Posts Tagged ‘Fehlfarben’

Berlin Songs

Mai 30, 2012

My favourite Berlin songs:

12 Sender Freie Rakete – Istanbul Berlin

11 Herpes – Very Berlin

10 They Might Be Giants – Road Movie To Berlin

09d Deutsch-Amerikanische Freundschaft – Kebabträume
09c Fehlfarben – Militürk
09b Mittagspause – Militürk
09a O.R.A.V.s (Liedermachos) – Militürk (Kebabträume)

08  Mutter – Damals in Berlin

07 Christiane Rösinger – Berlin

06 Einstürzende Neubauten – Die Befindlichkeit des Landes

05b Tilman Rossmy Quartett – In dieser Stadt
05a Hildegard Knef – In dieser Stadt

04 Freiwillige Selbstkontrolle / F.S.K. – Westberlin Tanzparty

03 André Herman Düne – Berlin Song

02 Frieder Butzmann & Sanja – Waschsalon Berlin

01 Die Tödliche Doris – Schöne Musik

Sorry, in case there are no links – check out yourself!

Newavetumsforschung

August 15, 2011

Günter Sahler – NDW-Archäologie
(Taschenbuch, Edition Blechluft, 2011)

Mit der Edition Blechluft hatte ich bislang nur wenige Berührungspunkte. Der erste fand wohl irgendwann in den sogenannten Nuller-Jahren statt, als ich auf der Mainzer Minipressen-Messe am Stand des Musikers und Künstlers Brandstifter einen Sampler mit dem Titel „Klingende Blechluft in Siedlungsgebieten“ (CD-R?, Blechluft / Frische Ernte, 2003) erstand. Dort war neben Stücken von Brandstifter auch der herrliche Song „Frauen über 30“ der Ernst Neger Revival Band vertreten, ein Ableger der damaligen Bamberger Künstlergruppe Winkelwurst (deren Mitglied Frank Apunk Schneider heutzutage bei Monochrom Wien mitwirkt). Aber auch Sachen mit Felix Kubin, Günter Reznicek oder Frieder Butzmann (Interview-Ausschnitte) sind dort zu hören.

Im Jahr 2011 ist in der Edition Blechluft mit dem Titel „NDW-Archäologie“ nun schon der fünfte Band auf Papier erschienen. Autor Günter Sahler (*1967) forscht in Sachen Post Punk, New Wave und Neue Deutsche Welle und schreibt in diesem Buch über teils obskure, randständige Erscheinungen, aber auch Ikonen der NDW. So erläutert er am Beispiel der D.I.Y.-Künstlerin Sunny, über die man nicht viel weiss, die Quellenlage der Musikforschung (Traditionsquellen versus Überreste oder so). Ein Schwerpunkt dieses Buches liegt auf dem Werdegang der Fehlfarben. Deren Geschichte wird hier nochmal gut zusammengefaßt, allerdings ohne näher auf deren letzte Platte „Glücksmaschine“ (2010) einzugehen.
Desweiteren gibt es eine interessante Abhandlung über die Bands der sogenannten Limbuger Pest – sprich Wirtschaftswunder, Siluetes 61, Die Radierer und Konsorten.
Mehr oder weniger kurze Interviews mit Stef Petticoat oder Thomas Voburka sowie eine kurze Abhandlung über Hirsche Nicht Aufs Sofa und eine Auswahldiskographie (T bis Z) runden dieses Werk ab.
Was eingangs etwas akademisch anmutet entpuppt sich schnell als Fantum.

Für mich als Alter Sack, welcher mit dieser Musik aufgewachsen ist – wenn auch nur aus der Distanz in der Provinz und einen Tick zu spät geboren dafür, ein Schicksal, das ich mit dem Autor Günter Sahler, aber auch mit Frank Apunkt Schneider wohl teile – ist das immernoch interessanter Stoff. Mögen sich dennoch auch jüngere Leute dafür interessieren!

