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Nicht alle durcheinander

März 31, 2010

Herpes und Fehlfarben live
(am 28.03.2010 im Uebel & Gefährlich, Hamburg)

Eigentlich wollte ich über dieses Konzert nichts schreiben. Denn im Juni 2007 hatte ich die Band schon mal am gleichen Ort gesehen und von daher waren für mich persönlich keine großen Überraschungen zu verzeichnen. Aber dann stieß ich auf einen Link zu einer Konzertkritik in der Welt und wollte meinen Augen nicht trauen. Da wurde so getan, als ob die Fehlfarben 2002 aus der Versenkung wiedererstanden wären – ein Blick in deren Diskographie hätte genügt um zu sehen, dass diese Band auch in den 1990ern in unterschiedlichen Konstellationen aktiv gar. Allerdings nicht mit so einer Schlagkraft wie jetzt. Ganz toll in diesem Artikel war auch die Behauptung, dass der Ansturm auf die Bar während der neuen Lieder deutlich größer gewesen wäre als bei den alten Hits (oder so ähnlich – ich werde mir jetzt diesen Artikel nicht heraussuchen um daraus zu zitieren). Das ist so eine abgehangene Floskel, die gerne genommen wird, wenn der Schreiberling irgendetwas nicht mag. Das mit dem Ansturm auf die Bar habe ich nicht beobachtet, denn ich stand vorne und was da hinten am Tresen abging war mir herzlich egal. Soweit zum Thema Qualitätsjournalismus.

Die Fehlfarben haben jedenfalls ordentlich gerockt an diesem Abend. Der offizielle Set wurde jeweils mit einem Song aus ihrem neuen Album begonnen und beendet. Zwischen „Glücksmaschinen“ und „Wir warten“ gab es eine bunte Mischung aus ganz alten, brandneuen und nicht mehr ganz so neuen Songs. Anschließend das Ritual mit den Zugaben und ca. fünf (?) weiteren Titeln. Natürlich wurden auch Hits wie „Paul ist tot“ und sogar „Ein Jahr (Es geht voran)“ gespielt – obwohl Peter Hein das Lied vor 30 Jahren nicht besonders mochte. Auch Liedgut, das damals ohne ihn entstand, wie „Die Wilde 13“ wurde dargeboten („… jetzt ’ne Coverversion…“). Schade, dass die launigen Ansagen von Peter Hein im Schlagzeuggewitter manchmal etwas untergingen. Die Band hat das Konzert natürlich profimäßig durchgezogen.

Für die Show wurden extra Klamotten gefertigt, die mit Farben gestaltet und beschriftet waren, die im Schwarzlicht extra grell leuchten. Gitarrist Uwe Jahnke mit seiner weißen Schlaghose schoss dabei den Vögel ab. Auch an Gerätschaften wurden Akzente mit Leuchtfarbe gesetzt. Und das Motto des Tages war am Podest unter dem Schlagzeug zu lesen: „Nicht alle durcheinander“. Auf dem Blog der Fehlfarben wird erklärt, was es mit diesem Spruch auf sich hat: er stammt ”von einer Kellnerin, die uns bediente und wir gerade mal alle schwiegen“.

Wer früh genug da war konnte noch eine hervorragende Vorgruppe erleben: Herpes, eine junge Band, anscheinend aus Berlin, die angenehm ungestylet (schreibt man das so?) und mit nervöser Energie daherkam. Fünf Leute an Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards (die Frau könnte meinetwegen auch bei Aavikko einsteigen) und Mikrophon. Deutschsprachige Texte, kurze Songs. Klasse!

31.03.2010

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Respekt!

Februar 16, 2010

Fehlfarben – Glücksmaschinen
(LP / CD, Tapete Records)

Auch wenn es einzelne Leute gibt, die den heutigen Fehlfarben jegliche Relevanz für das Hier und Jetzt absprechen, so haben sie 2010 doch wieder ein neues Album mit acht kompakten, meist sehr munteren Stücken veröffentlicht. Da klingt nichts verstaubt, nostalgisch oder nach Verlegenheitslösung. Eher so als ob diese All Star Band – deren Mitglieder früher ja bei Mittagspause, Charley’s Girls, S.Y.P.H., Der Plan, Mau Mau, Camp Sophisto, Family 5 etc. mitwirkten – im Studio ihren Spaß gehabt und nebenbei acht Lieder aufgenommen hat. Da wird der Sommer nach der Krise besungen oder wie das so ist, wenn man wegrationalisiert wird. Auch wird von Peter Hein und seinen Mitstreitern ein kritischer Blick auf diese Sache mit den Internetbekanntschaften geworfen. Und natürlich freuen sie sich noch frei zu leben und nicht im Eigenheim dahin zu vegetieren. Für so eine Platte sollte man diesen Damen und Herren Respekt zollen. Aber am Ende des letzten Stückes, das anfangs als Instrumental daher kommt, wird man für eine solche Respektbekundung schon mal vorab beschimpft.
So mag ich Schallplatten: kurz und bündig, ohne jeglichen qualitätsmindernden Füllstoff.

Und hier kann man sehen, wie sich die Band – wie Peter Hein neulich während einer Lesung in Hamburg sagte – „zum Affen macht“:

16.02.2010