Archive for November 2011

Aromatisierte Luft

November 23, 2011

Michaela Melián und Justus Köhncke – Liebe tut weh (Foto: Guido Zimmermann)

Programmvorschau:
Konspiratives KüchenKonzert mit
Justus Köhncke und Michaela Melián
(wird an irgendeinem Freitag im Februar 2012 auf ZDFkultur gesendet)

Am vorgestrigen Montag (21. November 2011) wurde diese neue Folge der Konspirativen KüchenKonzerte in Hamburg-Wilhelmsburg aufgezeichnet. Zu Gast bei Chefkoch Marco Antonio Reyes Loredo waren die MusikKünstlerInnen Justus Köhncke (*1966, war mal bei Whirlpool Prod. dabei) und Michaela Melián (*1956, schon immer Mitglied von Freiwillige Selbstkontrolle / F.S.K.). Wobei Köhncke eher für die Musik zuständig war und Melián für die (Medien-) Kunst – obwohl beide ja beides machen und auch nicht voneinander trennen mögen.

Obwohl ich im Studio-Publikum saß, bin ich sehr gespannt, wie die fertige Sendung auf dem Bildschirm wirken wird. Denn Michaela Melián hatte sich ein Konzept für diese Sendung ausgedacht, das frühe experimentelle Fernseh-Kunst zitiert. Vor die Kameralinsen wurden transparente Folien gespannt, die mit Silhouetten, Texturen, Grafiken, Bildern, Typo oder Texturen versehen waren und alle paar Minuten gewechselt wurden. Am Bildschirm sieht man dann also keine reine Abbildung der Studio-Realität mehr sondern bekommt einen durch die entsprechenden Folien verfremdeten Eindruck. Im ersten Gespräch im Küchenbereich wurde als Referenz auf den Ausstellungskatalog „Ready to Shoot“ der Fernsehgalerie Gerry Schum hingewiesen. Später verteile Michaela Melián noch Schildchen mit fernseh-kritischen Parolen, die das Publikum möglichst voll in die Kamera halten sollte. Wie das wohl am heimischen TV rüber kommt?

Justus Köhncke sorgte mittels Laptop, Mischpult und einem alten Korg-Synthesizer für musikalische Unterhaltung. Angenehme elektronische Tanzmusik, zu der Köhncke auch manchmal in deutscher Sprache sang – u.a. bei seinem hit-verdächtigen „So weit wie noch nie“. Als Höhepunkt gab er zusammen mit Michaela Melián eine Cover-Version von „Liebe tut weh“ zum besten. Dieser Song stammt von der Debut-LP der New Wave Band Freiwillige Selbstkontrolle und wurde von ihr hier wohl das erste Mal selbst gesungen – im Duett mit Justus – obwohl ihre Band diesen Song heute live immernoch spielt. Schade, dass diese schöne, flotte Version so kurz war.

Ach, und was gab es zu Essen? Von den Star-Gästen wurde Molekularküche gewünscht. Schließlich war Ferran Adrià ja Gast auf der Documenta 12. Chefkoch Marco nahm die Herausforderung an und servierte als Gruß aus der Küche aromatisierte Luft, abgefüllt in bunten Luftballons. Nach gemeinsamen Öffnen der Ballons duftete es nach zitroniger Quarkspeise oder so. Später wurde noch Fischfilet auf Erbsenspiegel mit gelierten Tomaten und mittels Stickstoff aufgeschäumten Kartoffelmus serviert. Kommentar der Künstlerin: „Also mit Molekularküche hat das echt nichts zu tun!“. Aber was will man schon erwarten von einem ersten solchen Experiement ohne entsprechende Laborgeräte?

Zwischendurch haben sich die beiden Gäste in der Musikecke noch Musik für den Abspann (vermute ich mal) ausgesucht und konnten sich auf eine Single-B-Seite von Can einigen: „Shikako Maru Ten“.

Also den noch nicht fixen Termin schonmal vormerken!

Nachtrag:
Der Sendetermin steht nun fest. Diese Folge wird am 03.02.2012 auf ZDFkultur verstrahlt.

Diese Sendung kann man sich immernoch auf youtube im KuechenKino angucken.

Die konspirative Videothek:
konspirativekuechenkonzerte.de

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Floristik vs. Politik

November 23, 2011

Unbekannter Künstler: Plakat, Offset-Druck auf Affichen-Papier
(gesehen im Werbeumfeld Hamburg-Hoheluft)

RIP FJD

November 14, 2011

Mit Franz Josef Degenhardt (3.12.1931 – 14.11.2011) hatte ich eigentlich so gut wie nichts am Hut. Irgendwann hörte ich allerdings das Lied von den Les Robespierres über Angela Davis und empfand diesen Song als Höhepunkt ihrer „L‘Amerique“-Platte. Perfekt arrangiert , mit einem hypnotischem Gitarren-Riff, auch Orgel dabei und mit Melissa Logan und ihrem amerikanischen Akzent als Sängerin. Der Text sehr lehrreich. Wie ich dann feststellte, war das eine Cover-Version und das Original stammt von Franz Josef Degenhardt. Der Song ist auf seiner LP „Mutter Mathilde“ zu hören und hat dort auch schon dieses hypnotische Gitarre-Riff, allerdings akustisch.

Eine andere, eher indirekte Erinnerung an Franz Josef Degenhardt habe ich noch. Als ich irgendwann Ende der 1980er oder Anfang der 90er Jahre unser Fanzine beim Drucker im Schwarzwald abgeholt habe, der das 10.16 Megazine vermutlich auf einer kleinen Heidelberger GTO gedruckt hat, entpuppte sich dieser als alt-linker (?) Degenhardt-Fan und spielte uns vor Antritt des Rückwegs erstmal ein bißchen von dessen Musik vor. Er trug Bart und einen existenzialistischen, schwarzen Rollkragen-Pullover.

Für Franz Josef Degenhardt bin ich alter Sack wohl doch etwas zu jung.
Schade vielleicht.

RIP,
FJD!