Posts Tagged ‘Andreas Dorau’

Best of 2014

Dezember 11, 2014

phaerenz

Jahr für Jahr das gleiche Bild. Da sitzen alle wieder blöde da und überlegen zwanghaft, was sie in ihre Top 10, Top 20, Top 30, was sie in ihre Bestenlisten für das vergangene Jahr reinschreiben sollen – wenn es nicht schon längst erledigt wurde.

Nunja, egal, hier nun mein Überblick über ein paar Veröffentlichungen und Veranstaltungen, die wohl das Jahr 2014 in meiner Erinnerung überleben werden. Hier nun also meine Lieblinge 2014:

Alben
Mutter – Text und Musik
Sudden Infant – Wölfi’s Nightmare
Zeitkratzer perform Lou Reed – Metal Machine Music
(live, full instrumental version)

7″
Der Wahre Heino – Deutschland / Die letzte Schlacht…

Wiederveröffentlichungen
Morton Subotnick – The Wild Bull (1968)
Die Zimmermänner –  Die Wäscheleinen waren lang (1980 – 1985)

Denkwürdige Konzerte
50 Jahre Andreas Dorau Gala
(25.01.2014, Bi Nuu, Berlin)
Doctor Nerve
(26.09.2014, Freakshow Artrock Festival, Würzburg)
Lydia Lunch Retrovirus feat. Weasel Walter, Bob Bert & Tim Dahl
(02.03.2014, Grüner Salon, Berlin)
Sudden Infant
(13.10.2014, Urban Spree, Berlin)

Fanzine-Jubiläum
30 Jahre Bad Alchemy

Kleines feines Label
Karlrecords

Musikdokumentation
Stefan Hetzel & Ralf Schuster – Improv 2014 (Peitz)

 

Geburtstag nicht vergessen!

Januar 26, 2014
Dorau2013

Andreas Dorau in der Bücherhalle (Pressefoto: Sönke Held)

50 Jahre Andreas Dorau Gala
(Various Artists, Bi Nuu, Berlin, 25.01.2014)

Am gestrigen Samstag fand im Berliner Bi Nuu die „50 Jahre Andreas Dorau Gala“ statt – eine Woche zuvor wurde so eine Show bereits in Hamburg veranstaltet. Denn an einem 19. Januar erblickte Andreas Dorau das Licht der Welt. Aber das war nicht der einzige Grund so eine Sause zu starten – vor kurzem erschienen gleich zwei Dorau-Alben – ein neues und eine Compilation – und da muss man schon mal auf die Pauke hau’n.

Der überaus bunte Abend wurde von einem Mann namens Markus von Schwerin an der akustischen Gitarre musikalisch eröffnet, bevor Andreas Dorau selbst die Bühne erklomm und als Trio, zusammen mit Tim Lorenz am Laptop und einem Schlagzeuger, bewährte Tracks der letzten zwei, drei Dekaden spielte.
Dann schneller Wechsel, statt Laptoper plötzlich Die Liga der gewöhnlichen Gentleman auf der Bühne, zusammen mit Dorau und einer Gastsängerin zwei Songs der neuen Platte „Aus der Bibliothèque“ darbietend: über das Flaschenpfand und die Bücherhalle im Hamburger Hühnerposten.

Zwischendurch durfte Maurice Summen (Die Türen) ein paar Songs zum Original-Dorau-Playback singen.
Stereo Total wirkten so als wären sie nur mal kurz auf den Sprung vorbeigekommen und spielten „Telefon“ so wie es nur Françoise und Brezel tun (für diesen Song fühlten sich in Hamburg Egotronic zuständig).
Hobby-Ornithologe und Texter so manchen Dorau-Liedes Wolfgang Müller (ex Die Tödliches Doris) sang rührend dilletantisch seine Version von „Blaumeise Yvonne“ und erschien später nochmals als Gastsprecher bei „Das Eis“.
Justus Köhncke präsentierte einen Smart Phone Minimal Electro Slow Motion Remix von „Fred vom Jupiter“ sowie seine Version von „Wasserstoff“, endlich wieder ein Stück aus dem aktuellen Album, das, wie er erwähnte, wohl im Möbel Olfe entstand.
Der Plan, in dessen Ata Tak Studio Dorau’sche Frühwerke aufgenommen wurden, nahmen sich die Freiheit, zwei Songs umzudichten. Da wird aus der Tante in Texas der Onkel aus Tonndorf und aus „Fred vom Jupiter…“ wird „Andreas Dorau ist ’ne coole Sau…“. Bei diesem Geburtstagsständchen tauchten sogar zwei der originalen Marinas auf. Als Abschluss des Auftritts von Der Plan – mit Diashow historischer Dorau-Fotos und selbstgemalten Masken – spielen sie noch „Alte Pizza“ – trotzdem lecker und tatsächlich trat diese ehemals Düsseldorfer Band erstmals seit Jahrzehnten anlässlich dieser Hamburg-Berliner Gala in Originalbesetzung auf.

