Posts Tagged ‘Frank Zappa’

Straße 13

September 29, 2012

Heute habe ich zufällig entdeckt, daß in Berlin eine Straße nach Frank Zappa benannt wurde. Die ehemalige „Straße 13“ in Marzahn führt parallel zur sechsspurigen Landsberger Allee von einem summenden Umspannwerk (bzw. einem Prüffeld für elektrische Hochleistungstechnik) an einem Discounter und der Rückseite mehrerer (Büro-) Hochhäuser vorbei, unter einer Rohrleitung durch bis zum nicht mehr öffentlichen Betriebsgelände eines Wertstoffhofes und endet dort im Niemandsland zwischen Bahntrasse und Ausfallstraße.

Ausgerechnet eine schäbige Sackgasse hat Berlin nach Frank Zappa benannt – eine zweifelhafte Ehre.

GZ,
29.09.2012

Traum

März 21, 2012

Heute nachts hatte ich einen Traum, in dem ich mit Frank Zappa durch die Gegend lief. Er wollte ein Streichholz. Es war nachts. In einem Haus brannte noch Licht. Die Haustür stand offen. Ein Fotograf überreichte ihm ein einzelnes Streichholz … Dies passierte entweder kurz nach oder vor einem Konzert irgendwo in der Provinz … Letztes Bild: mehr erleuchtete Häuser, darunter ein Imbiss … eventuell mehr Streichhölzer …

Mehr weiss ich nicht mehr …

Normalerweise kann ich mich garnicht an Träume erinnern …

Freak Out!

Februar 22, 2012
Frank Zappa by Andreas Rausch

Frank Zappa by Andreas Rausch

Andreas Rausch – Zappaesk
(235 Seiten, Ehapa Comic Collection, 2002/2005)

So ein riesiger Fan von Frank Zappa (1940 – 1993) war ich ja eigentlich nie. Okay, die „Over-nite Sensation“ hatte ich mir bereits als Teenager gekauft, aber dann kam lange nichts. Erst als mir Meve diese 2004 auf Cordelia Records (dem Label von Alan Jenkins) erschienene Compilation „Lemme Take You To The Beach“ mit Cover-Versionen von Zappa-Songs im Surf-Stil schenkte, wurde ich wieder neugierig. Und wenn man sich dann so nach und nach die Originale anhört, merkt man, daß das alles ja super interessant ist. Ziemlich eigenartiger Typ, dieser Frank Zappa.

Ein richtiger Zappa-Fan ist dagegen Andreas Rausch (*1963) aus Bamberg. Mit dem Comic „Zappaesk“ hat er eine „Hommage an die Mutter der Erfindungen“, wie es im Untertitel heißt, geschaffen, die seines gleichen sucht. Das ist aber keine Biographie als sauber chronologisch erzählte Graphic Novel oder gar so etwas wie „Zappa für Dummies“. Keineswegs! Hier taucht ein Freak ins Zappa-Universum ein und läßt sich vom Lebenslauf des Künstlers, seiner Musik, den Song-Texten, aber auch von den Artworks der vielen Zappa-Platten inspirieren. Ein bißchen Kunstgeschichte, Goethes Faust und Philosophie ist auch dabei. Das Ganze kommt durchaus sprung- und collagenhaft daher, es wir ein- und ausgezoomt und einzelne Teile durch harte Schnitte verbunden. Der Stil der schwarzweißen Panels ist recht heterogen und changiert zwischen 70er-Jahre-Wimmelbildern und klaren, zeitlosen Einzelseiten. In diesen Bildern stecken so viele Details und Anspielungen auf das Werk des Künstlers Zappa, daß diese in einem umfang- und lehrreichen Anhang erklärt werden. Darüber bin ich als Zappa-Anfänger äußerst dankbar. Wenn man die ein oder andere Zappa-Biographie bereits gelesen hat, ist die Lektüre dieses Comics wahrscheinlich noch amüsanter, weil man da die eine oder andere Anspielung besser erkennt. Aber auch so ist das schon ziemlich klasse.
Kurioserweise ist der Text dieses Buches durchgehend in deutscher Sprache gehalten, auch in Passagen, die sich auf die amerikanischen Songtexte beziehen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn eine englisch-sprachige Version dieses Comics erscheinen würde. Vielleicht würde das bei den amerikanischen Freaks wie warme Semmeln weggehen?

