MacherInnen der Neopostdadasurrealpunkshow auf Radio FSK (Freies Sender Kombinat). Und irgendwie scheinen die beiden etwas mehr als frankophil zu sein. So haben sie in ihrer Radio-Sendung über französische Musikfestivals berichtet oder das Label Le Son du Maquis porträtiert und die Komponistin Eliane Radigue interviewt.

In diesem handlichen Taschenbuch wird nun die Pariser (Street Art) Künstlerin Miss.Tic (* 1956) in ihren eigenen Worten vorgestellt, eine Frau, die sich von keiner politischen Richtung vereinnahmen läßt und auch von mancher Feministin angefeindet wurde. Das editierte Interview (die Fragen wurden weggelassen) wird durch ausgewählte Zitate anderer Künstler und Autoren ergänzt. Da taucht dann neben französischen Schriftstellern und Philosophen auch mal ein Gabi Delgado-López (Deutsch Französische … äh nee … Deutsch Amerikanische Freundschaft, natürlich) auf oder John Lydon (Public Image Limited) und Lydia Lunch (Teenage Jesus And The Jerks, 8 Eyed Spy). Da kommt etwas die Vorliebe der AutorInnen bzw. HerausgeberInnen für Post Punk und No Wave durch.

Vor der Lektüre dieses Buches kannte ich die Künstlerin Miss.Tic gar nicht. In den 1980er Jahren machte sie ihre ersten Ausstellungen indem sie mittels Schablonen ihre (Frauen-) Figuren an die Wände im öffentlichen Raum sprühte. Zahlreiche Schwarzweiss-Abbildungen zeigen ihre Text-Bild-Montagen, die voller Wortspiele und Anspielungen zu strotzen scheinen. Schade, daß ich mit der französischen Sprache nix am Hut habe (warum habe ich damals in der Schule nur Latein gebüffelt?). Gottseidank werden diese Spielereien in der Übersetzung der Bildtexte erklärt.

Empfehlenswertes Buch, nicht nur für Leute, die sich für Street Art interessieren.
Denn Kunst ist überall!
Auf Mauern, Bauzäunen und sogar in Galerien…

GZ,
13.06.2012

Art, great Art!

April 16, 2012

ART, The Only Band In The World – Live,
at Carnegie Hall, September 16, 1981

(C60, The Only Label In The World, 1982)

Diese C60-Cassette wird wohl das letzte Tondokument dieser New Yorker Gruppe sein. ART, THE ONLY BAND IN THE WORLD, soll sich inzwischen nämlich aufgelöst haben. Dieses Tape jedenfalls wurde am 16. September 1981 live im kleinem Saal der Carnegie Hall aufgenommen, während im großem Saal FRANK SINATRA auftrat.

ART ist ein Quartett, das minimale/einfache Musik macht: mit zwei Gitarren, ab und zu mit Metronom oder Mini-Percussion und immer der Gesang / das Geschrei ihrer Texte. Die sind meist bissig bis provokant. Sie lassen sich übers Show-Business, über diverse Musiktrends (New Wave, Reggae, Rap), verschiedene Menschentypen, und was sonst so modern ist, aus. In “I don‘t want to hold your hand (I just want to beat you up)” machen sie einige Stars (Bowie, Rotten, Stones, etc.) nieder, indem sie deren Hits auf ihre einfache Art nachspielen und ihre neuen Texte dazu singen. Teilweise die perfekte Verarschung. “Ugly People With Fancy Hairdo’s” ist ein Song über den Lebensstil der coolen und gelangweilten New Wave / Punk-Generation der 80er Jahre. Eine genaue und tiefsinnige Schilderung. Ihre 13 Songs bringen noch mehr solcher Sachen. Als Abschluß gibts auch eine ART-Version des immergesungenen Evergreens “New York, New York”. Allerdings mit verändertem Text.

Schade, daß es ART nicht mehr gibt. Aber vielleicht hat MYKEL BOARD, der Kopf von ART noch irgendwas neues auf Lager.

dom

Dieser Text stammt aus dem 3. Heft des Würzburger Fanzines Oi Oi Oi! (später 10.15 bzw. 10.16 Megazine), erschienen am 28. Februar 1984. Urheber: Guido Zimmermann

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One unforgettable day

September 5, 2011

Foto: Stefan Hetzel

New York, September 2001
(Super-8-Film, fast 6 Minuten, 2004)

Kein schönes Jubiläum. Aber Jahrestage müssen abgefeiert werden. So steht es in den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Medien. Wer auch immer diese sein mögen. So entsteht zehn Jahre nach diesem als 9/11®  „gebrandeten“ Ereignis wieder eine wortreiche Informationsflut, die niemand verarbeiten wird. Genauso wenig wie die damals im Fernsehen und auch im Radio auf Endlosschleife drehenden Informationen der Marke Nix-genaues-weiss-man-nicht.

Grund genug, auf einen kurzen, experimentellen Super-8-Film hinzuweisen, der die Ereignisse des 11. September 2001 in New York in beeindruckender Weise zeigt.