Das Buch kann man für wenig Geld hier bestellen:
www.blechluft.de.vu/

Mr.Boredom über die „Glücksmaschine“ der Fehlfarben:
Respekt!

Mr.Boredom über das Buch „Als die Welt noch unterging“ von Frank Apunkt Schneider:
Kassette sich wer kann!

Ansteckende Krankheiten

Mai 2, 2010

Herpes – Das kommt vom Küssen
(Tapete Records, TR 177, 2010)

Manchmal sind Vorgruppen wirklich verzichtbar, aber neulich beim Konzert der Fehlfarben in Hamburg hat mir dieser ‚Support Act‘ namens HERPES mehr als nur gut gefallen. Irgendwie hatte die Band Hummeln im Arsch, trotz „file under: Junge Leute spielen Musik, die älter als sie selbst ist“. Dieses Quintett sah so aus, als ob deren MitgliederInnen erst Anfang 20 wären. Offensichtlich kommen sie aus Berlin, was auch zu deren angenehm unstylishem Styling passt. Auf ihrem ersten, 23 Minuten kurzen Longplayer haben die zehn Lieder selten eine Dauer von über drei Minuten, weisen aber vor allem interessante textliche Referenzen auf. Alleine das Wort „ausradiert“ im Song „Keine Experimente“ lässt mich schon an Hans-A-Plast denken und mit „Klatsch in die Hände und dreh dich nach rechts / beweg die Hüften und dreh dich nach links“ wird natürlich die Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF) und ihr „Tanz den Mussolini“ gewürdigt. Im Lied „Das Ding auf F“ werden Tocotronic zitiert und Die (Goldenen) Zitronen sogar direkt erwähnt. Referenzen aus den 1980er und 90er Jahren, die sich sehen lassen können. Im Song „Galeristen“ gibt es sogar Sätze wie „Er baut eine neue deutsche Welle“. Oha! Und ich alter Sack wundere mich immer, wer sich für diese ollen Kamellen interessieren mag. Musikalisch steht Herpes irgendwo zwischen den frühen Abwärts („Computerstaat“) und der bereits erwähnten DAF in ihrer beginnenden Duo-Phase. Erinnert mich aber irgendwie auch ein bisschen an Rotzkotz auf Speed. Also deutschsprachiger Post Punk mit Keyboards, die an die Sequenzer von Robert Görl erinnern (oder, wie andernorts bereits erwähnt, an rockende Keyboard-Bands wie Aavikko), mit schnörkellosen Gitarrenriffs und einer energischen Rhythmusgruppe sowie einem hippeligen Sänger. Check out!

02.05.2010

Nicht alle durcheinander

März 31, 2010

Herpes und Fehlfarben live
(am 28.03.2010 im Uebel & Gefährlich, Hamburg)

Eigentlich wollte ich über dieses Konzert nichts schreiben. Denn im Juni 2007 hatte ich die Band schon mal am gleichen Ort gesehen und von daher waren für mich persönlich keine großen Überraschungen zu verzeichnen. Aber dann stieß ich auf einen Link zu einer Konzertkritik in der Welt und wollte meinen Augen nicht trauen. Da wurde so getan, als ob die Fehlfarben 2002 aus der Versenkung wiedererstanden wären – ein Blick in deren Diskographie hätte genügt um zu sehen, dass diese Band auch in den 1990ern in unterschiedlichen Konstellationen aktiv gar. Allerdings nicht mit so einer Schlagkraft wie jetzt. Ganz toll in diesem Artikel war auch die Behauptung, dass der Ansturm auf die Bar während der neuen Lieder deutlich größer gewesen wäre als bei den alten Hits (oder so ähnlich – ich werde mir jetzt diesen Artikel nicht heraussuchen um daraus zu zitieren). Das ist so eine abgehangene Floskel, die gerne genommen wird, wenn der Schreiberling irgendetwas nicht mag. Das mit dem Ansturm auf die Bar habe ich nicht beobachtet, denn ich stand vorne und was da hinten am Tresen abging war mir herzlich egal. Soweit zum Thema Qualitätsjournalismus.

