Posts Tagged ‘Cassette’

Nie erreicht

März 26, 2012

Neulich im Fanzine-Archiv: Da schaue ich ein paar Din A5-Hefte durch und stolpere über diese Collage, zu finden auf der Rückseite von „Sid Lupo und der Giftzwerg – der erste New Wave Comic der Welt“, welcher mich seinerzeit zusammen mit der ersten Cassette der Poison Dwarfs erreichte (C-10 , 1981, Eigenverlag). Plötzlich fühle ich mich wegen der pyramidalen Kopfbedeckung an das aktuelle Video dieser mehr als verzichtbaren Remmidemmi-Band aus Hamburg erinnert – nur mit dem Unterschied, daß die Pyramiden heutzutage im Bewegtbild eingesetzt werden und nicht nur den Kopf sondern auch noch das Gesicht bedecken.

„Oft kopiert – nie erreicht“.

Zufall.

PS:
Laut einem Kommentar von Poison Dwarfs-Mitglied Hans Castrup stammt die Gestaltung von Helmut Westerfeld – „Der ‚andere‘ Poison Dwarf von Anfang bis 1983. Späterer Skalp-Mitgründer…“
(Facebook, 02.04.2012, 15:48 Uhr)

Verschwundene Lokalitäten (5)

Januar 16, 2012

atahk
(Dominikanergasse 7, Würzburg)

Anfang der 1980er Jahre gegründeter Plattenladen, aus dem das Label und Versandhaus Recommended No Man’s Land entstand. Nach ein paar Jahren wurde der Laden nicht mehr öffentlich betrieben und diente nur noch als Büro für Label und Versand. Beides wurde 1996 nach Berlin verkauft.

Die oben abgebildete Anzeige stammt aus der im April/Mai 1983 erschienenen Erstausgabe des Würzburger Fanzines Oi! Oi! Oi! (später 10.15 bzw. 10.16 Megazine).

Cassettentäter: Markus

Dezember 5, 2011

Oben abgebildete Seite stammt aus der Sonderausgabe des 10.15 Megazine (Edit 7), die parallel zum Cassetten-Sampler „Saturday Night Favourites“ (Klappstuhl Records / Zu Viel Cassetten, 1986) erschien.

Hier war Markus mit dem Titel „Dark Room“ vertreten. Auf seinem eigenen Label Einsame Kultur Erzeuger veröffentlichte er die beiden Tapes „Solo 1982-1983“ (1984) und „Filmmusik 1“ (1985)

Damals lebte er in Osnabrück, heute wohl in Berlin.

Abschrift:

„markus ( geb. 1962 ) kann aus allem Musik machen, was er in die Finger kriegt. Manchmal leiht er sich auch ganz normale Instrumente, und wenn dann noch eine so gute Sängerin wie Hurwineck dazukommt, entsteht so was wie „Dark Room“.
Eigentlich ist das ein Stück Filmmusik, zum „Zebrastreifer“ von Hanno Nehring.
Ansonsten versammelt markus unter seinem Label EINSAME KULTURERZEUGER diverse seltsame Musik, einzige Gemeinsamkeit ist, daß alles nur auf Cassette produziert wird. Wenn er keine Musik macht, so macht er gerade Filme oder Comix oder Fanzines oder Fotos oder rast auf seinem Fahrrad durch Osnabrück.“

(Autor unbekannt)

Wir bauen eine neue Stadt

Mai 24, 2010

Bei „Wir bauen eine Stadt – Ein Spiel für Kinder“ handelt es sich eigentlich um ein klassisches Musikstück von Paul Hindemith, das  in den frühen 1980er Jahren von Holger Hiller und Thomas Fehlmann elektronisch gecovert und auf Cassette (bei Ata Tak) veröffentlicht wurde, anschließend bzw. gleichzeitig hat Palais Schaumburg (siehe Foto: Thomas Fehlmann, Holger Hiller, Timo Blunck, Ralph Hertwig) einen New Wave Pop Song daraus gemacht, den wiederum Jahrzehnte später die junge Hamburger Band 1000 Robota nachspielte. Und nun haben auch noch Gudrun Gut und Antye Greie zusammen auf ihrer Baustelle eine neue Version veröffentlicht. Hört selbst! Hier ein paar Links zum Thema:

PAUL HINDEMITH (1930)
(leider nur ein sehr kurzer Ausschnitt auf dem Klavier)

HOLGER HILLER / THOMAS FEHLMANN (1981)
Leider keine klingende Datei gefunden. Aber eine Besprechung von Martin Büsser, anlässlich der Wiederveröffentlichung auf Vinyl:
Wir bauen eine Stadt (nach Paul Hindemith)

PALAIS SCHAUMBURG (1981)

1000 ROBOTA (2008) live:

AGF / ANTYE GREIE (2010)
Acappela in Vorfreude auf ihre Kooperation „Baustelle“ mit Gudrun Gut:

GREIE GUT FRAKTION (2010)

Alle Welt soll es erfahren!

