Rigoros

Bad Alchemy 71
(Fanzine, 84 Seiten, DIN A5, Dezember 2011)

Dieses Fanzine, das auch heute noch in Form eines Heftes hinaus in die weite Welt tritt, gibt es schon seit 1985. Heutzutage ist dies ein „Produkt“ von Rigobert Dittmann (rbd), der sich fast im Alleingang um sehr spezielle Musik kümmert. Was nicht heißt, dass nicht immer wieder auch  Beiträge von befreundeten Schreibern auftauchen, im aktuellen Heft sind dies Michael Beck und Marius Joa.

Im Dezember 2011 erschien die 71. Ausgabe. Und auch hier wird wieder alles besprochen, was im Bad Alchemistischen Kosmos so vorkommt: Art Rock und Art Brut, mehr oder weniger freier Jazz und improvisierte Musik, elektronisches und elektroakustisches, Dröhn und Drone, apokalyptic Folk und imaginäre Folklore, Neue und Alte Musik a.m.o. Dittmann schreckt selbst vor stechenden Sinuswellen oder einer Serenade für Sirenen nicht zurück.
Um etwas Struktur in diese Welt zu bringen ordnet er seine Reviews nach den Labels, auf denen diese Musiken erscheinen, was er dort nicht unterbringen kann versammelt er in Rubriken, die er mit  „…over pop under rock…“, „…nowjazz, plink + plonk…“, „… sounds and scapes in different shapes…“ oder „…beyond the horizon…“ überschreibt. Die ersten Seiten gehören auch hier wieder den Live-Reviews, diesmal wird u.a. vom Freakshow Artrock Festival 2011 in Würzburg berichtet. Etwas ausführlichere Artikel gibt es über das Projekt Elend und über die Echtzeitmusik-Szene Berlin (eigentlich eine Buchbesprechung). Zwischendurch schweift er etwas ab und schwurbelt über den Lebensraummusik, Natur versus Stadtluft.

In seinen Reviews zeigt Rigobert Dittmann Querverbindungen der beteiligten Musiker auf und setzt sie so in einen Kontext, der sonst verborgen bliebe. Man wundert sich, wie rbd in diesem dunklen Wald den Überblick behält. Schließlich werden hier Namen genannt, die ein normaler Musikkonsument nicht mal vom Hörensagen kennt. Fred Frith, Alfred 23 Harth, Jim O‘Rourke, Ryuichi Sakamoto oder Nurse With Wound dürften bekannt sein. Aber wer sind all die anderen zwischen Anektoden und Zerang? Das Gehörte beschreibt und interpretiert er eloquent und nutzt dies ab und zu auch mal für Abscheifungen ins Philosophische, findet aber immer wieder auf fränkischen Erdboden zurück.

In Deutschland fällt mir kein Musik-Magazin ein, das sich um ähnlich abseitige, aber interessante Musik kümmert. Eine etwas größere kleine Schnittmenge hat Bad Alchemy höchstens mit dem britischen The Wire.

Der Umschlag von Bad Alchemy 71 zeigt übrigens das erste Mal in seinem Leben farbige Bilder. Auf der Rückseite ein Portrait der Musikerin Audrey Ginestet, die mit der Band Aquaserge Eindruck auf rbd gemacht hat, und auf dem Frontcover ein Gemälde von Tine Klink. Diese hat auch ein Bild zur akustischen Beilage beigesteuert. Denn für Abonnenten liegt dem Bad Alchemy auch ein Tonträger bei. Diesmal eine Doppel-3“-CD-R in einer DVD-Hülle des Labels Attenuation Circuit, dem im Heft vier Seiten gewidmet werden.

Gegründet wurde Bad Alchemy übrigens im Umfeld des Mailorder-Vertriebes Recommended No Man‘s Land, der zeitweise auch den Plattenladen Atahk in Würzburg betrieb. Anfangs lagen dem Fanzine Cassetten bei, später 7“-Singles und jetzt ausgewählte CD(-R)s.
In einem Interview mit Jochen Kleinhenz geht Rigobert Dittmann in der  Kulturzeitschrift Nummer auf die Gründung näher ein:
www.nummer-zk.de
Hier geht es zum PDF-Download dieser Nummer, der Artikel befindet sich auf Seite 18ff.
Nummer Dreizehn

Benannt wurde Bad Alchemy nach einem Song von Slapp Happy / Henry Cow, enthalten auf der LP „Desperate Straights“, komponiert von Peter Blegvad und John Greaves.

Und hier kann man alte Bad Alchemy Ausgaben kostenlos als PDF-Dateien herunterladen und die Kontaktadresse einsehen:
www.badalchemy.de

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