Archive for Oktober 2012

New Flat

Oktober 31, 2012

 

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Saxfx

Oktober 4, 2012

Diamond Terrifier live
(Golem, Hamburg, Germany, 21.09.2012)

Als nichtsahnender Neuankömmling im Golem fühlt man sich fast wie in einem dieser Edgar Wallace-Verfilmungen der frühen 1960er Jahre. Oben im Hochparterre befindet sich eine Bar, erst wenn man die Tür hinter der Bücherwand findet, gelangt man in die spärlich beleuchtete Krypta. Hier handelt es sich allerdings nicht um eine Gruft sondern nur um einen profanen, schwarz gestrichenen Keller.

Und wenn man Glück hat veranstaltet Har Ald ein experimentelles Konzert wie an diesem Abend: Sam Hillmer aka Diamond Terrifier bläst einem mit Saxophon und etlichen dahintergeschalteten Effektgeräten den Kopf frei, voller Energie – und beweist am Ende, dass er auch ohne elektronische Hilfsmittel auskommt. Noise und Jazz sind gute Freunde. Herrlich!

Hard Travellin‘

Oktober 3, 2012

Barbara Mürdter: Woody Guthrie – Die Stimme des anderen Amerika
(Verlag Neues Leben, 2012, ISBN 978-3-355-01801-02)

Fast jeder kennt Woody Guthrie (1912 – 1967) ohne sich dessen bewusst zu sein – oder zumindest sein Lied „This Land Is Your Land“, fast schon eine alternative amerikanische Nationalhymne. In USA kann man dieses Lied in Schulbüchern finden und wenn man eine engagierte Englischlehrerin hatte, konnte man es vielleicht sogar in deutschen Schulen kennenlernen. Oder einfach so. Sogar Sharon Jones & The Dap-Kings haben anno 2004 eine Soul-Version veröffentlicht. Auch bei Barack Obamas Amtseinführung wurde dieser Song von Pete Seeger und Bruce Springsteen in seiner vollen Länge zum besten gegeben (zwei sozialkritische Strophen gerieten lange Zeit in Vergessenheit).

Aber trotzdem wußte ich nicht mehr über diesen Mann. In ihrem Buch „Woody Guthrie – Die Stimme des anderen Amerika“ zeichnet die Anglistin Barbara Mürdter, die auch www.popkontext.de betreibt, das Leben dieser Folk-Legende und Geschichtenerzählers nach. Anfangs spielte er in Oklahoma noch harmlose Hillbilly Music und war von der Carter Family ziemlich begeistert. Er war in mehreren Radio Shows zu hören und wurde erst relativ spät politisiert. Nach langer Odyssee landete Guthrie schließlich Anfang der 1940er Jahre in New York und durfte dort Platten aufnehmen und wiederum Radiosendungen machen. In dieser Stadt traf er dann auch auf Bewunderer wie beispielsweise Bob Dylan.

In dieser Biographie erfährt man auch so einiges über amerikanische Geschichte. Denn viele persönlichen Entwicklungen werden von politischen und anderen historischen Gegebenheiten beeinflusst. So provozierten menschgemachte Naturkatastrophen wie die „Dust Bowl“ Migrationsbewegungen. Auch Guthrie ist on the road und wird Zeuge des Elends. Anderes Beispiel: Auftrittsmöglichkeiten für kritische Musiker bei Gewerkschafts-Veranstaltungen werden Zunichte gemacht, als die ganze USA dem Kommunismus abschwören muss.

Ein paar Legenden rückt Mürdter zurecht: der illegal auf Güterzügen reisende Hobo war Woody Guthrie dann doch nicht so ganz. Er stammte aus einer eher bürgerlichen Familie, die sich allerdings auf dem absteigenden Ast befand. Und Autostopp war wohl auch ganz okay.

Näheres kann man in dem empfehlenswerten Buch von Barbara Mürdter nachlesen.

Und jetzt muss ich noch etwas Musik von Woody Guthrie nachhören.

Am 14. Juli 2012 wäre er 100 Jahre alt geworden.
Heute vor 45 Jahren, am 3. Oktober 1967 starb Woody Guthrie  an Chorea Huntington.

GZ,
02./03.10.2012