Posts Tagged ‘2009’

Kebabträume heute nicht

Februar 10, 2010

D.A.F. live am 27.02.2009 im Uebel & Gefährlich, Hamburg

Nachdem wir gegenüber dem Hochbunker am Heiligengeistfeld noch einen Falafel verspeist hatten, betraten wir früh am Abend – und nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug – das Uebel & Gefährlich. Die Vorgruppe spielte bereits: Leichtmatrose bot leichten Gothic Electro Pop dar – mit deutschsprachigen Texten. Wobei Worte wie „Trauer“ und „Melancholie“ auf die Leinwand geworfen wurden. Aber düster war das gar nicht. Wobei mich so manch unfreiwillig komischer Reim sogar zum Lachen brachte. Die elektronische Klangspur wurde wohl eingespielt, Gitarre, Schlagzeug und Gesang – es war auch noch eine Backgroundsängerin mit von der Partie – waren live. Am Ende gab es wenig Zuspruch – Vorgruppe zu sein ist halt immer ein Scheissjob und „Leichtmatrosen haben’s schwer“.

Dann kam die Deutsch Amerikanische Freundschaft im Dunkeln auf die Bühne. Als erster Robert Görl mit einem Silberling, welchen er mit ausgestrecktem Arm dem Publikum präsentierte und anschließend in den Player einlegte. Statt damals Kassetten werden heute CDs als Abspielgeräte für das elektronische Playback verwendet – dazu wird live geschlagzeugert und gesungen. Wobei Gabis Stimme nicht so toll in Form war. Auch bei den „romantischeren“ Liedern gab er eher ein Shouten von sich. Hat er sich etwa bei seinen Techno-Ausflügen mit Daf Dos seine Stimme versaut? Als erster Track wurde der Titel „Gewalt“ eingespielt (nur der elektronische Teil dieses Frühwerkes) – der passende Soundtrack für den Auftritt von Gabi Delgado-López, der mit einem leichten, selbstsicheren Grinsen auf dem Gesicht die Bühne betrat.
Zuerst gab es mit „Verschwende deine Jugend“ noch einen frühen Titel. Mit ihrem 1980er Hit  „Der Mussolini“ brachte D.A.F. die Menge zum Toben. Das Publikum war vom Alter her sehr gemischt. Da gab es viele, die Robert und Gabi wohl noch von früher kennen. Aber auch junge Gesichter waren zu sehen. Gespielt wurden neben Frühwerken und fast allen Songs ihrer dritten LP „Alles ist gut“ (und der darauf folgenden) auch Songs ihrer Reunion-Platte „15 neue DAF Lieder“ aus dem Jahr 2003. Wobei gerade bei den Spätwerken schon mal Sachen dabei waren, die man besser nicht kennenlernen wollte. Einmal gab es auch einen Mash Up: zur Musik eines Track von „Die Kleinen und die Bösen“ (?) sang Gabi „Sex unter Wasser“.
Nach 60 Minuten war Schluss. Ungefähr vier Zugaben wurden dargeboten, zu jeder einzelnen ließen sich die Herren bitten. Wieder wurden CDs ein- und danach losgelegt. Statt „Kebabträume“ wurde noch mal „Der Mussolini“ zum Austoben vorgespielt. Vielleicht hätte ich vor dem Konzert keinen Falafel essen sollen?

(Wiederveröffentlichung – geschrieben am 03.03.2009 und bereits andernorts in diesem Netz veröffentlicht).

Blumfeld Revival Band

Februar 9, 2010

Jochen Distelmeyer live am 30.08.2009 in Hamburg (Kampnagel)

Irgendwie weißt ich auch nicht, was mich dazu gebracht hat, auf dieses Konzert gehen zu wollen. Ein richtiger Blumfeld-Fan war ich noch nie – und am Ende der Blumfeld-Ära sowieso nicht. Irgendwie war ich wohl neugierig zu hören, wie Jochen Distelmeyer nun solo klingt. Aber wie soll er schon klingen? Wie Blumfeld natürlich. Nun wieder etwas rockiger. Schließlich heißt das neue Album „Heavy“. Aber so schwerwiegend war das Konzert dann auch wieder nicht. Vorgruppe gab es keine. Seine neue Band taktete mit Feedback auf, dann kam Jochen Distelmeyer höchstpersönlich auf die Bühne. Die ersten drei Songs rockten gut, dann wurde es wieder etwas gemächlicher. Immer wieder wurden alte Blumfeld-Songs zum besten gegeben. Jochen Distelmeyer ist seine eigene Blumfeld Revival Band. Im großen und ganzen also nix neues. Schade! Aber seine Fans mögen‘s wohl. Bei mir macht sich eine gewisse Indifferenz breit. Und an Textfetzen wie „… es ist nur ein Song / Und ich flieg davon / zu dir…“ kann ich mich einfach nicht gewöhnen. Kitsch! Vielleicht wären mir solche Zeilen sogar etwas peinlich…

(Wiederveröffentlichung – geschrieben am 02.09.2009 und bereits andernorts in diesem Netz veröffentlicht).

