Archive for Februar 2013

ÜBER MUTTI

Februar 28, 2013
Subkultur Westberlin, gesehen auf der Straße in Ostberlin

Subkultur Westberlin, gesehen auf der Straße in Ostberlin

Wolfgang Müller: Subkultur Westberlin 1979 – 1989
Freizeit
(Fundus Philo Fine Arts, 580 Seiten, ISBN 978-3-86572-671-1)

Wolfgang Müller hat wiedermal ein Buch geschrieben. Diesmal nicht über Elfen und auch kein kunstgeschichtlicher Zukunftsroman, sondern eine kleinformatige aber umfangreiche Hardcover-Ausgabe über Freizeit im Westberlin der 1980er Jahre. Der Titel grenzt das Thema ziemlich exakt ein: „Subkultur Westberlin 1979 – 1989“, was den Hobby-Ornithologen nicht daran hindert, diese zeitliche Eingrenzung in alle Richtungen zu überschreiten. Der Ex-Wolfsburger Müller berichtet über damalige Lokalitäten, Menschen, Künstler, Musiker, Filmemacher und deren Aktionen. Dabei berichtet Wolfgang Müller auch gerne über einen gewissen Wolfgang Müller, wie er z.B. im Risiko zusammen mit vielen anderen Leuten performt. Er kennt all die für die New Wave und Post Punk Bewegung wichtigen Läden und weiss darüber in kurzen Abschnitten zu berichten, allerdings nicht ohne abzuschweifen. Man erfährt immer wieder kurz, was aus diesen oder jenen Personen Jahre später geworden ist. Auch Vorfahren des sogenannten Genialen Dilletantismus werden beleuchtet. Von Oswald Wiener im Exil zu Sarah Wiener ist es nur ein paar Jährchen weit.

Als Noch-Nicht-Ganz-Berliner, der erst seit ein paar Monaten ausgerechnet in Ostberlin lebt, kann ich natürlich nicht beurteilen, wie korrekt und allumfassend der Müller’sche Blick auf das damalige Westberlin ist. Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung und Wirkungskreis, so dass so ein Buch nie den Anspruch auf objektive, allumfassende Wahrheit haben kann. Klar, dass hier insbesondere die Dilletanten und auch schwulesbi_schtrans*e Aspekte durchaus im Vordergrund stehen. Das ist Teil des Müller’schen Kosmas. Und dann ist da natürlich noch Die Tödliche Doris, die Band oder besser Künstlergruppe, in welcher der Buchautor damals tätig war. Müller lässt es sich nicht nehmen, in diesem Rahmen ausführlich ÜBER DORIS zu erzählen. Es kommt sogar vor, dass das Wort an Doris direkt übergeben wird. Obwohl es im wunderbaren Martin Schmitz Verlag bereits mehrere empfehlenswerte Bücher über Musik, Kunst und Filme von Die Tödliche Doris gibt, erzählt Müller hier nochmal deren Historie in eigenen Worten und setzt sie in Kontext zur damaligen berlinischen Freizeitkultur. Das ist ein bisschen doriszentrisch, aber durchaus interessant.

Dass es keine eindeutige Wahrheit gibt, zeigt der Missverständnisforscher Müller exemplarisch an Martin Kippenbergers Dialog mit der Jugend. Als Kippi für ein paar Monate das SO36 unter sich hatte, wurde er von Ratten-Jenny mit einem zerbrochenen Glas malträtiert, nachdem er sie aus dem Lokal entfernen wollte. So legt sie es in einen für „Subkultur Westberlin“ geführten Interview dar. Davon abweichend gibt es mindestens zwei weitere Versionen der gleichen Gegebenheit, die diese sogar an andere Orte verlegt. Man weiss also nicht, was man glauben soll. Und war das SO36 nicht gerade für seine fliegenden Bierdosen bekannt? Apropos Dosenbier: dank Doris und Bierfront haben es solche Dosen bis auf die Documeta in Kassel gebracht. Auch so etwas lernt man bei der Lektüre dieses drucktechnischen Erzeugnisses.

Offensichtlich hat Wolfgang Müller mit vielen verschiedenen Leuten über die damalige Zeit gesprochen. Im umfangreichen Anhang tauchen viele Verweise auf Gespräche und elektronischen Schriftverkehr mit dem Autor auf.

