Posts Tagged ‘DAF’

Ansteckende Krankheiten

Mai 2, 2010

Herpes – Das kommt vom Küssen
(Tapete Records, TR 177, 2010)

Manchmal sind Vorgruppen wirklich verzichtbar, aber neulich beim Konzert der Fehlfarben in Hamburg hat mir dieser ‚Support Act‘ namens HERPES mehr als nur gut gefallen. Irgendwie hatte die Band Hummeln im Arsch, trotz „file under: Junge Leute spielen Musik, die älter als sie selbst ist“. Dieses Quintett sah so aus, als ob deren MitgliederInnen erst Anfang 20 wären. Offensichtlich kommen sie aus Berlin, was auch zu deren angenehm unstylishem Styling passt. Auf ihrem ersten, 23 Minuten kurzen Longplayer haben die zehn Lieder selten eine Dauer von über drei Minuten, weisen aber vor allem interessante textliche Referenzen auf. Alleine das Wort „ausradiert“ im Song „Keine Experimente“ lässt mich schon an Hans-A-Plast denken und mit „Klatsch in die Hände und dreh dich nach rechts / beweg die Hüften und dreh dich nach links“ wird natürlich die Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF) und ihr „Tanz den Mussolini“ gewürdigt. Im Lied „Das Ding auf F“ werden Tocotronic zitiert und Die (Goldenen) Zitronen sogar direkt erwähnt. Referenzen aus den 1980er und 90er Jahren, die sich sehen lassen können. Im Song „Galeristen“ gibt es sogar Sätze wie „Er baut eine neue deutsche Welle“. Oha! Und ich alter Sack wundere mich immer, wer sich für diese ollen Kamellen interessieren mag. Musikalisch steht Herpes irgendwo zwischen den frühen Abwärts („Computerstaat“) und der bereits erwähnten DAF in ihrer beginnenden Duo-Phase. Erinnert mich aber irgendwie auch ein bisschen an Rotzkotz auf Speed. Also deutschsprachiger Post Punk mit Keyboards, die an die Sequenzer von Robert Görl erinnern (oder, wie andernorts bereits erwähnt, an rockende Keyboard-Bands wie Aavikko), mit schnörkellosen Gitarrenriffs und einer energischen Rhythmusgruppe sowie einem hippeligen Sänger. Check out!

02.05.2010

Kebabträume heute nicht

Februar 10, 2010

D.A.F. live am 27.02.2009 im Uebel & Gefährlich, Hamburg

Nachdem wir gegenüber dem Hochbunker am Heiligengeistfeld noch einen Falafel verspeist hatten, betraten wir früh am Abend – und nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug – das Uebel & Gefährlich. Die Vorgruppe spielte bereits: Leichtmatrose bot leichten Gothic Electro Pop dar – mit deutschsprachigen Texten. Wobei Worte wie „Trauer“ und „Melancholie“ auf die Leinwand geworfen wurden. Aber düster war das gar nicht. Wobei mich so manch unfreiwillig komischer Reim sogar zum Lachen brachte. Die elektronische Klangspur wurde wohl eingespielt, Gitarre, Schlagzeug und Gesang – es war auch noch eine Backgroundsängerin mit von der Partie – waren live. Am Ende gab es wenig Zuspruch – Vorgruppe zu sein ist halt immer ein Scheissjob und „Leichtmatrosen haben’s schwer“.

Dann kam die Deutsch Amerikanische Freundschaft im Dunkeln auf die Bühne. Als erster Robert Görl mit einem Silberling, welchen er mit ausgestrecktem Arm dem Publikum präsentierte und anschließend in den Player einlegte. Statt damals Kassetten werden heute CDs als Abspielgeräte für das elektronische Playback verwendet – dazu wird live geschlagzeugert und gesungen. Wobei Gabis Stimme nicht so toll in Form war. Auch bei den „romantischeren“ Liedern gab er eher ein Shouten von sich. Hat er sich etwa bei seinen Techno-Ausflügen mit Daf Dos seine Stimme versaut? Als erster Track wurde der Titel „Gewalt“ eingespielt (nur der elektronische Teil dieses Frühwerkes) – der passende Soundtrack für den Auftritt von Gabi Delgado-López, der mit einem leichten, selbstsicheren Grinsen auf dem Gesicht die Bühne betrat.
Zuerst gab es mit „Verschwende deine Jugend“ noch einen frühen Titel. Mit ihrem 1980er Hit  „Der Mussolini“ brachte D.A.F. die Menge zum Toben. Das Publikum war vom Alter her sehr gemischt. Da gab es viele, die Robert und Gabi wohl noch von früher kennen. Aber auch junge Gesichter waren zu sehen. Gespielt wurden neben Frühwerken und fast allen Songs ihrer dritten LP „Alles ist gut“ (und der darauf folgenden) auch Songs ihrer Reunion-Platte „15 neue DAF Lieder“ aus dem Jahr 2003. Wobei gerade bei den Spätwerken schon mal Sachen dabei waren, die man besser nicht kennenlernen wollte. Einmal gab es auch einen Mash Up: zur Musik eines Track von „Die Kleinen und die Bösen“ (?) sang Gabi „Sex unter Wasser“.
Nach 60 Minuten war Schluss. Ungefähr vier Zugaben wurden dargeboten, zu jeder einzelnen ließen sich die Herren bitten. Wieder wurden CDs ein- und danach losgelegt. Statt „Kebabträume“ wurde noch mal „Der Mussolini“ zum Austoben vorgespielt. Vielleicht hätte ich vor dem Konzert keinen Falafel essen sollen?

(Wiederveröffentlichung – geschrieben am 03.03.2009 und bereits andernorts in diesem Netz veröffentlicht).