Unerhört! 2009

Februar 7, 2010

Ende letzten Jahres fand ja das Unerhört! Musikfilm-Festival 2009 in Hamburg statt (vom 3. bis 6. Dezember, in verschiedenen Kinos) – und endlich schaffe ich es, ein paar kurze Notizen dazu zu machen.
Das musikstilistische Spektrum war relativ breit gefächert. Eröffnet wurde das Festival mit einem Film über Schostakowitsch. Und am Ende wurde ein Film über Rap prämiert. Aber für mich ist Rap keineswegs Liebe und so setzte ich meinen eigenen Schwerpunkt auf andere Filme.

„Slide Guitar Ride“ von Bernd Schoch  war ein guter Einstieg. Der Dokumentarfilm portraitiert die amerikanische Primitive Rock‘n‘Roll One Man Band Bob Log III – ein verrückter Typ, der nie ohne Helm mit eingebautem Mikrophon auf die Bühne geht. Der Film nimmt die trashige Ästhetik seiner Musik auf und zwischendurch gibt es zwei animierte Sequenzen mit mehr oder weniger verrückten Geschichtchen von Bob Log. Man merkt, dass der Film von einem Fan gemacht wurde. Während der anschließenden Fragerunde erwähnte Schoch noch, dass sein nächstes Projekt ganz anders, wohl seriöser, aussehen wird – ein Film über drei ältere, lustige Herren – dem Alexander von Schlippenbach Trio. Darauf bin ich schon mal sehr gespannt.

Ein anderer Film, hinter dem ein Fan als Macher steckt, war „ON/OFF: Mark Stewart From The Pop Group to The Maffia“. Ursprünglich wollte Tøni Schifer nur eine Compilation mit Pop Group-Videos zusammenstellen. Aber da es zu wenig Material dieser Art gab, wurde ein Dokumentarfilm aus diesem Projekt. Ehemalige Bandmitglieder und andere Weggefährten kommen zu Wort, Live-Mitschnitte aus mehreren Dekaden werden gezeigt und auch Mark Stewart zu Hause bei seinen Eltern, etc. Keine große Filmkunst, aber sehr informativ. Nirgendwo sonst kann man Mark Stewart und Angie Reed Händchen haltend vor einem riesigen Ölbild posieren sehen. Wenn ich mich recht erinnere, war das sogar die Deutschland-Premiere dieses Filmes. Empfehlenswert!

Aber auch alte Filme fand ich sehr interessant. So z.B. „Oh Horn!“, einen Schwarzweiß-Film aus dem Jahr 1980 über den mittlerweile verstorbenen Posaunisten Albert Mangelsdorff. Schön, mal von ihm selbst erklärt zu bekommen, wie seine Technik mehrstimmig auf seinem Instrument zu spielen funktioniert. Mangelsdorff erzählt viel und spielt dazwischen solo.

Der Dreißigminüter „One Room Man“ mit Kevin Coyne kam ebenfalls schwarzweiß daher und wirkte fast wie ein Einmann-Theaterstück, das auf einer Bühne mit Ofen, Sofa, Stehlampe und einem Stapel alter Zeitungen dargeboten wurde. Ein ästhetisch schön reduzierter Rahmen für Kevin Coyne und seine Gitarre.

Interessant und sehr ordentlich gemacht waren natürlich auch die Dokumentarfilme „Das letzte Biest am Himmel“ über Blixa Bargeld und „My Name Is Albert Ayler“ – beides Produktionen, die für das deutsche bzw. schwedischen Fernsehen produziert und dort auch bereits ausgestrahlt wurden.