Bevor am Ende der musikalische Staffelstab an DJ Penis übergeben wurde, gab der elektronische Andreas Dorau im zweiten Teil seines Konzerts noch mal richtig Gas. Furios bot er Lieblingslieder dar, auch seinen Zweit-Hit „Girls In Love“. Und als letzte Zugabe wurde schnell noch einmal Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (teilweise ex Superpunk) auf die Bühne gescheucht um ein zweites Mal den Ohrwurm vom neuen Album zu rocken. „Fli Fli Fla Fla Flaschenpfand…“.

GZ,
26.01.2014

Revenge is sweet

August 14, 2011

SUPERPUNK spielen Andreas + Bernd
(7″, Tapete Records, TR211, 2011)

Irgendwann Anfang Mai 2011 wurde das Tribute-Album „Oh, dieser Sound – Stars spielen Superpunk“ (Tapete Records, TR210, 2011) veröffentlicht, auf dem zwar kein einziger Star vertreten war, aber zumindest teilweise ordentlich gecovert wurde. Gleichzeitig erschien – sozusagen als Revange der gehuldigten Band – die 7“-Single „Superpunk spielen Andreas + Bernd“, auf der Superpunk nun Songs von Andreas Dorau und Bernd Begemann covern. Zufälligerweise haben diese beiden Künstler mit die interessantesten Versionen für den Tribut-Sampler aufgenommen.

Das Stück „Komm wieder“ von Andreas Dorau , eine im Original sehr kurze, skurille Sample-Miniatur wird von Superpunk in eine dreimal so lange funky Acid Jazz Rock Version (oder so) überführt. Groovy, baby!

Der Bernd Begemann-Evergreen „Judith, mach Deinen Abschluß“, noch aus Zeiten mit Die Antwort stammend, tönt nun wie ein Superpunk-Song zu klingen hat (nur der Background-Chor hört sich in meinen Ohren etwas überambitioniert an).

Schöne Single – und eine schöne Geste.

Wer mit Vinyl-Singles nichts anfangen kann, darf notfalls Soundcloud hören:
Superpunk – Komm wieder
Superpunk – Judith, mach deinen Abschlus

Mr.Boredom über „Oh, dieser Sound – Stars spielen Superpunk“:
In der Bibliothek

Meine Dockville 2011 Empfehlungen

August 7, 2011

Am kommenden Freitag findet wieder das dreitägige Musikfestival in Hamburg-Wilhelmsburg statt. Kinder und Kunst wurden bereits im Vorfeld bedient. Jetzt kommt der Music Overflow. Viele neue Namen sind da zu lesen. Für mich sind die wenigsten interesssant, so dass ich sehr wahrscheinlich nicht hin gehen werde. Hier trotzdem meine Empfehlungen.

Am Freitag spielt undankbarerweise am Nachmittag die Berliner Punk Band Herpes. Im März 2010 waren sie als Vorgruppe der Fehlfarben unterwegs. Herrlich nervös und energiegeladen. Offensichtlich ist eine neue Platte unterwegs. Die alte hat den Titel „Das kommt vom Küssen“.

Andreas Dorau hat ebenfalls wieder mal eine Platte veröffentlicht. Auf „Todesmelodien“ gibt es nicht nur Songs über den Tod sondern auch über Inkonzequenz, Größenwahn und andere diesseitige Dinge. Mit Freunden herrlich zusammengesampelt. Post Dancefloor Pop! Guter Typ!

Sich Die Goldenen Zitronen anzusehen ist nie verkehrt!

Und Huah! sind auch wieder unterwegs – haben Knarf Rellöm, Bernadette La Hengst und Nixe neue Songs dabei oder wollen sie nur die Erinnerung an diese herrliche Band pflegen? Egal, angucken!
Knarf Rellöm legt  am Sonntagnachmittag als King Fehler zusammen mit DJ Patex (School Of Zuversicht) auch noch auf.

Der Gig von Kreisky neulich im Molotow soll ziemlich klasse gewesen sein. Harte Gitarrenriffs, deutschsprachige Texte, Energie.

Mit Dieter Moebius und Asmus Tietchens sind hier aber auch zwei Pioniere der elektronischen Musik live zu hören, noch bevor ihre erste gemeinsame Platte erscheint. Moebius war vor ewigen Zeiten u.a. Mitglied der Krautrock-Band Cluster. Tietchens arbeitete meist solo und fand mit seinen elektronischen Experimenten in den 1980er Jahren auch Anklang in der frühen Industrial-Szene. Diese Kollaboration fällt irgendwie aus dem Rahmen dieses Festivals, dürfte aber sehr interessant werden.

