E 621

Neulich war ich im Deutschen Zusatzstoffmuseum, obwohl ich gar nicht wußte, dass es soetwas gibt. Ich hatte ernährungsbewußten Besuch, der dessen Anschrift herausgefunden hat. Das Zusatzstoffmuseum befindet sich auf dem Gelände des Hamburger Großmarktes – eine gute Adresse für null Laufkundschaft – und ist ein Projekt der Hamburger Lebensmittelstiftung und wird u.a. von einem Tiefkühlkost-Produzenten gesponsort, der sich selbst verpflichtet hat, auf Zusatzstoffe zu verzichten.

Anhand einer Zeittafel im Flur wird man in das Thema eingeführt und erhält einen Überblick über verschiedenste alte und neue Methoden der Konservierung von Lebensmitteln und einzelne Zusatzstoffe. In einem großen Raum wird ein Supermarkt nachempfunden, aber statt leckerer Lebensmittel sind an einer Wand nur Gefäße mit verschiedensten Lebensmittelzusatzstoffen zu sehen. Das ist erstmal nicht so spannend. Aber mittels informativer Tafeln oder kurzer Filme wird am Beispiel verschiedener Lebensmittel (Joghurt, Brot, etc.) gezeigt, was so in unserem Essen steckt, warum die Industrie diese Stoffe einsetzt und was deklariert werden muss. Und da kommt man doch ab und zu ins Staunen. Dass beispielsweise sogenannte natürliche Aromastoffe zwar aus natürlichen Rohstoffen hergestellt werden, aber mit der nachgeahmten Frucht eigentlich nicht zu tun haben, hat man schon mal gehört. Aber dass „Würze“ nichts mit Gewürzen zu tun hat, überrascht dann doch. Oder dass Süßstoffe in der Viehzucht als Masthilfsmittel eingesetzt wird. Ebenso, dass manche Sachen garnicht mehr deklariert werden müssen, wenn sie im Endprodukt keine technische Funktion mehr haben (oder so ähnlich) – wenn im Joghurt eine Fruchtzubereitung verwendet wird, müssen deren Zusatzstoffe beispielsweise am Ende nicht mehr deklariert werden.

Interessant auch, warum überhaupt Zusatzstoffe verwendet werden: um Fehlnoten in der Qualität der Rohstoffe zu überspielen, um Geschmack zu verstärken, damit Markenware immer gleich schmeckt, um die industriellen Prozesse zu optimieren, um billigst produzieren zu können und natürlich um die Ware zu konservieren.

An einem Pult kann man noch Proben von Aromastoffen schnüffeln und erraten. Und wer Lust auf ein Quiz hat, kann an einem Terminal sein frisch erworbenes Wissen testen.

Wer dann immer noch aufnahmebereit für Informationen ist, kann sich in einem separaten Raum ein halbstündiges Fernsehfeature vom SWR aus dem Jahr 1990 ansehen, dazu Bio-Saft trinken und sich sogar ein Tiefkühlgericht in die Mikrowelle schieben (worauf wir verzichtet haben).

Sehr informativ, das Ganze! Eine Führung ist bestimmt auch sehr interessant.

Weiterhin guten Appetit!

Website: www.zusatzstoffmuseum.de

PS: E 621 = Mononatriumglutamat, ein Geschmacksverstärker

Flattr this

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Eine Antwort to “E 621”

  1. michaela Says:

    Was für ein Zufall – grad gestern ist mir das Museum zum ersten Mal aufgefallen. Hab mich innerlich am Kopf gekratzt und mich gefragt, was es damit auf sich hat. Prompt folgt heute die Erklärung. Besser geht’s nicht!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: