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Auf Draht

November 20, 2012

Notizen vom 1998er Hausmusik- und Jimmy Draht Comic-Festival

FAZIT

Im November 1998 fand das alljährige Hausmusik-Festival, auf das man eineinhalb Jahre warten mußte, nicht mehr in Landsberg sondern im München statt. Ein Grund, den Schritt in die Großstadt zu wagen, war bestimmt der Mangel an Veranstaltungsorten in Landsberg. Andererseits ist das potentielle Publikum in München naturgemäß größer. Und außerdem leben eh schon eine ganze Reihe von Hausmusikanten in München. Also: was lag näher?! Auch der Entschluß, das Jimmy Draht-Comic-Festival parallel zum bzw. zusammen mit dem Musikfestival stattfinden zu lassen, war aufgrund der großzügigen Räumlichkeiten im Feierwerk ein geschickter. Auch wenn es für Fans der Weilheim-Landsberg-München-Connection wenig wirklich überraschendes gab, so war es doch schön zu beobachten, welche Fortschritte Bands wie beispielsweise Subatomic, Teleconductor oder das Tied & Tickled Trio seit ihrem Live-Debut vor eineinhalb Jahren gemacht haben. Trotzdem war das Festival besser als das letzte Mal, wirkte einfach runder, was vielleicht auch an den guten Rahmenbedingungen lag. So war der Sound optimal. Das von Quantensprung besorgte Licht war immer ein Augenschmaus. Das Programm umfangreich, inklusive Ausstellung und Lesungen. Und irgendwie war auch mehr los. Und dann waren da noch die netten Leute aus Bamberg, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart oder Würzburg, die man bei dieser Gelegenheit wiedersehen konnte…

Donnerstag

TUNIC aus Berlin hatten die Ehre, das Festival zu eröffnen. Wunderschöne Musik – Schlagzeug, Gitarre, Bass plus zurückhaltender Frauenstimme – eine Schnittmenge aus Durutti Column und Punk Rock?!

Mit LALI PUNA, dem auch in der Reihenhausmusik-7″-Reihe vetretenen Homerecording-Projekt von Valerie Trebeljahr, ging es in Richtung unschuldigem Synthie-Pop. Gerne singt sie in Sprachen, die sie nicht beherrscht. Live unterstützt von drei Herren. Sehr sympathisch.

COUCH mit ihrem Gitarren-Briefoderpaketpost?-Gitarrenrock ist da schon wesentlich anspruchsvoller und auch anstrengender. Aber dennoch ist es faszinierend, dieser nun durch Stefanie Böhm und deren Synthesizer erweiterten Herrendreierrunde und ihren manchmal recht vertrackten Instrumentalnummern zu lauschen. Wenn mich nicht alles täuscht klingen sie jetzt nicht mehr so spröde wie früher.

Als Headliner des ersten Abends spielte Notwist, die mir live heute wesentlich besser gefallen als vor meinetwegen zwei Jahren. Die Öffnung hin zu Jazz, Elektronik und Pop hat diesen “Indierockern” absolut gut getan. Jetzt kann man wenigsten – ohne genervt frühzeitig den Konzertsaal zu verlassen – ihre Konzerte durchhören.

Freitag

Am Freitag war am meisten geboten. Hier wurde nicht nur die Comic-Ausstellung eröffnet und Filme gezeigt, sondern es wurde parallel auf zwei Bühnen Livemusik dargeboten. Im Hauptgebäude lief bis kurz vor vier Uhr zumeist mehr oder weniger elektronische Musik, während im Nebengebäude verschiedene Bands aus dem Umfeld der Berliner Galerie berlintokio auftraten. So gab es immer ein Hin und Her zwischen den Orten.

Am frühen Abend fiel es gar nicht auf, daß das Einmannprojekt FILES auflegte. So kann es gehen, wenn man das DJ-Pult der Bühne vorzieht.

METAL LOOP wurden auf dem Festival-Album noch als MINITCHEV geführt. Dabei handelt es sich hier um einen Ableger dieser Berliner Band um Evelin Höhne, die wiederum auch in Sachen Comics unterwegs ist. Zu dritt wurde hier sympathischer Synthie-Pop in typisch Berliner Trash-Variante dargeboten (man denke nur an Ladybird oder Stereo Total…).

Während die Berliner Bands ihre Bühne umbauten fungierte NEOANGIN (= der Comic-Künstler Jim Avignon) als pausenfüllender Alleinunterhalter mit herrlicher Synthie-Musik (vgl. meine CD-Rezension in diesem Heft).

