Valeska

Wolfgang Müller – Valeska Gert: Ästhetik der Präsenzen
(Taschenbuch, Martin Schmitz Verlag, ISBN 978-3-927795-51-8)

Valeska Gert – Baby
(7“, Martin Schmitz Verlag, 2010)

Obwohl ich keine Ahnung von Tanz habe, finde ich dieses neue Buch von Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris) sehr interessant. Denn hier stellt er nicht nur dar, welche Bedeutung Valeska Gert (1891 – 1978) für den Modernen Tanz hat, sondern auch den Einfluss auf ihn selbst und den Kreis der Genialen Dilletanten im Westberlin der frühesten 1980er Jahre. Müller selbst hat sie Mitte der 70er Jahre, als er noch in Wolfsburg wohnte, in einer Talkshow gesehen. Die Faszination an dieser Person scheint ihn bis heute nicht losgelassen zu haben. Aber auch Frieder Butzmann hat sie damals für sich entdeckt, was dazu führte, dass er einen Song mit dem Titel „Valeska“ aufnahm, eine Hommage an verschiedene starke Frauen (zu hören auf Butzmann & Sanja – Valeska / Spanish Fly / Waschsalon Berlin, 7“, Marat, 1979).

Auf dem Cover zitiert er eine kurze Passage aus Gerts Buch „Mein Weg“ aus dem Jahr 1931 (welches ergänzend als Anhang in Müllers Buch komplett mit abgedruckt wurde), die zeigt,  welche zukunftsweisenden Ansichten sie damals bereits hatte. Inspiriert durch neu aufkommende Technologien (z.B. Tonfilm)  brachte sie neue Elemente in den Tanz ein, der wohl fast schon Performance-Charakter hatte (bei dieser Gelegenheit kommt Müller auf das Thema Gebärdensprache zu sprechen, das ihn auch schon lange begleitet). Und auch das Konzept der Künstler-Kneipen, in den 1980ern gab es in Berlin beispielsweise das Kumpelnest 3000, hat Valeska Gert an verschiedensten Orten dieser Welt vorweggenommen. Und nicht nur das.

Parallel zum Buch wurde eine auf 400 Exemplare limitierte Vinyl-Single veröffentlicht. „Baby“ sollte in den 1960er Jahren bei der Deutschen Grammophon erscheinen. Aber anscheinend waren die damals entstandenen Aufnahmen immernoch zu revolutionär um veröffentlicht zu werden und sind verschollen. 2009 tauchte ein 40 Jahre altes Video auf und wurde vom ZKM in Karlsruhe digitalisiert. Die Tonspur kann man nun auf dieser Single hören: abstrakte, knurrige, mit Mund und Kehlkopf generierte Geräusche, Röcheln, Schreie. Ob Free Impro Vokalist Phil Minton auch mal so angefangen hat? Schade, dass man das dazugehörige Video und Gerts Mienenspiel nicht sehen kann. Aber im Buch wurde dies ja zumindest als schönes Daumenkino abgebildet.

Anlässlich dieser Veröffentlichung findet bis zum 6. Februar 2011 eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, in Berlin statt: Pause. Valeska Gert: Bewegte Fragmente
www.hamburgerbahnhof.de

Das Buch und die Schallplatte kann man direkt beim Verlag bestellen:
www.martin-schmitz-verlag.de

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Eine Antwort to “Valeska”

  1. Fassade | mr.boredom's Says:

    […] Postbahnhof, S-Bahntrasse und dem Neubau der Daimler AG in 10243 Berlin-Friedrichshain, unweit der Valeska-Gert-Straße, Germany (am […]

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