Der Komponist Stefan Hetzel (Eibelstadt) und der Filmemacher Ralf Schuster (Cottbus), beides alte Freunde, die schon in den 1980er Jahren im unterfränkischen Ochsenfurt filmisch und musikalisch zusammen unterwegs waren, machen im September 2001 Urlaub in New York. Schuster hat eine Super-8-Kamera dabei um mit Einzelbildern die Reise zu dokumentieren. Als die beiden eines Tages im Hotel aufwachen, werden sie Zeugen der Auswirkungen dieses Terroranschlages auf die Türme des World Trade Center. Und Schuster filmt.

Aber erst ein paar Jahre später wird der Film fertig gestellt. Und Hetzel komponiert eine Musik dazu, die einfach passt und stellenweise diese eher ruhige als nervöse Beklemmung wiederspiegelt. Eine der ersten Aufführungen diese Filmes fand vermutlich in der Gambacher Scheune des bildenden Künstlers Christian Walter statt. Irgendwann wurden die Bilder digitalisiert und via Archive.org zugänglich gemacht. Somit braucht es nur noch einen Klick um sich diesen Film ohne Worte anzusehen:
Klick hier
oder hier
Play full screen!
Play loud!

Interessant auch die Anmerkungen von Stefan Hetzel zu dieser Sache auf seiner Site:
stefanhetzel.de

Mit 66 fängt das Leben erst an

Juni 30, 2011

Blondie – Panic Of Girls
(LP/CD/DL, Five Seven Music/EMI, 2011)

Die neuen Blondie-CD hat ein ziemlich häßliches Cover – auf der Rückseite sieht das Gesicht von Deborah Harry bizarr verzerrt wie das eines Aliens aus. In Echt ist diese alte Schachtel doch viel hübscher!

Elf neue Songs gibt es zu hören. Gleich die ersten beweisen, dass man auch im hohen Alter noch „gut abrocken“ kann. Alles fett produziert, mit knackigen Gitarren-Riffs, maschinenartigem Schlagzeug und Keyboards, die alles zukleistern. Die Stimme wird manchmal mit einem Autotune-Effekt (oder wie auch immer dieser unnötige Sound-Design-Schnick-Schnack sich nennen mag) belegt, was mich tendenziell anekelt. Nach drei Knallern wird das Tempo etwas herausgenommen und es geht eher in eine Richtung, die an alte Hits wie „The Tide Is High“ (gewiss nicht mein Lieblingslied von Blondie) denken läßt. Die Leichtigkeit von damals vermisse ich etwas. Alles ist so gnaden- und seelenlos hart überproduziert, dass der Sound und auch diese Musik mir keinen Spaß machen. Auch nicht, wenn es dann noch etwas mehr reggae-mäßig oder gar südamerikanisch angehaucht weiter geht. „Love Doesn‘t Frighten Me“ könnte – anders produziert – vielleicht eine klassisches Blondie-Stück sein und wird nach radiotauglichen drei Minuten ausgeblendet (es gibt nichts einfallsloseres als eine Ausblende!).
Zusammenfassung meines ersten und zweiten Höreindrucks:
Schade eigentlich.

Vertrieben wir diese CD – ähnlich wie die letzte Prince-CD im August 2010 – vorab als Beigabe zur Juli-Ausgabe des (deutschen) Rolling Stones, heute ist Erstverkaufstag. Ab 15. Juli 2011 wird es dann wohl u.a. noch eine „Chris Stein Doppel CD Edition“ und Vinyl geben.
Zum Rolling Stone-Heft und dem dort enthaltenen „35 Jahre Punk Special“ sag ich lieber erstmal nix – das wäre eine Geschichte für sich…

Nachtrag vom 1. Juli 2011:
Alles Gute zum 66. Geburtstag, liebe Deborah Harry!

Noch ein Nachtrag, diesmal vom 28. Juli 2011:
Irgendwie stand ich da völlig auf dem Schlauch, aber meine Schwester hat sofort erkannt, daß es sich bei “Sunday Smile” um eine Cover-Version handelt. Das Original stammt von Beirut (die Band von Zach Condon) und ist einfach herrlich schön. Etwas besseres kann jemandem an einem Sonntagmorgen kaum passieren. Aber in der Version von Blondie wird daraus eine charmelose Schmonzette. Das gibt nochmals Punk(t)abzug.

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Rhys Chatham im Klub Katarakt

Januar 24, 2011

Rhys Chatham Portrait-Konzert
(Klub Katarakt 32, Kampnagel Music Hall, 20.01.2011)

Schon super, wenn man auf ein Konzert eines Komponisten geht, den man  noch garnicht kennt, aber sich trotzdem sofort in dessen Sound heimisch fühlt. So geschehen am vergangenen Donnerstag beim Konzert mit Rhys Chatham, dessen Name mir vorher nicht präsent war. Dabei wurden Werke von ihm auch auf dem amerikanischen Label Table Of The Elements veröffentlicht und der allseits bekannte Glenn Branca war Mitglied der Band, die 1977 „Guitar Trio“ konzertant aufführte.

Dieses Portrait-Konzert war dreigeteilt: zuerst verschiedene Kompositionen für elektrische Gitarren, E-Bass und Schlagzeug, dann ein Gespräch mit dem Komponisten und abschließend ein Frühwerk für zwei riesige chinesische Gongs.

Im Gespräch kamen auch biographische Eckpunkte zur Sprache. Chatham (geboren 1952)  studierte u.a. bei Morton Subotnick und La Monte Young und stimmte zum Broterwerb Cembalos. Im Alter von 24 Jahren ging er das erste mal in seinem Leben auf ein Rock-Konzert – ausgerechnet zu den Ramones im CBGB‘s. Das beeinflusste ihn derart, dass er fortan Werke für elektrische Gitarren schrieb.

An besagtem Donnerstag wurde auch die Komposition “Guitar Trio” aus dem Jahr 1977 gespielt, allerdings in einer 30 Jahre später überarbeiteten Version namens “G3″ mit insgesamt 10 Gitarristen. Zu einer fast schon krautrockigen Rhythmusgruppe spielen die Gitarristen obertonreiche Sounds, die den Effekt haben, dass man mehr hört als eigentlich gespielt wird. Stellenweise konnte man fast schon Gesangsstimmen erahnen. Allen Sonic Youth-Fans dürfte dieser Sound mehr als bekannt vorkommen (kein Wunder – man kennt sich in Downtown New York). Offensichtlich hat Rhys Chatham nicht nur den damaligen New Yorker No Wave beeinflußt.

Zuvor wurde “Die Donnergötter” (1985/86) aufgeführt, eine – im Gegensatz zu den anderen Stücken – komplett ausnotierte Komposition, die noch strukturierter anmutete und mit nur 6 Gitarren auskam. Der Titel ist, so wurde erzählt, einem Konzert-Review (im Stern!?) eines Auftritts von Chatham auf dem Moers Festival entlehnt.

Als Zugabe wurde “The Out Of Tune Guitar, No. 4″ (2008) dargeboten, ein relativ statisches Stück in pythagoräischer Stimmung. Aufführende waren jeweils das Boyds Elektro Gitarren Orchester mit Rhys Chatham himself als Dirigent und auch mitspielendem Gitarristen.

Nach dem Komponistengespräch und entsprechender Pause wurde im Saal nebenan noch “Two Gongs” (1971) aufgeführt. Zwei PerkussionistInnen halten sehr lange (ich habe nicht auf die Uhr geguckt, aber eine Stunde könnte es gewesen sein) jeweils einen großen Gong permanent in Schwingung. Dabei entstehen Sounds, die man von einem Perkussionsinstrument nicht unbedingt erwarten würde: flächige, sich ständig verändernde Klänge, die stellenweise sehr laut und noisy daherkommen. Auch hier wieder ein Experiment mit Obertönen. Und irgendwie auch Vorbild für seine späteren E-Gitarren-Stücke.

Faszinierend.

Auch auf youtube wurde dieser Konzertabend dokumentiert:

Rhys Chatham & Boyds Elektro Gitarren Orchester
(live Hamburg 20.01.2011)
G3 (die letzten 5 Minuten)
G3 (Finale)
Die Donnergötter Teil 1
Die Donnergötter Teil 2

 

Legendäre Schwäne

Dezember 13, 2010

Swans live
( Kampnagel, Hamburg, 12.12.2010)

Was ich jetzt von diesem Swans-Konzert halten soll,  weiss ich auch nicht. Die wiederbelebte Wasweissichwasfür‘ne-Legende begann so wie manche Rock-Bands ihr Konzert beenden: mit Rückkopplungslärm. Als der  Perkussionist als erster auf die Bühne trat, freute sich die Hörerschaft zu früh. Denn er stellte nur sein Feedback an und verschwand wieder. Viele lange Minuten später der zweite Mann, Feedback an, wieder weg. Dann kam irgendwann der Schlagzeuger und spielte metallische, hackbrettartige Perkussion dazu. Dann wieder Mann 1, ebenfalls Metall auf Metall. Feedback und Lärm galore. Dann endlich der Bassist mit tiefen, körperlich spürbaren Frequenzen. Und als dann noch ein Gitarrist und schließlich Michael Gira auf der Bühne standen, wurde es erst noch mal super laut, bevor das Ganze mehr Struktur bekam und mit Text versehen wurde.

Mit der Lautstärke hatte ich zugegebenermaßen Probleme. Das ellenlange Feedback-Intro hörte ich mir noch ungeschützt an. Nicht unbedingt die Lautstärke, aber die fiesen hohen Frequenzen trieben mich in die schützenden Hände primitiver Ohrstöpsel. Aber das machte den Klang auch nicht besser, nur muffiger.

Somit kann ich über dieses Konzert keine wirklich ernsthafte Meinung darlegen. Nur, dass ich dieses “Lauter!”-Dingens ziemlich pubertär finde. Lautstärke bringt keineswegs mehr Transparenz.

Aber ob es jetzt daran lag, dass der apokalyptische Geist der Swans nicht auf mich übersprang, kann ich Euch jetzt auch nicht sagen…


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