This is not a love song

Abbey Road, London, 2003

Das versteh ich nicht. Da fährt Großbritannien (klingt ungefähr so wie Großbeeren) bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 seine gesamte Pophistorie auf, von Kinks über Beatles bis hin zu wasweissichauchimmer und sogar die Sex Pistols und The Clash sind mit von der Partie. Und die Köngin guckt zu.

Da ich mich für Sport und Großveranstaltungen nicht interessiere, konnte ich die gestrige Eröffnungsfeier sehr gut ignorieren. Aber aus dritter Hand (Twitter und so) bekommt man dann doch mehr als nötig mit. Da wurde also auch was von den Sex Pistols  gespielt. Trotzdem herrscht im sogenannten Vereinigte Königreich immernoch keine Anarchie. Tja, 1977 ist nun auch schon  wieder 35 Jahre her. Und das Lied „London Calling“ von The Clash, am 14. Dezember 1979 auf deren gleichnamigen Doppel-LP auf dem ach so unabhängigen Label CBS erschienen, fungiert als so etwas wie die Hymne der Londoner Olympiade 2012. Zumindest lief dieser Song vorhin auch wieder im Deutschlandfunk als ich aus Versehen die Sportberichterstattung anhörte.

Schon seltsam, da singt einer von Krieg und Eiszeit und Todeszombies und Nuklearkatastrophe. Kalter Krieg und Endzeitstimmung pur. Und das wird dann als Titelmelodie für die Olympiade 2012 mißbraucht!?! Klar, klasse Song, super Gitarrenriff uns so. Allgemeingut sowieso. Da haben sich irgendwelche Rechteinhaber bestimmt ins Fäustchen gelacht und womöglich halten sie das auch noch für subversiv. Ich find‘s ekelerregend.

Letzten Endes geht es doch nur um die Kohle. Olympia hat nichts mit Sport zu tun – sondern mit big business, commerciality etc. Aber das ist ja eh klar. Und The Clash hatten sich in den 1990er Jahren ja auch schon an einen Jeans-Hersteller verkauft. Nix neues also. Trotzdem befremdlich.

GZ,
28.07.2012

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Eine Antwort to “This is not a love song”

  1. Stefan Hetzel Says:

    Sehr geehrter mr.boredom, Sie sprechen mir aus der Seele! Es ist immer wieder erstaunlich, mit welcher Unverfrorenheit die Kulturindustrie versucht, das Nicht-Identische in ihren Verblendungszusammenhang zu assimilieren und so Toleranz und Weltoffenheit vorzutäuschen. Auf der anderen Seite ändert es nichts an der Qualität von, sagen wir mal, van Goghs Malerei, wenn sein Selbstporträt (mit oder ohne Ohr) zum beliebten Bürotassen-Aufdruck avanciert, oder? Aber auch mir fällt es manchmal schwer, mit anzusehen, wie aus einstiger Avantgarde (nennen wir Punk jetzt halt mal so) Massenkultur und irgendwann sogar Kitsch wird. Aber es wäre falsch, der Avantgarde selbst daran die Schuld zu geben, denn letztlich gibt es ja, historisch gesehen, nur drei Wege aller Artefakte: Popularisierung, ewiger Geheimtipp oder komplettes Vergessenwerden. Leider kann man sich dann eben nicht aussuchen, auf welche Art sich die Dinge popularisieren…

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