Die Fehlfarben haben jedenfalls ordentlich gerockt an diesem Abend. Der offizielle Set wurde jeweils mit einem Song aus ihrem neuen Album begonnen und beendet. Zwischen „Glücksmaschinen“ und „Wir warten“ gab es eine bunte Mischung aus ganz alten, brandneuen und nicht mehr ganz so neuen Songs. Anschließend das Ritual mit den Zugaben und ca. fünf (?) weiteren Titeln. Natürlich wurden auch Hits wie „Paul ist tot“ und sogar „Ein Jahr (Es geht voran)“ gespielt – obwohl Peter Hein das Lied vor 30 Jahren nicht besonders mochte. Auch Liedgut, das damals ohne ihn entstand, wie „Die Wilde 13“ wurde dargeboten („… jetzt ’ne Coverversion…“). Schade, dass die launigen Ansagen von Peter Hein im Schlagzeuggewitter manchmal etwas untergingen. Die Band hat das Konzert natürlich profimäßig durchgezogen.

Für die Show wurden extra Klamotten gefertigt, die mit Farben gestaltet und beschriftet waren, die im Schwarzlicht extra grell leuchten. Gitarrist Uwe Jahnke mit seiner weißen Schlaghose schoss dabei den Vögel ab. Auch an Gerätschaften wurden Akzente mit Leuchtfarbe gesetzt. Und das Motto des Tages war am Podest unter dem Schlagzeug zu lesen: „Nicht alle durcheinander“. Auf dem Blog der Fehlfarben wird erklärt, was es mit diesem Spruch auf sich hat: er stammt ”von einer Kellnerin, die uns bediente und wir gerade mal alle schwiegen“.

Wer früh genug da war konnte noch eine hervorragende Vorgruppe erleben: Herpes, eine junge Band, anscheinend aus Berlin, die angenehm ungestylet (schreibt man das so?) und mit nervöser Energie daherkam. Fünf Leute an Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards (die Frau könnte meinetwegen auch bei Aavikko einsteigen) und Mikrophon. Deutschsprachige Texte, kurze Songs. Klasse!

31.03.2010

Respekt!

Februar 16, 2010

Fehlfarben – Glücksmaschinen
(LP / CD, Tapete Records)

Auch wenn es einzelne Leute gibt, die den heutigen Fehlfarben jegliche Relevanz für das Hier und Jetzt absprechen, so haben sie 2010 doch wieder ein neues Album mit acht kompakten, meist sehr munteren Stücken veröffentlicht. Da klingt nichts verstaubt, nostalgisch oder nach Verlegenheitslösung. Eher so als ob diese All Star Band – deren Mitglieder früher ja bei Mittagspause, Charley’s Girls, S.Y.P.H., Der Plan, Mau Mau, Camp Sophisto, Family 5 etc. mitwirkten – im Studio ihren Spaß gehabt und nebenbei acht Lieder aufgenommen hat. Da wird der Sommer nach der Krise besungen oder wie das so ist, wenn man wegrationalisiert wird. Auch wird von Peter Hein und seinen Mitstreitern ein kritischer Blick auf diese Sache mit den Internetbekanntschaften geworfen. Und natürlich freuen sie sich noch frei zu leben und nicht im Eigenheim dahin zu vegetieren. Für so eine Platte sollte man diesen Damen und Herren Respekt zollen. Aber am Ende des letzten Stückes, das anfangs als Instrumental daher kommt, wird man für eine solche Respektbekundung schon mal vorab beschimpft.
So mag ich Schallplatten: kurz und bündig, ohne jeglichen qualitätsmindernden Füllstoff.

Und hier kann man sehen, wie sich die Band – wie Peter Hein neulich während einer Lesung in Hamburg sagte – „zum Affen macht“:

16.02.2010