Pechschwarzes Vinyl

Andreas Dorau – Todesmelodien
(CD / LP+CD / DL, Staatsakt, 2011)

Bereits 1992 hatte Andreas Dorau (*1964) Ärger mit der Unsterblichkeit (so der Titel seines damaligen Albums), vor ein paar Monaten erschienen seine zwölf „Todesmelodien“, die so garnicht traurig klingen, eher munter – auch wenn sie teilweise wirklich ernste Themen beinhalten. Durch den Tod seiner Mutter beschäftigte sich Dorau wohl mit Sachen wie Altenheim („Ausruhen“), Übergang zwischen Leben und Tod („Es war hell“) oder  Gedenken an die Verstorbenen („Edelstein“). Aber von einem Konzept-Album zum Thema Tod zu reden wäre nicht zutreffend. Denn es werden auch andere, durchaus diesseitige Dinge angesprochen wie „Inkonzequenz“, „Größenwahn“ oder „Neid“.  Aber er fragt auch, ob es die Natur wirklich so gewollt hat, dass das Federkleid eines Vogels die Farben der deutschen Flagge trägt. Das Lied „Single“ ist eine Ode auf das selbige Tonträger-Format – der Text kann aber auch bei weniger genauem Hinhören als Abhandlung des Alleinstehenden-Daseins von Leuten Mitte 40 interpretiert werden.

Bei der Produktion haben ihm so einige Freunde in Hamburg und Berlin geholfen. Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris) hat ein paar Texte beigesteuert, Françoise Cactus (Les Lolitas, Stereo Total, Wollita) singt nebenbei mit, ebenso wie Inga Humpe (Neonbabies, 2raumwohnung). So manchen Track hat Mense Reents (Das Neue Brot, Stella, Die Goldenen Zitronen, Die Vögel) produziert und für nicht nur geblasene Wohlklänge sorgt Jakobus Siebels (Das Neue Brot, JaKönigJa, Die Vögel). Justus Köhncke (Whirlpool Productions), Moritz Reichelt (Der Plan) und Ebba Durstewitz (JaKönigJa) tauchen auch noch auf. Und Erobique sorgt für einen eleganten Abschluss dieses Albums. Um nur ein paar Namen zu nennen.

Da gibt es Lieder mit 70er-Jahre-Streicher-Disco-Arrangement (wie im gerade erwähnten Finale), aber auch ein minimalistisches, fast nur auf Rhythmus und Gesang reduziertes Stück. Flott kommt so manch anderer Track daher. Da sitzt jeder Ton, selbst Störgeräusche werden perfekt integriert. Klar wurde da so einiges elektronisch sequenziert und zusammengesampelt, aber dank verschiedener, in diesen Kreisen eher weniger genutzten Instrumenten wie Banjo, Posaune oder Tuba kommen angenehme Klangfarben ins Spiel. Bester Post Dancefloor Pop!

Irgendwie gefällt mir diese Platte immer besser. Würde mich nicht wundern, wenn sie in meiner Favoritenliste für das Jahr 2011 auftaucht…

Das Ganze gibt es übrigens auch gepresst „in pechschwarzes Vinyl“.

Hörproben:
Andreas Dorau – Stimmen in der Nacht
Andreas Dorau – Größenwahn

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