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Fantas Schimun in Gold

Januar 21, 2014

goldenballs

FANTAS SCHIMUN – Golden Balls
(LP / DL, KETO Recordings, KETO-001-2013, 2014)

Auf ihrer letzten Veröffentlichung, der Doppel-LP „Variationen über die Freiheit eines anderen / Der Himmel ist blau – Ein Alptraum in Stereo“ (erschienen 2010 bei ZickZack), wurde zum Mars geflogen – jetzt ist Fantas Schimun wieder „Back To The Present“, so der erste Songtitel ihres im Januar 2014 erscheinenden Albums „Golden Balls“, das auf ihrem eigenen Label KETO Recordings veröffentlicht wird – in den Darreichungsformen Vinyl und Download.

Acht eigentlich recht unterschiedliche Songs gibt es hier zu hören, die dennoch ein weitgehend gemäßigtes Tempo gemeinsam haben, alle irgendwie fast schon Nacht(sunterwegs)musik. Jazzklangfarben gebende Instrumente wie Kontrabass, Vibraphon oder Fender Rhodes Piano ertönen und tauchen die Musik in elegant nächtliches Blauschwarz. „Aaahrgh“ klingt fast so als hätte Bohren und der Club of Gore gute Laune. Bei „Bunch“ gibt es ein mehr oder weniger verstecktes Harry Belafonte-Zitat und beim sanft groovenden „Back To The Present“ die wie durch ein Telefon bis zur Unkenntlichkeit verfremdete Stimme von Max Müller (Mutter) zu hören. Es wird in verschiedenen Sprachen gesungen und nicht immer von Fantas Schimun selbst. Der in französischer Sprache mit sonorer Sprechstimme vorgetragene und von Akkordeon geprägte Song „Los Muertos“ erinnert mich warumauchimmer an Albert Marcoeur – dabei singt Kouassi Penicka. Und der Song, der mich warumauchimmer an Ursula Rucker erinnert wird von Elinor Mora vorgetragen.

Und dann gibt es auch noch diese wunderbare Version von „Hello“ (im Original von Lionel Richie), gesungen von einem imaginären (?), fast schon gospelig anmutenden Chor. Stimmen pur, in sich ruhend, voller Seele.

Eine Platte mit überraschender Deepness sowie herzergreifender, aber keineswegs ungebrochener Schönheit.

Download ist wohl ab Ende Januar 2014 verfügbar, das limitierte Vinyl kann man bereits bestellen. Nähere Infos zu den Bezugsquellen:
fantasschimun.wordpress.com

GZ,
20.01.2014

Schimun

Fantas Schimun in Schwarzweiss

 

Fantas Schimun in Stereo

Januar 16, 2010

Fantas Schumi Cover

FANTAS SCHIMUN
Variationen über die Freiheit eines anderen /
Der Himmel ist blau – Ein Alptraum in Stereo

(DoLP, ZickZack, ZZ 2026)

Zuerst erscheint mir der Name dieser aus Wien stammenden Künstlerin unbekannt. Aber dann kommt mit dem vierten Titel ein Wiedererkennen: „Ich bin bis auf weiteres eine Demonstration“ war anno 2003 der Titelgeber einer ZickZack-Compilation. Auf selbigem Label ist nun eine Doppel-LP erschienen, die sich deutlich zweiteilt. Auf den Plattenseiten drei und vier wird eine Art Hörspiel dargeboten, in dem es um Liebe, Eifersucht und einen der ersten Billigflüge zum Mars geht. Bestechend schön die Nebeneffekte der in der Tonhöhe künstlich veränderten Stimmen. Unterbrochen wird diese medienkünstlerische Heimarbeit immer wieder durch songartige Stücke – wobei „Eia weia weg“ bereits auf einem weiteren ZickZack-Sampler zu finden war. Abgeschlossen wird dieses Werk durch „Herztropfen für‘s All“, einer Cover-Version des S.Y.P.H.-Songs „Nur ein Tropfen“. Das war nun also vermutlich der aus älteren Zeiten stammende Bonus zum eigentlichen Album. Während das Hörspiel und die Samplerbeiträge ungezwungen experimentell anmuten, wirken die neueren (?) Stücke eher wie urbane Folk Songs. Über Loops von beispielsweise Vogelgezwitscher und Bahnlärm oder rückwärts laufenden Spuren singt Fantas Schimun zur akustischen Klampfe in englischer und deutscher Sprache – und läßt sich dabei ab und zu gerne von elektrischem Gitarrenlärm stören. Das ist stellenweise herzzerreißend schön, z.B. bei „Everythings’s Far“ oder „Forget Her“. Und der instrumentale Titelsong „Variationen über die Freiheit eines anderen“ erinnert fast ein bißchen an das Penguin Cafe Orchestra. Keine Platte aus einem Guss, eher ein Sammelsurium, aber sympathisch und mit sehr schönen Perlen! Eine EP nur mit den englisch gesungenen Titeln (inkl. „Bon Tempi“) könnte ein Verkaufsschlager auf dem Mars werden.

(geschrieben am 14.01.2010 für Bad Alchemy 65)