Das IS068-Konzert auf dem 97er Gehörsturzfestival war eigentlich gar keines, weil der damalige DJ wegen Herzschmerz nicht anreisen konnte. Mittlerweile wird der Keyboardelektroniker Thomas Göbel vom FRED IS DEAD-Schlagzeuger Florian Zimmer unterstützt. Improvisation hat inzwischen bei ISO68 AKTUELL einen sehr geringen Anteil, was der Musik in diesem Fall eher gut tut. Auch ist es nicht verkehrt, etwas krautrockig zu klingen, wenn das Schlagzeug mal eingesetzt wird. Gute Elektronik, wie auf ihrer Reihenhausmusik-Single nachzuhören ist.

[BLOND verpaßt zu Gunsten von JEANS TEAM].

Daß das Jeans Team mehr als nur eine Rockband darstellt, sondern auch eine Künstlergruppe sein soll, kann man in der zweiten, empfehlenswerten Ausgabe des Münchner Heftes Anti-Hund nachlesen. Ihr Konzert begannen sie mit zwei langen Nummern, die irgendwie so klangen als ob sie die ganz frühen Kraftwerk nachäffen wollten. Erst danach rockte das Jeans Team los um zwischendurch auch wieder ein paar minimalistischere Keyboard-Stücke darzubieten. Hier spielt übrigens auch Reimo mit, der sich bei Stereo Total manchmal zum Kasper macht, obwohl er das eigentlich garnicht nötig hat.

[MINA und CONTRIVA verpaßt zugunsten von SCHNEIDER TM].

SCHNEIDER von Hip Young Things etc. trat hier mit seinem Elektronikprojekt live auf. Im Grunde ist es Techno, was Schneider hier macht – allerdings kein sturer Minimal Techno. Denn er baut alle drei, vier Minuten eine Variation oder Wendung in seine Musik ein, da kommt ganz der Indierockmusiker in ihm durch. Lustig anzusehen, wie Schneider und seine beiden Live-Assistenten ab und zu auf der Bühne rumhüpfen. Das ist Rock!

Eines der interessantesten weil neuesten Projekte war das Trio TED MILTON / ANDREAS GERTH / MICHAEL HEILRATH. Milton kennt man von seiner Band Blurt her, mit der er auch schon bestimmt zwanzig Jahre lang unterwegs ist. Mit diesem neuen Projekt bewegt er sich weg vom präzis-repetitiven Gitarrenrock und knüpft eher wieder an seine 1984 von Steve Beresford produzierte 12″ „Life is but a violence“ an. Die elekronischen Klänge von Andreas Gerth und die (auf Platte von Paddy Steer gespielten) Basslinien bilden die Basis für Ted Miltons Texte, die er mehr vorträgt als singt. Zwischendurch bläst er auch sein Saxophon. Aber gottseidank nicht so expressiv wie bei Blurt, das würde hier garnicht so passen.

Anschließend stand Gerth mit dem TIED & TICKLED TRIO auf der Bühne, das auch immer perfekter klingt. Dub-Jazz-Rock wie gehabt. Sehr schön die dank zusätzlichem Gast stellenweise auf drei Instrumente verstärkten Bläsersätze. Wunderbar. Blue.

Tief in der Nacht trat dann noch CONSOLE alias Martin Gretschmann auf. Seine meisterhaften elektronischen Pop-Instrumentals, in die er stellenweise Zitate aus den 80er Jahren einbaut (vgl.“Rocket In The Pocket“) werden live von einer Band begleitet. So rockt es stellenweise auch hier ordentlich. Am nettesten finde ich Martin in dem Moment, wo er nichts tut außer seine Mitmusiker anzugrinsen  während sie zum Finale mal so richtig lärmen dürfen. Einfach süß!

Samstag

Heute gibt es nachmittags auch Lesungen, die ich natürlich halb verpasste. Daß ich Katja Hubers Darbietung dann doch miterleben darf, ist eine erfreuliche Schicksalswendung. Denn wie sie ihre Texte vorträgt ist einfach klasse. Einen selbstverfaßten, eigentlich ernst gemeinten, wissenschaftlichen Text trägt die derart originell vor, daß das Publikum ins Lachen kommt. Zu jedem Fremdwort packt sie irgendeinen Gegenstand aus und hebt ihn hoch. Bei einem frei vorgetragenen Text, ich glaube es ist der, der auch im Beiheft zum Festival-Album abgedruckt wurde, zieht sie sich nach und nach aus – nein, trotzdem kein Striptease, das wäre wirklich zu platt – und zaubert im passenden Moment einen Zettel aus ihrem Stiefel. Poetry in Motion. Sehr sympathisch.