Ich habe noch ein paar Hörbeispiele herausgesucht:

Herpes
(12.08.2011, 15:20 Uhr, Vorschot)
Herpes – Das Karnickel im Hut
Mr.Boredom über: „Das kommt vom Küssen“

Dieter Moebius & Asmus Tietchens
(12.08.2011, 18:30 Uhr, Butterland)
Dieter Moebius – Rast (live 2008)
Dieter Moebius – Etwas (1983)
Asmus Tietchens – Lumen 15 (1999)
Asmus Tietchens – Hydrophonie 1 (1984)
Asmus Tietchens – Moderne Arroganz (1981)

Andreas Dorau
(12.08.2011, 20:10 Uhr, Vorschot)
Andreas Dorau – Größenwahn
Andreas Dorau – Stimmen in der Nacht

Huah!
(13.08.2011, 16:50 Uhr, Vorschot)
Huah! – Angela (1989)

Kreisky
(13.08.2011, 20:30 Uhr, Spinnaker)
Kreisky – Scheisse, Schauspieler

Die Goldenen Zitronen
(13.08.2011, 21:00 Uhr, Vorschot)
Wir verlassen die Erde
ICE Berthold Brecht  (live für They Shoot Music)

King Fehler a.k.a. Knarf Rellöm + DJ Patex
(14.08.2011, 17:40 Uhr, Nest)

Hier das Komplettpaket vom Veranstalter:
msdockville.de

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In der Bibliothek

Mai 7, 2011

Superpunk live at Umsonst & Draußen Festival Würzburg, 21.06.2009

Various Artists: Oh, dieser Sound – Stars spielen Superpunk
(Tapete Records, TR210, 2011)

Mit Cover-Versionen ist das ja immer so eine Sache – und mit Tribute-Alben sowieso. Aber offensichtlich sind die Jungs von Superpunk nun lange genug im „Geschäft“ um entsprechend gewürdigt zu werden. So hat Tapete Records hier nun 21 Tracks von 20 Interpreten gesammelt, die eine durchaus durchwachsene Mischung ergeben. Schon der Album-Titel wirft die Frage auf, wer denn diese „Stars“ sein sollen. Ich hatte zuerst Hemmungen, mir diese Platte zu kaufen, aber als ich dann im Zardoz Plattenladen bemerkte, dass hier auch Andreas Dorau sowie die Mobylettes mit dabei sind, mußte ich zugreifen.

Trotzdem verzichte ich gerne auf Bands, die das Original mehr oder weniger nachspielen ohne etwas wirklich originelles hinzuzufügen. Wenn Rockbands Rocksongs covern ist da sowieso nicht viel zu erwarten. Fettes Brot und Madsen braucht kein Mensch. Ebenso die nett gemeinte aber irgendwie schön-nervige Version von Anajo. Nom De Guerre nervt ebenfalls dank Eunuchen-Gesang. Und Egotronic geht auch nur gerade so.

Angenehm hingegen ist, wenn ein gewisser G.Weida ein Superpunk-Lied kurz instrumental auf dem Akkordeon interpretiert. Schön auch die Soul-Versionen von Al Supersonic & The Teenagers und dem The Frank Popp Ensemble.

Es gibt auch zwei Reggae-Versionen – von Die Sterne und Jasmin Wagner – zu hören, was vielleich originell wäre, wenn Superpunk dies mit ihrem „Ehrlicher Mann (Reggae Remix)“ nicht bereits wesentlich besser gemacht hätte. Wobei mir die Version von Jasmin Wagner (früher als Blümchen, jetzt mehr so im Theater unterwegs) besser als die von Die Sterne gefällt – und ihre Stimme auch viel besser als die der Sängerin, die in der Original-Version von „Oh, dieser Sound“ mitquäkt.

Die Aeronauten – eine meiner Lieblingsbands – enttäuschen mich mit ihrer zwar guten aber irgendwie doch nicht so mitreißenden Version von „Baby, ich bin zu alt“ ein wenig. Station 17 überzeugt mit einer coolen Version von „Neue Zähne für meinen Bruder und mich“, die mich dank der Rhythmbox irgendwie an Scritti Politti erinnert.

Ein Hammer ist allerdings die garnicht so gut gelaunte Interpretation von „Das Feuerwerk ist vorbei“ der österreichischen Neigungsgruppe Sex, Gewalt & Gute Laune. Und irgendwie überrascht mich auch Das Bierbeben mit einer schönen Version von Allein in eisigen Tiefen“ – coole Frauenstimme!

Und dann interpretieren zwei meiner Lieblinge noch meinen Lieblingssongs aus dem letzten Superpunk-Album mit dem etwas schwachsinnigen Titel „Die Seele des Menschen unter Superpunk“ namens „In der Bibliothek“.  Die Mobylettes führen diesen Song über in die orgeligen 60er Jahre. Sehr stilvoll! Andreas Dorau eignet sich diesen Song durch Samping an und macht einen flotten Popsong daraus, der mich ebenso wie die wesentlich gemütlichere Version der Mobylettes mehr als begeistert. Gute Cover-Versionen nehmen sich offensichtlich immer die Freiheit, sich vom Original zu entfernen. So nimmt sich Bernd Begemann zusammen mit seiner Befreiung die Frechheit heraus, aus zwei Liedern („Ich bin ein Snob“ und „Ich bin nicht so wie jeder andere auch“) eine handgemachte Bastard-Indie-Pop-Version zu schaffen.

Wer Superpunk und die Mobylettes und Andreas Dorau oder auch nur eine dieser genannten Musiker bzw. Bands mag, sollte auf diesen Sampler nicht verzichten.