Mai 18, 2010

Ach Herrgott, das ist ja schier unglaublich! Der Wissenschaftler und Entdecker Frank Apunkt Schneider hat eine neue Sonderform von irgendwie increbibly obscure music ausgekundschaftet: Sacro-Pop. Darunter ist weder White Metal noch Gospel Music und auch nicht Bruce Low zu verstehen, sondern solche Musik, die in Pfarrgemeindezentren und Jugendgottesdiensten dargeboten wurde bzw. wird. Christliche Gebrauchsmusik sozusagen, zumeist von Hobbymusikern oder Semiprofis gepflegt. Auf dem  Cassettensampler „The Power of German Lashcore Part IV – Alle Welt soll es erfahren…“ (MC, Hausmacherkassetten WWW.1975.DE/666ff., 2000) wurde nun ein bunter Querschnitt durch diese spezielle Musikwelt zusammengestellt, die sich verschiedenster popmusikalischer Genres bedient: von Chanson über Schlager bis hin zum Folk und Rock oder gar Country & Western ist vieles möglich (sogar ein Reli-Lehrer-Rap ist vertreten, den ich eigentlich eher dem Pädagogen- als dem Sacro-Pop zuordnen würde). Ebenso hemmungslos wird durch die letzen Jahrzehnte (50er bis 90er Jahre des 20. Jahrhunderts) zeitgereist – wobei auffällt, daß die Aufnahmen oft ca. zehn Jahre älter wirken als sie datiert sind. Manchmal klingt es etwas schräg – teils wegen der sperrigen, zumeist deutschsprachigen Texte, teils wegen der laienhaften Musikdarbietung – aber kann durchaus in die Nähe von Groove oder gar Ohrwurm gelangen. Sendungsbewußtsein und die frohe Botschaft werden über songwriterische Perfektion gestellt und treiben doch so manch eingängige Blüten. Wer dieses Tape nicht lediglich als Kuriositätenkabinett genießen, sondern noch mehr über Sacro-Pop wissen möchte, der kann im Beiheft zu dieser Compilation eine ausführliche pop-historische Aufarbeitung dieses Themenfeldes studieren (welche von Bad Alchemy-Autor Frank Apunkt Schneider stammt und in Heft Nummer 8 der Publikumszeitschrift Testcard in leicht gekürzter Version erschienen ist). Das seltsame an dieser Cassette ist übrigens, daß man spätestens nach dem zweiten Durchhören nicht mehr genug von dieser Musik haben kann. Derzeit höre ich sie einmal täglich. Und es geht mir gut dabei. Gottseidank!

(Wiederveröffentlichung; geschrieben im Dezember 2000 / Januar 2001 für Bad Alchemy 37)

Kassette sich wer kann!

April 22, 2010

Frank Apunkt Schneider:
Als die Welt noch unterging – Von Punk zu NDW
(Ventil Verlag, 2007, ISBN 3-931555-88-7)

Endlich komme ich dazu, dieses Buch zu lesen. Dessen Autor Frank Apunkt Schneider begegnete mir erstmals vor etlichen Jahren im Fanzine Der kosmische Penis als „King-Crimson-Ironiker“, dann als Mitglied der Ernst Neger Revival Band (ihr Hit: „Frauen über 30“) und der Künstlergruppe Winkelwurst sowie als Sacro-Pop-Experte, Lashcore-Cassetten-Compiler und Hörspielautor. Später schrieb er lieber für renommierte Fachmagazine wie Bad Alchemy und natürlich Testcard. Kunst macht er heutzutage unter der Wiener Dachmarke Monochrom. Er lebt, arbeitet und organisiert im oberfränkischen Bamberg.