Abends dann wieder Musik.

Den Anfang machten EVONIKE mit zwei Frauen an Bass und Gitarre sowie jeweils einem Herren am Fender Rhodes Piano und Schlagzeug. Guter Gitarrenalternativepunkrock, der mir stellenweise etwas zu arg amerikanisch daher kam. Gute Menschen, die sich die Zeit nahmen, sich zwischen den Songs auf der Bühne hochzunehmen. Was positiv auffiel – bei den meisten andere Bands vermißte man soetwas.

SUBATOMIC haben ihre Drum-And-Zwei-Bässe-Musik weiter perfektioniert und bewegen sich immernoch zwischen Bossa Nova und Punk’Rock’n’Roll. Wann kommt da mal eine Single?

Eine Single gibt es dagegen schon von TELECONDUCTOR, die auch immer besser werden mit ihrer Gitarrenschrammelmusik. Erinnert dank der jungen Mädchenstimme etwas an englischen Girl-Pop der frühen 80er Jahre.

Mit SCHWERMUT FOREST haben wir es mit hervorragenden Musikern zu tun, deren Rockmusik dank Klarinetteneinsatz manchmal etwas in Richtung Jazz steuert. Gute seltsame Texte inklusive. Werden auch immer besser. Das hier gespielte neue Material macht gespannt auf die kommende Platte!

Ein Konzert mit FRED IS DEAD ist für mich immer ein Genuß. Und ähnelt meist einem Treffen mit alten Bekannten. Auch wenn man kaum wirklich neue Songs dargeboten bekommt, ist das wiederhören immer eine große Freude.

Zu guter letzt kamen noch PRAM aus England als krönender Abschluß auf die Bühne. Superstrange Klangteppiche, zwischendurch mit ätherischem Theremin, from outer space. Dank Kurztrompete mit jazzigen Anklängen, geerdet von Gitarre, Schlagzeug, Bass und zwei Keyboards. Für manche Konzertbesucher dann wohl doch zu strange, denn das bestbesuchteste Konzert war dieses nicht. Trotzdem faszinierende Musik.

ENDE

Neben einigen von Comic-Künstlern gestalteten Räumen gab es in einem Kellerraum eine hochinteressante Installation mit dem Titel „typodiatextbildvideosoundfilmetc“ von Leuten aus dem Umfeld der Würzburger Galerie Nulldrei. In einem schwarz gestrichenen Raum wurden Dias und Filme bzw. Videos kreuz und quer durch den Raum projiziert. Diese Bilder konnte man allerdings erst wahrnehmen, nachdem man einen Trichter mit aufgespanntem Transparentpapier aufsetzte und so durch den Raum wandelte. Ein schönes Spiel mit unserer visuellen Wahrnehmung!

(first published in Bad Alchemy 33/1999).

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No More Reeper Mania!

August 18, 2012

Derzeit macht das Reeperbahn-Festival also Plakatwerbung für den im September 2012 in Hamburg stattfindenden „Event“. Selbst in Berlin sind hinterleuchtete „City Light Poster“ zu sehen. Ein sexy „Layout“ wurde in ein „Template“ für von der Hanselstadt Hamburg geförderte Kultur gezwängt. Oder ist es sogar schon sexistisch volle Busen öffentlich auszustellen? Voll klischeemäßig ist es auf jeden Fall: In Hamburch läuft sowieso jeder mit Matrosenmütze und Tatütatoos rum.

Aber man beachte auch das Kleingedruckte: gefördert wird das Festival also u.a. von den Gebrüdern Warner, dem Norddeutschen Rundfunk und der Bundesregierung. Ojehminee, das klingt ja echt voll total nach Rock’n’Roll! Es jetzt!

GZ,
16.08.2012

Meine Dockville 2011 Empfehlungen

August 7, 2011

Am kommenden Freitag findet wieder das dreitägige Musikfestival in Hamburg-Wilhelmsburg statt. Kinder und Kunst wurden bereits im Vorfeld bedient. Jetzt kommt der Music Overflow. Viele neue Namen sind da zu lesen. Für mich sind die wenigsten interesssant, so dass ich sehr wahrscheinlich nicht hin gehen werde. Hier trotzdem meine Empfehlungen.

Am Freitag spielt undankbarerweise am Nachmittag die Berliner Punk Band Herpes. Im März 2010 waren sie als Vorgruppe der Fehlfarben unterwegs. Herrlich nervös und energiegeladen. Offensichtlich ist eine neue Platte unterwegs. Die alte hat den Titel „Das kommt vom Küssen“.