Unfreiwillig komisch bis eher anstrengend waren die „12 Defa Disco Filme“. Diese haben mit Discomusik nicht viel zu tun sondern heißen so, weil sie auch an Orten gezeigt wurden wo die Jugend der DDR ihre abendliche Freizeit verbrachte. Es wurden Jazzmusiker und Rockgruppen portraitiert. Ein junger Manfred Krug war ebenfalls zu sehen, ebenso eine Prog Rock Band aus Ungarn (?) usw. usf. Ein Defa Disco Film wurde sogar der bundesdeutschen Politrock-Band Floh de Cologne gewidmet. Bis Ende der 1970er Jahre fand ich diese Filme interessant. Später, als dann Bands wie Silly ins Spiel kommen, nicht mehr so sehr.

Die Musikzeitschrift Spex kooperierte offensichtlich mit dem Unerhört!-Festival und präsentierte dann auch die angeblich besten zehn internationalen Videoclips des Jahres 2009. Dieser Videoabend war für mich die reine Folter. Nette Clips zu banaler bis kommerzieller Musik. Der Spex-Video-Fachmann war begeistert. Trotzdem ist mir nicht begreiflich zu machen, warum ich mir vollkommen uninteressante Musik von beispielsweise Depeche Mode oder gar Lady Gaga anhören soll um bestenfalls nette Clips anzusehen. Reine Zeitverschwendung. Da hätte ich mir besseren Musikgeschmack gewünscht!

Trotzdem ein wunderbares Festival bei dem noch sehr viel mehr zu hören und zu sehen war. Meine kleine Auswahl an Filmen ist keineswegs repräsentativ. Ich hatte eher das Gefühl, dass ich nicht so die Publikumsrenner erwischt habe. Aber das ist mir ziemlich egal.

07.02.2010

Mein Reeperbahnfestival 2009

Februar 5, 2010

Hier nun ein kleiner Bericht über mein Reeperbahnfestival 2009. Angeblich waren ja über 150 Bands da. Beste Voraussetzung also um auch unbekannte Künstler kennenzulernen – vorausgesetzt man wechselt zwischen den Clubs hin- und her und läßt allzu bekanntes wie Deichkind und Editors links liegen.

Donnerstag, 24.09.2009

Trotzdem war Dinosaur Jr am Donnerstag mein erstes Konzert. Denn nachdem die Hasenschaukel um 23 Uhr schon zu voll war – kein Wunder, riesig ist sie ja nicht gerade – zog es mich direkt zum Spielbudenplatz wo mir KurtKugelrund über den Weg lief. Er musste leider draußen vorm D-Club bleiben weil der erste Festivaltag bereits ausverkauft war. Meinen Gehörschutz hatte ich vergessen. Aber so schlimm laut war es drinnen nun auch wieder nicht. Ist ja nicht mein erstes Rockkonzert. Mascis spielte vor seinen drei riesigen Verstärkertürmen. Der Bassist kam mit halb so viel Verstärkern aus. Gestartet wurde mit „Thumb“. Und nach einer knappen Stunde wurde der Set mit „Freak Scene“ beendet. Dazwischen mir weniger geläufige, aber typische Dinosaur Jr-Mucke. Schön! Obgleich letzter Programmpunkt an diesem Abend gab die Band keine Zugaben. Das Publikum machte sich aber auch nicht die Mühe welche zu erklatschen. Doofes, jetzt schon übersättigtes Festival-Publikum!?

Freitag, 25.09.2009

Der zweite Tag war eher ein Wandertag und begann mit  Wallis Bird und ihrer Band im Knust. Folk Rock zum Mitklatschen und mit „La La La“. Rockiger als auf Platte. Nach drei Liedern mußte ich gehen. Schon der schlagzeugsoloähnliche Auftakt des Konzertes war mir unangenehm.
Also kurz übers Heiligengeistfeld laufen zur temporären Halle eines größenwahnsinnigen Mobilfunkanbieters, die mit weißen Stühlen und kühlem blauen Licht ausgestattet wurde. Hier spielten gerade die Broken Records – Breitwand Folk Pop aus Schottland mit elektrifiziertem Cello und Geige. Gar nicht mal so schlecht. Der Aufforderung des Sängers doch bitte aufzustehen ging das Publikum prompt nach.
Anschließend dann Niels Frevert mit Band, erweitert um ein Streichquartett. Mit Kitsch überfrachtetes Liedermachertum. Wer Element Of Crime mag könnte vielleicht aus das mögen. Nix für mich. Nach vier Liedern also weiterziehen und zu früh in Angie‘s Nightclub gelandet, den ein Internetradio okkupiert hatte.
Was heißt zu früh? Dort spielte gerade Laura Gibson – eine eher traditionelle Singer/Songwriterin, eine akustische Gitarre, mehr braucht es nicht. Sehr schön!
Danach endlich Masha Qrella mit ihrer neuen Band. Einfach schön, wie sie aus Musicalmelodien schlichte Popsongs macht. Herrlich!
Während MrTompkins sich auf zu Emiliana Torrini machte schloß ich mich Herrn A. auf seinem Weg zu Katzenjammer an. Vor dem Knust mussten wir kurz anstehen. Von den musizierenden Damen konnte ich kaum eine erspähen. Das Publikum wurde bespaßt mit Walzer und anderen Takten und bekam auch noch Norwegisch-Grundkenntnisse verabreicht. Mir hat‘s dann aber gereicht. Das Knust war eh zu voll. Ich nicht. Abgang.

