Posts Tagged ‘Can’

Blechluft 6

Juni 16, 2012

Günter Sahler – Lass und über Musikkontexte reden
(Taschenbuch, Edition Blechluft 6, 2012)

Hier wird keine heiße Luft verbreitet und kein Blech geredet. Hier geht es um die neuere Historie deutscher experimenteller Musik, deren Urheber, den verwendeten elektronischen Mitteln (vom Theremin bis Laptop-Software) und Speichermedien (von Noten über CompactCassetten – die ja auch den Umschlag dieses Buchs zieren – bis hin zur mp3-Datei und der Cloud).

In Interviews erzählen Musiker wie Asmus Tietchens, Hans Castrup (von den Poison Dwarfs, einer Cassetten-Band der frühen 1980er Jahre, die anno 2012 ein neues Album veröffentlicht hat), Ulli Putsch (S.Y.P.H.), Markus Detmer (Staubgold-Label-Macher und Musiker bei Klangwart), Tom Scheutzlich (Mutter) oder Torstn Kauke (Superstolk) und andere, wie ihre Musik entsteht bzw. entstand. Diese Gespräche sind nicht säuberlich in einzelne Kapitel unterteilt sondern werden mit Zitaten anderer Künstler oder technischen Texten collagiert. Da treffen Erlebnisberichte auf Technikgeschichte, Hardware auf Software, Stockhausen auf Punk Rock. Und auch Damo Suzuki schaut auf einen Sprung vorbei. Es werden die Nischen der deutschen Popkultur ausgeleuchtet – erfreulicherweise auch in der vermeintlich düsteren Provinz. Für diesen Verdienst sollte man dem Editor Günter Sahler eine Ehrenurkunde überreichen.

GZ,
13.06.2012

Das Buch kann man hier bestellen:
www.blechluft.de.vu/

Groovy Meditation

August 27, 2011

Burnt Friedman & Jaki Liebezeit live
(Kampnagel Music Hall, Hamburg, 26. August 2011)

Draußen Regen, drinnen eine Bühne im Kunstnebel, auf der Bernd Friedmann (*1965) und Jaki Liebezeit (*1939, war früher bekanntermaßen bei Can) ihre Live-Session darboten. Während Burnt Friedman die elektronischen Geräte bediente, spielte Liebezeit sein pedalloses Schlagwerk. Also ganz ohne mit dem Fuß getretene Bass Drum oder Hi-Hat. Nur ein paar Trommeln und ein paar Becken, denen er sich ständig minimal verändernde Rhythmen klöppelte. Auch keine „extended techniques“, keine Mätzchen, kein Virtuosengedöns, stattdessen Konzentration auf das Wesentliche, den immer weiter fließenden Rhythmus. Friedman sorgte mittels Samples und Loops ebenfalls für rhythmische Sounds (Kalimba, Vibraphon, Steel Drum und so), aber dank Analog-Synthesizer (war das nicht ein alter Korg MS-20?) auch für Klangflächen, die teilweise nach Gitarreneffekt klangen. Fast endlos wird im gemäßigten Tempo getrommelt und gewebt.

So angenehm und faszinieren kann also instrumentale, elektronische Musik sein. Das Publikum war begeistert und irgendwie waren die Musiker geschätze zwei Stunden auf der Bühne, inklusive der beiden Zugaben. Schade, dass diese Musik in einer normalen Konzertsituation mit langem Rumstehen dargeboten wurde. Eine Sofalandschaft wäre garnichtmal so unpassend gewesen.

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