Andreas Dorau hat ebenfalls wieder mal eine Platte veröffentlicht. Auf „Todesmelodien“ gibt es nicht nur Songs über den Tod sondern auch über Inkonzequenz, Größenwahn und andere diesseitige Dinge. Mit Freunden herrlich zusammengesampelt. Post Dancefloor Pop! Guter Typ!

Sich Die Goldenen Zitronen anzusehen ist nie verkehrt!

Und Huah! sind auch wieder unterwegs – haben Knarf Rellöm, Bernadette La Hengst und Nixe neue Songs dabei oder wollen sie nur die Erinnerung an diese herrliche Band pflegen? Egal, angucken!
Knarf Rellöm legt  am Sonntagnachmittag als King Fehler zusammen mit DJ Patex (School Of Zuversicht) auch noch auf.

Der Gig von Kreisky neulich im Molotow soll ziemlich klasse gewesen sein. Harte Gitarrenriffs, deutschsprachige Texte, Energie.

Mit Dieter Moebius und Asmus Tietchens sind hier aber auch zwei Pioniere der elektronischen Musik live zu hören, noch bevor ihre erste gemeinsame Platte erscheint. Moebius war vor ewigen Zeiten u.a. Mitglied der Krautrock-Band Cluster. Tietchens arbeitete meist solo und fand mit seinen elektronischen Experimenten in den 1980er Jahren auch Anklang in der frühen Industrial-Szene. Diese Kollaboration fällt irgendwie aus dem Rahmen dieses Festivals, dürfte aber sehr interessant werden.

Ich habe noch ein paar Hörbeispiele herausgesucht:

Herpes
(12.08.2011, 15:20 Uhr, Vorschot)
Herpes – Das Karnickel im Hut
Mr.Boredom über: „Das kommt vom Küssen“

Dieter Moebius & Asmus Tietchens
(12.08.2011, 18:30 Uhr, Butterland)
Dieter Moebius – Rast (live 2008)
Dieter Moebius – Etwas (1983)
Asmus Tietchens – Lumen 15 (1999)
Asmus Tietchens – Hydrophonie 1 (1984)
Asmus Tietchens – Moderne Arroganz (1981)

Andreas Dorau
(12.08.2011, 20:10 Uhr, Vorschot)
Andreas Dorau – Größenwahn
Andreas Dorau – Stimmen in der Nacht

Huah!
(13.08.2011, 16:50 Uhr, Vorschot)
Huah! – Angela (1989)

Kreisky
(13.08.2011, 20:30 Uhr, Spinnaker)
Kreisky – Scheisse, Schauspieler

Die Goldenen Zitronen
(13.08.2011, 21:00 Uhr, Vorschot)
Wir verlassen die Erde
ICE Berthold Brecht  (live für They Shoot Music)

King Fehler a.k.a. Knarf Rellöm + DJ Patex
(14.08.2011, 17:40 Uhr, Nest)

Hier das Komplettpaket vom Veranstalter:
msdockville.de

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Mein Reeperbahnfestival 2009

Februar 5, 2010

Hier nun ein kleiner Bericht über mein Reeperbahnfestival 2009. Angeblich waren ja über 150 Bands da. Beste Voraussetzung also um auch unbekannte Künstler kennenzulernen – vorausgesetzt man wechselt zwischen den Clubs hin- und her und läßt allzu bekanntes wie Deichkind und Editors links liegen.

Donnerstag, 24.09.2009

Trotzdem war Dinosaur Jr am Donnerstag mein erstes Konzert. Denn nachdem die Hasenschaukel um 23 Uhr schon zu voll war – kein Wunder, riesig ist sie ja nicht gerade – zog es mich direkt zum Spielbudenplatz wo mir KurtKugelrund über den Weg lief. Er musste leider draußen vorm D-Club bleiben weil der erste Festivaltag bereits ausverkauft war. Meinen Gehörschutz hatte ich vergessen. Aber so schlimm laut war es drinnen nun auch wieder nicht. Ist ja nicht mein erstes Rockkonzert. Mascis spielte vor seinen drei riesigen Verstärkertürmen. Der Bassist kam mit halb so viel Verstärkern aus. Gestartet wurde mit „Thumb“. Und nach einer knappen Stunde wurde der Set mit „Freak Scene“ beendet. Dazwischen mir weniger geläufige, aber typische Dinosaur Jr-Mucke. Schön! Obgleich letzter Programmpunkt an diesem Abend gab die Band keine Zugaben. Das Publikum machte sich aber auch nicht die Mühe welche zu erklatschen. Doofes, jetzt schon übersättigtes Festival-Publikum!?