Die wundervollen Sümpfe von Pornesien

März 17, 2011

Christian Keßler – Die läufige Leinwand
(live, Lichtmess-Kino, Hamburg, 03.03.2011)

Vor vierzehn Tagen war ich auf keiner Lesung, sondern bei einem freien Vortrag mit Filmschnipseln. Der Film-Journalist und Schreiber für „Splatting Image“ Christian Keßler stelle im Hamburger Lichtmess-Kino, einer kleinen industriellen Kathedrale des Lichts, sein neues Buch mit dem etwas seltsamen Titel „Die läufige Leinwand“ vor. Sein Verleger Martin Schmitz hatte dazu eingeladen. Eigentlich habe ich mich bisher noch nicht für amerikanische Hardcorefilme von 1970 bis 1985 interessiert, aber nachdem aus diesem Verlag so einige interessante Bücher kamen, konnte ich nicht Nein sagen und machte mich auf den Weg nach Ottensen.

Autor Christian Keßler, Jahrgang 1968, wirkt keinswegs wie ein Sex Dwarf, eher wie ein angenehmer Film Nerd, der mit einem zum „Winkelement“ umfunktionierten Stofftier dem Filmvorführer Zeichen gibt. Bei seinem Vortrag erzählte er wie er als ca. 13-Jähriger das erste Mal mit sexuell aufgeladenen Filmen in Berührung gekommen ist. Irgendwie schaffte er es damals dann auch, trotz Minderjährigkeit, heißen Stoff aus Videotheken zu schleusen. Damit war wohl das Fundament für eine ewige Vorliebe für solche Filme gelegt. Aber Keßler hat kein Interesse an  Sachen, wie sie heutzutage u.a. bei youporn laufen und die nur der schnellen Befriedigung dienen. In den 1970er Jahren war der amerikanische Schmuddelfilm ein wahres Experimentierfeld. Da wurde nicht ausschließlich zielorientiert kopuliert, sondern auch noch Geschichten dazu erzählt.

Schon das erste Filmbeispiel, welches Keßler eloquent vorstellte, verwundert. Da gab es eine Alice In Wonderland-Adaption, als Musical! Und die Leute unterhielten sich singend über Sexualität während des Aktes. Unglaublich. Auch andere Genres wurden damals herangezogen. So konnte man eine witzige, pseudo-wissenschaftliche Abhandlung zum Thema sehen, ebenso wie vollkommen surreale Filmszenen. Von amüsant bis absurd war da einiges geboten. Trotzdem waren die gezeigten Beispiele eher harmlos, fast schon jugendfrei.

Das Buch habe ich noch nicht gelesen. Es ist eher ein Nachschlagewerk, versammelt aber auch Interviews mit Dave Friedman, Eduardo Cemano, Howard Ziehm, Zachary Youngblood, Zebedy Colt, Annette Haven, Ann Perry-Rhine, Jamie Gillis, Bill Margold, John Seeman und Veronica Hart. Alles Namen, die ich bislang nicht kannte. Und ein gewisser Arzt namens Dirk Felsenheimer aka Bela B. hat das Vorwort geschrieben. Und Bilder sind auch abgedruckt in diesem Hardcore Hardcover Buch!

Christian Keßler ist weiterhin auf „Lese“-Tour. Ich kann nur empfehlen, diese Gelegenheit, eine vollkommen neue alte Filmwelt kennenzulernen, wahrzunehmen. So ein Abend ist nicht nur lehrreich, sondern auch sehr amüsant. Die Widmung,  die der Autor in mein Exemplar schrieb, gilt auch für Euch: „Viel Spaß beim Erkunden der wundervollen Sümpfe von Pornesien!“.

Weitere Termine:

17. März 2011, Kultursalon Roderich, Berlin
18. März 2011, Ilses Erika, Leipzig
24. März 2011, King Georg Klubbar, Köln
09. April 2011, Folge Eins, Wien
10. April 2011, Werkstattkino, München
29. Juni 2011, Initiative Bielefelder Subkultur e.V., Bielefeld

Näheres & weiteres siehe: www.martin-schmitz-verlag.de/Termine

Das Buch kann man direkt beim Verlag bestellen:
www.martin-schmitz-verlag.de