Laura Gibson – All The Pretty Horses

Masha Qrella – Wandering Star

Masha Qrella – Drunken Scene

Samtag, 26.09.2009

Erster Programmpunkt heute: Sopie Hunger und Band in den Fliegenden Bauten. Ohne großes Brimborium beginnt sie das Konzert mit der Rezitation switzerdütscher Zeilen. Erst dann kommt die Band auf die Bühne, mit der sie einen Set zwischen Rock, Pop und gefälligem Jazz spielt, die Gitarre auch mal  mit dem Klavier tauscht und zwischendurch eine Geschichte aus dem Museum erzählt. Sympathisch auch ihr Finale: auf der Bühnenkante sitzend gibt sie zusammen mit ihren Mitmusikern noch eine unverstärkte Zugabe.
Danach am gleichen Ort Sophia. Eine mit Streichern erweitere Band schwelgt in langweiliger Melancholia. Nach vier selbstähnlichen, mich nicht gerade mitreißenden Stücken zieht es mich wieder in Angie‘s Nachtclub.
Dort gibt eine junge Frau namens Katrine Ottosen aka CALLmeKAT mit Hilfe dreier kompakter Keyboards kleine hübsche Song von sich, herzallerliebst.
Danach ganz etwas anderes: zwingender, puritischer Blues mit William Elliott Whitmore, erst nur mit Banjo, später mit Gitarre und einem Freund am Schlagzeug. Grandios!
Danach Kontrastprogramm. Mal in der Prinzenbar schauen, was Kap Bambino so machen. Wilder Elektro-Trash mit technoidem Einschlag. Lauter als Dinosaur Jr.
Okay, dann mal lieber ins Grünspan schauen. Dort kurzes Wiedersehen mit tosson, neuehuete und auch noch KurtKugelrund. Aber dort war es so voll und heiß, dass ich auf Dear Reeder verzichtet habe. Gute Gelegenheit um ein paar Häuser weiter noch das Finale von Kante mitzunehmen. Die waren aber auch nicht besser als Jochen.

Sophia – Storm Clouds

William Elliott Whitmore – Song Of The Blackbird

William Elliott Whitmore – The Chariot

(veränderte Wiederveröffentlichung – dieser Text wurde bereits Ende September 2009 andernorts im Netz veröffentlicht).

Best of 2009

Januar 11, 2010

An Ende jeden Jahres Listen Listen Listen. Warum auch immer. Hier nun meine Lieblinge des Jahres 2009, wie gewohnt in alphabetischer Reihenfolge:

Alben:

ANIMAL COLLECTIVE – Merriweather Post Pavillion
DIE GOLDENEN ZITRONEN – Die Entstehung der Nacht
NIOBE – Black Bird’s Echo
MASHA QRELLA – Speaklow – Loewe And Weill In Exile
SLAPP HAPPY – Live in Japan – May, 2000
DAVID SYLVIAN – Manafon
THE THURSTON LAVA TUBE – The Year Of The Dog

Musik-DVDs:

Amplified Gesture
LES DIABOLIQUES  – Jubilee Concert

Netlabel Release:

HETZEL + SCHÜTZE –  InD (www.expiremental.com)

Konzerte:

BREWED BY NOON (02.10.2009, immerhin, Würzburg)
DIE GOLDENEN ZITRONEN (14.11.2009, Uebel & Gefährlich, Hamburg)
GUZ (28.05.2009, Hafenklang, Hamburg)
2 FOOT YARD (22.03.2009, Bechtolsheimer Hof, Würzburg)
Walter Weasel, Mary Halvorson, Peter Evans (08.05.2009, immerhin, Würzburg)

(Liste erstellt am 22.12.2009)