Posts Tagged ‘Kriminalroman’

Ernst macht ernst

November 24, 2013

aalglattueberleichen

Christian Keßler – Aalglatt über Leichen
(Martin Schmitz Verlag, 270 Seiten, ISBN 978-3-927795-64-8)

Der Kommissar geht um in der Hansestadt Bremen. Leichen pflastern seinen Weg – Ehegattensplitting, ein toter Flamingo und ein abgetrennter Penis unbekannter Herkunft und vieles mehr gehören zu seinem Tagesgeschäft. Kommissar Alexander Ernst, geboren in Bremen, lange im Ruhrpott und jetzt wieder in seiner nordischen Heimat tätig, ist Vollblutpolizist, immer im Einsatz, teilt manchmal mit den Fäusten aus, hat eine Abneigung gegen Schmuddelkram, wohnt zusammen mit Fisch und Katz‘ und manchmal ist er auch ein hoffnungsloser Romantiker.

Der Haupt-Fall in diesem Roman – der Mord an einem Friseur – scheint anfangs keine große Sache zu sein. Durchaus originell die Tatwaffe: ein Aal. Im Lauf seiner kriminalistischen Arbeit ermittelt Kommissar Ernst nicht nur in scheinbar hochkulturellen, adligen Kreisen, sondern auch im Untergrund der Pornoindustrie. Autor Christian Keßler kennt sich mit solchen Filmen aus, schließlich hat er bereits das Machwerk „Die läufige Leinwand“ verfaßt (ebenfalls im renommierten Martin Schmitz Verlag erschienen). Und er scheut nicht von der Unverschämtheit zurück, sich selbst einen Cameo-Auftritt à la Hitchcock in diesem seinen ersten Kriminalroman zu verschaffen – als kesslerallender äh kellerasselnder Film-Nerd. Sehr lustig.

Leider wird der echte Mörder trotz Ernst nicht überführt. Nur der Leser weiß dank einer kleinen, harmlosen Rahmengeschichte, wer der Mörder mit dem Aal war. Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, ich möchte ja nicht die Lektüre an diesem empfehlenswerten Buch vermiesen.

Auf die Fortsetzung dieses Regional-Krimis bin ich gespannt. Der zweite Teil soll schon in Arbeit sein, ein dritter wird vermutlich folgen. Nur her damit!

Das Buch kann man sich durchaus gerne direkt beim Verlag bestellen:
www.martin-schmitz-verlag.de

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Krimi-Baukasten

Januar 6, 2012

Okay, ich geb‘s ja zu, ich schaue viel zu viele (minderwertige) TV-Krimis. Hier habe ich nun ein paar Regeln zusammen getragen, die zwingend zu beachten sind, wenn man einen jener normierten, standardisierten Krimis schreiben möchte.

1)  Ohne Leiche kein Krimi – spätestens mach drei Minuten muss ein Toter gefunden werden, sonst meutert das Publikum.

2) Die Leiche hat immer Ausweis und riesige Mengen Bargeld oder Wertsachen bei sich – wäre ja sonst nur ein schnöder, zufälliger Raubmord ohne weitere Verwicklungen und so.

3) Natürlich wird beim Toten auch immer ein Telefon gefunden, auf dessen Mailbox verdächtige letzte Anrufe abzuhören sind.

4) Toll wäre, wenn einzelne Ermittler schon am Tatort sein könnten, bevor überhaupt ein Verbrechen verübt wird. Das macht die Story kompakter. Und man ist schon mal im Bild.

5) Persönliche Beziehungen der Ermittler zu Opfern und /  oder / aber Verdächtigen sind auch immer gerne gesehen. Bietet dies doch Gelegenheit für Irrungen und Wirrungen.

6) Hat ein Gesetzeshüter deutliche Sympathien oder gar eine amoröse Affäre mit einem der Verdächtigen kann man mit 87%-iger Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dieser nicht nur verdächtigt sondern am Ende auch wirklich der Täter ist.

7) Schön sind auch immer Konflikte mit LKA oder BKA, die dem rechtschaffenden, kleinen Kriminalbeamten den Fall aus nicht ersichtlichen Gründen entziehen. Natürlich löst anschließend die Kripo den Fall und LKA / BKA entpuppt sich als unfähiger oder sogar korrupter Haufen.

8) Natürlich kommt der redlich arbeitende Kriminalbeamte mit seinem Vorgesetzten in Konflikt, weil er angeblich irgendwie befangen ist, muss Zwangsurlaub nehmen und seine Knarre abgeben – was ihn natürlich nicht daran hindert, weiter zu ermitteln.

9) Will man einen besonders umfangreichen Krimi schreiben, fügt man noch einen weiteren Handlungsstrang in die Story ein, der nur am Rande etwas mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat. Dieser muss daher am Ende auch nicht richtig aufgelöst werden.

10) Problemkinder und -Teenager geben dem Krimi erst die Würze. Am besten sind Mißbrauchsopfer, die auf ihrem Computer brutale Baller-Games spielen.

11) Merke: Täter sind auch Opfer. Aber meistens sind Täter nur Täter. Manchmal auch Wohltäter, die ihre ach so saubere Fassade aufrecht erhalten wollen.

12) Populäre Motive: Liebe, Eifersucht und Eifersucht. Manchmal auch Beziehungsprobleme.

13) Irgendwann stecken die Ermittlungen in der Sackgasse und der Kommissar bzw. die Kommissarin sagt „Wir müssen etwas übersehen haben, wir gehen alles noch mal durch!“.

14) Gerne werden mal so Kleinigkeiten übersehen wie „Ach, der Mädchenname vom Frau Meier war ja Müller und somit ist sie ja die Schwester von…“. Konnte natürlich keiner ahnen.

15) Für etwas mehr Action darf ein SEK-Einsatz nicht fehlen. Natürlich überlassen die Kommissare nicht alles den Spezialisten und mischen sich unter die schwerbewaffneten Männer in Schutzanzügen und Helmen. Die normalen Kripo-Leute tragen selbstverständlich keine Helme, höchstens kugelsichere Westen – sie kommen ja sowieso unbeschadet aus dieser Situation wieder raus.

16) Wenn man‘s ganz spannend machen will, zaubert man am Ende einen Täter aus dem Hut, an den noch keiner gedacht hat. Diese Person war zuvor natürlich nur im Hintergrund zu sehen, hat nie etwas gesagt und wirkte immer ganz lieb und war die Höflichkeit selbst.

17) Könnte aber auch ein Unfall gewesen sein.

usw.
usf.