Freitag, 25.09.2009

Der zweite Tag war eher ein Wandertag und begann mit  Wallis Bird und ihrer Band im Knust. Folk Rock zum Mitklatschen und mit „La La La“. Rockiger als auf Platte. Nach drei Liedern mußte ich gehen. Schon der schlagzeugsoloähnliche Auftakt des Konzertes war mir unangenehm.
Also kurz übers Heiligengeistfeld laufen zur temporären Halle eines größenwahnsinnigen Mobilfunkanbieters, die mit weißen Stühlen und kühlem blauen Licht ausgestattet wurde. Hier spielten gerade die Broken Records – Breitwand Folk Pop aus Schottland mit elektrifiziertem Cello und Geige. Gar nicht mal so schlecht. Der Aufforderung des Sängers doch bitte aufzustehen ging das Publikum prompt nach.
Anschließend dann Niels Frevert mit Band, erweitert um ein Streichquartett. Mit Kitsch überfrachtetes Liedermachertum. Wer Element Of Crime mag könnte vielleicht aus das mögen. Nix für mich. Nach vier Liedern also weiterziehen und zu früh in Angie‘s Nightclub gelandet, den ein Internetradio okkupiert hatte.
Was heißt zu früh? Dort spielte gerade Laura Gibson – eine eher traditionelle Singer/Songwriterin, eine akustische Gitarre, mehr braucht es nicht. Sehr schön!
Danach endlich Masha Qrella mit ihrer neuen Band. Einfach schön, wie sie aus Musicalmelodien schlichte Popsongs macht. Herrlich!
Während MrTompkins sich auf zu Emiliana Torrini machte schloß ich mich Herrn A. auf seinem Weg zu Katzenjammer an. Vor dem Knust mussten wir kurz anstehen. Von den musizierenden Damen konnte ich kaum eine erspähen. Das Publikum wurde bespaßt mit Walzer und anderen Takten und bekam auch noch Norwegisch-Grundkenntnisse verabreicht. Mir hat‘s dann aber gereicht. Das Knust war eh zu voll. Ich nicht. Abgang.

Laura Gibson – All The Pretty Horses

Masha Qrella – Wandering Star

Masha Qrella – Drunken Scene

Samtag, 26.09.2009

Erster Programmpunkt heute: Sopie Hunger und Band in den Fliegenden Bauten. Ohne großes Brimborium beginnt sie das Konzert mit der Rezitation switzerdütscher Zeilen. Erst dann kommt die Band auf die Bühne, mit der sie einen Set zwischen Rock, Pop und gefälligem Jazz spielt, die Gitarre auch mal  mit dem Klavier tauscht und zwischendurch eine Geschichte aus dem Museum erzählt. Sympathisch auch ihr Finale: auf der Bühnenkante sitzend gibt sie zusammen mit ihren Mitmusikern noch eine unverstärkte Zugabe.
Danach am gleichen Ort Sophia. Eine mit Streichern erweitere Band schwelgt in langweiliger Melancholia. Nach vier selbstähnlichen, mich nicht gerade mitreißenden Stücken zieht es mich wieder in Angie‘s Nachtclub.
Dort gibt eine junge Frau namens Katrine Ottosen aka CALLmeKAT mit Hilfe dreier kompakter Keyboards kleine hübsche Song von sich, herzallerliebst.
Danach ganz etwas anderes: zwingender, puritischer Blues mit William Elliott Whitmore, erst nur mit Banjo, später mit Gitarre und einem Freund am Schlagzeug. Grandios!
Danach Kontrastprogramm. Mal in der Prinzenbar schauen, was Kap Bambino so machen. Wilder Elektro-Trash mit technoidem Einschlag. Lauter als Dinosaur Jr.
Okay, dann mal lieber ins Grünspan schauen. Dort kurzes Wiedersehen mit tosson, neuehuete und auch noch KurtKugelrund. Aber dort war es so voll und heiß, dass ich auf Dear Reeder verzichtet habe. Gute Gelegenheit um ein paar Häuser weiter noch das Finale von Kante mitzunehmen. Die waren aber auch nicht besser als Jochen.

Sophia – Storm Clouds

William Elliott Whitmore – Song Of The Blackbird

William Elliott Whitmore – The Chariot

(veränderte Wiederveröffentlichung – dieser Text wurde bereits Ende September 2009 andernorts im Netz veröffentlicht).