Hittville B.R.D.

Utopia Ltd.
(Dokumentarfilm, Deutschland, 2008 – 2011, 90 Minuten)

Am vorletzten Dienstag hatte dieser Dokumentarfilm über die Band 1000 Robota im Abaton-Kino Hamburg-Premiere – zwei Tage vor dem offiziellen bundesweiten Kinostart am 12. Mai 2011. Auf der Berlinale wurde er bereits als Eröffnungsfilm der Reihe „Perspektive deutsches Kino“ gezeigt.

Filmemacherin und Cutterin Sandra Trostel hatte das Glück, auf diese – immer noch ziemlich junge – Band während eines ihrer ersten Konzertes anno 2008 im Knust gestossen zu sein, kurz bevor sie dann als Hype durchs Dorf getrieben wurde. Und das ist das besondere an diesem Film: man bekommt nicht tausend Jahre im Nachhinein erklärt wie es damals so ungefähr gewesen sein könnte, sondern man erlebt eine Band, die gerade am Sich-Entwickeln ist. Man erlebt mit, wie sie ihre erste Platte aufnehmen und Promotion-Touren auf sich nehmen. Aber auch, wie sie ihr Abitur in Hittfeld schreiben und ihren 18. Geburtstag mit der Familie feiern oder ins erste WG-Zimmer ziehen. Aber keinen Sex, keine Drugs (außer Bier), keinen Rock‘n‘Roll. Und das in diesem jungen Alter?!

Irgendwie haben sich die Filmemacherinnen so dezent verhalten, dass sie für die Beteiligten keine Rolle mehr spielten. So bekommt man als Zuschauer einen Eindruck vom Verhältnis zwischen der Band und ihrem damaligen Label und auch Einblick in Diskussionen bei bzw. nach den Aufnahmen zu ihrer ersten Platte. Schon da ging 1000 Robota so manches gegen den Strich – und sie trafen (instinktiv) so manche Entscheidung, die nicht immer nett war, aber ihre künstlerische Integrität gewährleistete. Ihr damaliges Label war beispielsweise so bescheuert, 1000 Robota für eine Vorentscheidung zu Stefan Raabs Song Contest schicken zu wollen, und die Band war so bescheuert erst zuzusagen, um dann später doch nicht dorthin zu gehen. Eine Entscheidung die  Respekt verdient! Label-Macher Dirk Darmstädter hat 2010 übrigens zusammen mit Bernd Begemann dort eine flotte Freddy-Cover-Version abgeliefert und ist grandios gescheitert. Schon blöd, sich als Kanonenfutter für Herrn Raab zu verdingen. Ob sie dadurch jemals eine Platte mehr verkauft haben? 1000 Robota spielten jedenfalls nicht mit und es hat ihnen nicht allzusehr geschadet. Es geht nun mal nicht immer nur um Verkaufszahlen.

Der Film kommt vollkommen ohne Off-Sprecher aus und auch ohne irgendwelche Musiker-Kollegen, die Statements über das Objekt dieses Dokumentarfilms abgeben. Also kein Distelmeyer, der erzählt wie toll Mutter ist. Und auch kein Nick Cave, der seinen Senf zu Blixa oder wemauchimmer abgibt. Nichts dergleichen. Selbst Interview-Fragen werden nur in zwei, drei Ausnahmefällen vom den Filmemacherinnen gestellt. Schließlich gibt die Promotion-Tour genügend Material her um den Umgang mit Musikpresse und Radio zu dokumentieren.

Das ganze ist ein dicht collagierter Film, bei dem mir die Musik fast ein  wenig zu kurz kommt. Es gibt es zwar immer wieder Konzertausschnitte, aber nicht sehr ausführlich.

Der Film endet Anfang 2010 – natürlich wäre es noch interessant gewesen mehr über den Wechsel der Band von der Tapete Records (Darmstaedter, Buskies GbR) zur Buback Tonträger GmbH zu erfahren oder über die Entstehung ihrer zweiten Platte. Aber irgendwann muss ja mal Schluß sein.

PS: Schön auch die Sequenz, bei der jemand durch die Tür des Burn Out Records Ladens geht – Schnitt – und dann im Inneren des Zardoz ankommt…

Die Site zum Film:
www.utopialimited-film.de

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