Bei Testcard und Monochrom ist es ja durchaus üblich, als Fan an die Sachen ranzugehen, aber diese möglichst akademisch zu behandeln – oder umgekehrt. Wozu hat man schließlich irgendetwas geisteswissenschaftliches studiert?! Bei „Als die Welt noch unterging“ bekommt Apunkt aber noch ganz gut die Kurve, hier wird zwar auch manchmal wortreich diskursiert, aber der Musikfan dominiert dann doch. Eine eindeutige Definition dieser NDW kann und will Schneider nicht liefern. Vielmehr zeigt er, wie es zu diesem Begriff kam und dass es ihn womöglich auch schon vor Alfred Hilsberg gab. Um das Thema einzugrenzen schaut er nur bis etwa 1984 – Frank Apunkt Schneider war in diesem Jahr erst 15. Er bezeichnet sich selbst als „knapp Zuspätgekommener“. Was seiner Sammelwut und Sachkenntnis aber offensichtlich keinen Abbruch tut. Diese, wenn auch kurze, Distanz zum Thema tut dem Buch gut, man kann hier gottseidank keine nostalgisch verklärten Anekdoten eines ex-Mittendringewesenen lesen. Vielmehr versucht Schneider das Phänomen Punk und NDW in deutschsprachigen Landen (Österreich, Schweiz und die DDR werden ebenfalls angeschnitten) von verschiedensten Seiten her einzugrenzen. Was garnicht so einfach ist. Denn die Ränder fransen aus, sind unscharf und keineswegs eindeutig. Daher sei ihm auch verziehen, wenn Frank Apunkt in allgemeine, nicht nur für Deutschland spezifische Aspekte dieser Musikgeschichte abdriftet. Interessant ist das auf jeden Fall, auch wenn er manchmal dann doch ins Akademische verfällt und stellenweise vielleicht etwas zu viel Adorno und Horkheimer geraucht hat. Allerdings landet er während seinen Abschweifungen aber auch Seitenhiebe, die man lachend begrüßen muss. Das Schwurbeln hat er also nicht verlernt und seine Wortneuschöpfungen sind amüsant bis erstaunlich. Irgendwie ist genau dieses Diskursive das Schöne an Alcos Buch. Es wird abgeklopft was vorher, nachher, parallel so alles passierte. Und er wagt sich in den unübersichtlichen Untergrund der damaligen bundesdeutschen Kassettenszene. Diese wurde wohl in noch keinem anderen Buch über Punk und NDW so ausführlich gewürdigt. Auch wird hier die Provinz besser repräsentiert als in manch anderen Büchern zum Thema. Meist wird deutscher New Wave ja als Bewegung aus Düsseldorf, Westberlin, Hamburg und vielleicht noch Hannover und Hagen abgefeiert. Aber dass insbesondere in einzelnen Kleinstädten ein Urwuchs an Bands und Kassettentätern wucherte, wird meist vernachlässigt. Frank Apunkt Schneider versucht dies auch in der umfangreichen Disko- und Kassettografie abzubilden – was für eine Fleißarbeit! Offensichtlich hat er ein Herz für Sammler und berücksichtigt sogar die ein oder andere Phantomplatte, die zwar in der Primär-Literatur auftaucht, aber sich wohl nie materialisiert hat. Insgesamt sehr interessante, aber nicht gerade einfache Lektüre. Eher etwas für Fans der untergründigen Neuen Welle, für Leute, die es genau wissen wollen, und weniger für ich-will-spaßige NDW-Partygänger.

21.04.2010

Die zukünftige Entwicklung der Musikindustrie

April 14, 2010

Hier nun ein Text nicht von mir sondern von Edi Roger!
Dieser Artikel entstand 1989/90, also in einer Zeit vor Durchbruch von CD-R und Internet! Trotzdem interessant, was Edi hier schrieb. Vor allem sein Fazit am Ende des Textes kann man immernoch als gültig erachten.

Text: Edi Roger
aus: 10.16 Megazine XIII, erschienen Anfang 1990
(reissued without kind permission of Edition Roger, Westberlin)

GUZ – Leichte Amnesie

April 12, 2010

Dies war eine Rezension aus 10.16 Megazine XIII, erschienen Anfang 1990.

Offene Systeme

Februar 24, 2010

Wenn wir schon dabei sind, hier noch eine Cassetten-Besprechung.
Ebenfalls aus Oi Oi Oi! Heft Nummer 2 vom 19.09.1983.

Und hier wieder ein PDF zur besseren Ansicht.

Autor: (mrbore)dom

Concept City 808126

Februar 23, 2010

Unten stehende Besprechung wurde für das Würzburger Fanzine Oi Oi Oi! geschrieben und erschien in der zweiten Ausgabe vom 19.09.1983. Dieses Fanzine wurde drei Nummern später in 10.15 Megazine umbenannt.


Zur besseren Ansicht hier noch ein PDF

Verfasser: (mrbore)dom