Trotz viel Doris erfährt man viel über die damalige, spezielle insuläre Situation der Westberliner. Wer einen objektiven Zeitreiseführer erwartet, wird enttäuscht sein. Wer sich aber auch für Wolfgang, Doris, Geniale Dilletanten und so interessiert und offen für Abschweifungen sowie Querverbindungen ist, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

GZ,
27.02.2013

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Februar 25, 2013

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Jerry Dammers‘ Spatial A.K.A. Orchestra
(live, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, 24.02.2013)

Gestern war im Rahmen des Anthropozän-Projekts (was auch immer das sein mag) im Haus der Kulturen der Welt und des viertägigen Festivals „Unmenschliche Musik – Kompositionen von Maschinen, Tieren und Zufällen“ Jerry Dammers und sein Spatial A.K.A. Orchestra zu Gast. Deren Musik war aber weder Maschinenmusik noch unmenschlich – höchstens außerirdisch, so wie halt Sun Ra auch out of space war (man muss nur dran glauben…).

Jerry Dammers war damals in der Ska-Band The Specials (mit und ohne AKA) mit von der Partie und macht sich seit ein paar Jahren einen Spaß daraus,mit einer riesigen Big Band aufzutreten. In Berlin waren insgesamt 24 Leute auf der freakig dekorierten Bühne. Alien-Puppen mit Gitarre standen da rum, ein Raumfahrzeug hing von der Decke und den Bühnenhintergrund zierten kryptische, güldene Zeichen und Tut-Ench-Amun war unter der Leinwand zu entdecken, auf der passende Filmsequenzen geworfen wurden. So ähnlich könnte es in den 1970er Jahre ausgesehen haben. Da passt auch die Keyboard-Burg vorne rechts ins Bild, in deren Mitte Jerry Dammers ungezählte Orgeln, Synthesizer und sonstige elektronischen Geräte bediente. Und natürlich waren fast alle maskiert und kostümiert, in afrikanischen Phantasie-Roben, als Pink Elephant, mit Pest-Maske, Federn, asiatischen Hüten, bescheuerten Brillen etc., alles schön bunt durcheinander.

Das Spatial A.K.A. Orchestra begann ursprünglich wohl als Sun Ra Tribute Band, aber spielt garnicht mehr so viele Stücke dieser Free-Jazz-Legende. Das erste Instrumental – nach einem kakophonen Keyboardgewitter, dem Ende der irdischen Welt – war von Sun Ra, aber bis später dann zwei Songs von ihm gespielt wurden, darunter das wunderbare „Nuclear War“, verging einige Zeit. Denn Jerry Dammers hatte auch Ska-Stücke aus Jamaika mit dabei, groovy Jazz und Easy Listening von deutschen Komponisten (Peter Thomas hieß der eine), Exotica von Martin Denny (ein Einfluss auf Sun Ra, wie Dammers zu erzählen wußte) , britische Library Music, Jazz von Coltrane und natürlich ein paar Stücke der The Specials und vieles mehr. Aus „International Jetset“ wird „Intergalactic Jetset“ und „Ghost Town“ mutiert zu „Ghost Planet“, featuring Rico Rodriguez als Gaststar. Und das ganze im Big Band Sound und einer riesigen Besetzung: Keyboards, Piano, Flöte, Saxophon, Posaune, Klarinette, Gesang, Percussion, Violine, Cello, Kontrabass, einige Instrumente mehr als doppelt besetzt. Schlagzeug, E-Bass und Gitarre sorgten für die Erdung. Free Jazz war das also keiner. Astreiner Jazz auch nicht (aber wer interessiert sich schon für Purismus?). Das eher gewöhnliche Rockundpopschlagzeug verhinderte strukturlose Abfahrten in himmlische Sphären. So konnten die vielen Musiker ihre Soli über angenehm groovige Musik abliefern. Sogar klassische Ska Riddims sind offensichtlich dafür geeignet. Und wenn dann mal ein paar Passagen oder Übergänge etwas chaotischer klangen,  so waren diese vermutlich wohl kalkuliert.

Die Ausdauer und Spielfreude war groß. Erst nach über geschätzt zweieinhalb Stunden klang das kurzweilige und abwechslungsreiche Konzert aus mit einem schönen kurzen Stück für die beiden Violinen, Cello und Kontrabass (die meist im Gesamtklang etwas untergingen) plus eine Posaune. Die anderen Musiker hatten das Auditorium bereits in einer kleinen Prozession durch den Zuschauerraum verlassen.

GZ,
25.02.2013

OK

Februar 23, 2013

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Gesehen in der U-Bahn-Station Boddinstraße, Berlin-Neukölln, 22.02.2013

F.T.B.P.D.N.K.

Februar 16, 2013

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Der Bremer Klangforscher Feine Trinkers bei Pinkels Daheim live am 15. Februar 2013 im N.K., 12059 Berlin Neukölln, Elsenstr. 52, zweites Hinterhaus, zweite Etage.

Sunn O)))

Februar 4, 2013

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Sunn O))) live im Astra Kulturhaus, Berlin, Germany, 03.02.2013

Hbf

Februar 3, 2013

BerlinHbf

Hauptbahnhof, Berlin-Moabit, 25. Januar 2013