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Fortpflanzungssupermarkt

April 27, 2010

Ein altes Foto: Die Zimmermänner konzertierten am 15.02.1983 in Würzburg

DIE ZIMMERMÄNNER – Fortpflanzungssupermarkt
(LP / CD, Zickzack, ZZ2018, 2007)

Ich hätte ja nie im Leben einen Gedanken daran verschwendet, dass DIE ZIMMERMÄNNER jemals wieder eine Platte veröffentlichen würden. Aber genau dies ist im März 2007 geschehen. Das neue Album hört auf den Namen „Fortpflanzungssupermarkt“ – ein Titel, der natürlich an ihre erste LP „1001 Wege Sex zu machen ohne daran Spaß zu haben“ (von 1982) erinnert. Genau, DIE ZIMMERMÄNNER waren damals eine Hamburger Band um Timo Blunck und Detlef Diederichsen, die ihren deutschsprachigen Pop auf Labels wie Zickzack und Ata Tak veröffentlichten. Und 1983 sogar mal im Würzburger Kulturkeller live gespielt haben. Aber nach nur einer halben Stunde war Schluss, weil stumpfe, biertrinkende Punks die Band mit Hohlglas bewarfen. Für die waren diese Hamburger Jungs Popper, genauso schlimm wie Hubert Kah. Zu doof, diese spießige Intoleranz und Faulheit zu differenzieren! Dabei waren DIE ZIMMERMÄNNER nie eine richtige Neue Deutsche Welle-Band, sondern schon immer einfach nur an guter, geschmackvoller Popmusik interessiert – aber halt mit deutschsprachigen, durchaus originellen Texten. Und auch mal mit Bläsersätzen oder Streicherarrangements.

Anno 2007 besteht die Band fast nur noch aus Timo und Detlef – alte Schulfreunde und Gründungsmitglieder. Ab und zu tauchen auch frühere Mitmusiker auf. Darunter zum Beispiel Christian Kellersmann oder Rica Blunck, die auf der ersten Single – noch unter der Firmierung EDE & DIE ZIMMERMÄNNER – gesungen hat. „Fortpflanzungssupermarkt“, um nochmal diesen weniger super klingenden Titel des Albums zu erwähnen, mutet gottseidank nicht nostalgisch an. Die Produktion ist auf dem Stand der Zeit, das Sound-Design ‚amtlich‘ – schließlich ist Blunck im Besitz eines Tonstudios für Werbemusik. Eingängig groovt man sich von Bad Ems nach Paderborn. Singt eine Hommage auf die Schauspielerin Christiane Paul. Keine Ahnung, womit sie diese Ehre verdient hat. Ist trotzdem ein flotter Popsong. Während sich die Musik auf ordentlichem Niveau hält, gibt es so manche textlichen Aussetzer, die in den 1980er Jahren noch geschickt umschifft wurden. Trotzdem eine schöne, meist gut gelaunte Platte. Nix für Hardcore Bad Alchemisten. Eher etwas für den Mainstream der Minderheiten, der an gute Popmusik aus deutschen Landen glauben mag.

28.02.2007

(Wiederveröffentlichung; geschrieben für Bad Alchemy.
Das Foto erschien in der Erstausgabe des Fanzines Oi Oi Oi!)

Kassette sich wer kann!

April 22, 2010

Frank Apunkt Schneider:
Als die Welt noch unterging – Von Punk zu NDW
(Ventil Verlag, 2007, ISBN 3-931555-88-7)

Endlich komme ich dazu, dieses Buch zu lesen. Dessen Autor Frank Apunkt Schneider begegnete mir erstmals vor etlichen Jahren im Fanzine Der kosmische Penis als „King-Crimson-Ironiker“, dann als Mitglied der Ernst Neger Revival Band (ihr Hit: „Frauen über 30“) und der Künstlergruppe Winkelwurst sowie als Sacro-Pop-Experte, Lashcore-Cassetten-Compiler und Hörspielautor. Später schrieb er lieber für renommierte Fachmagazine wie Bad Alchemy und natürlich Testcard. Kunst macht er heutzutage unter der Wiener Dachmarke Monochrom. Er lebt, arbeitet und organisiert im oberfränkischen Bamberg.

Bei Testcard und Monochrom ist es ja durchaus üblich, als Fan an die Sachen ranzugehen, aber diese möglichst akademisch zu behandeln – oder umgekehrt. Wozu hat man schließlich irgendetwas geisteswissenschaftliches studiert?! Bei „Als die Welt noch unterging“ bekommt Apunkt aber noch ganz gut die Kurve, hier wird zwar auch manchmal wortreich diskursiert, aber der Musikfan dominiert dann doch. Eine eindeutige Definition dieser NDW kann und will Schneider nicht liefern. Vielmehr zeigt er, wie es zu diesem Begriff kam und dass es ihn womöglich auch schon vor Alfred Hilsberg gab. Um das Thema einzugrenzen schaut er nur bis etwa 1984 – Frank Apunkt Schneider war in diesem Jahr erst 15. Er bezeichnet sich selbst als „knapp Zuspätgekommener“. Was seiner Sammelwut und Sachkenntnis aber offensichtlich keinen Abbruch tut. Diese, wenn auch kurze, Distanz zum Thema tut dem Buch gut, man kann hier gottseidank keine nostalgisch verklärten Anekdoten eines ex-Mittendringewesenen lesen. Vielmehr versucht Schneider das Phänomen Punk und NDW in deutschsprachigen Landen (Österreich, Schweiz und die DDR werden ebenfalls angeschnitten) von verschiedensten Seiten her einzugrenzen. Was garnicht so einfach ist. Denn die Ränder fransen aus, sind unscharf und keineswegs eindeutig. Daher sei ihm auch verziehen, wenn Frank Apunkt in allgemeine, nicht nur für Deutschland spezifische Aspekte dieser Musikgeschichte abdriftet. Interessant ist das auf jeden Fall, auch wenn er manchmal dann doch ins Akademische verfällt und stellenweise vielleicht etwas zu viel Adorno und Horkheimer geraucht hat. Allerdings landet er während seinen Abschweifungen aber auch Seitenhiebe, die man lachend begrüßen muss. Das Schwurbeln hat er also nicht verlernt und seine Wortneuschöpfungen sind amüsant bis erstaunlich. Irgendwie ist genau dieses Diskursive das Schöne an Alcos Buch. Es wird abgeklopft was vorher, nachher, parallel so alles passierte. Und er wagt sich in den unübersichtlichen Untergrund der damaligen bundesdeutschen Kassettenszene. Diese wurde wohl in noch keinem anderen Buch über Punk und NDW so ausführlich gewürdigt. Auch wird hier die Provinz besser repräsentiert als in manch anderen Büchern zum Thema. Meist wird deutscher New Wave ja als Bewegung aus Düsseldorf, Westberlin, Hamburg und vielleicht noch Hannover und Hagen abgefeiert. Aber dass insbesondere in einzelnen Kleinstädten ein Urwuchs an Bands und Kassettentätern wucherte, wird meist vernachlässigt. Frank Apunkt Schneider versucht dies auch in der umfangreichen Disko- und Kassettografie abzubilden – was für eine Fleißarbeit! Offensichtlich hat er ein Herz für Sammler und berücksichtigt sogar die ein oder andere Phantomplatte, die zwar in der Primär-Literatur auftaucht, aber sich wohl nie materialisiert hat. Insgesamt sehr interessante, aber nicht gerade einfache Lektüre. Eher etwas für Fans der untergründigen Neuen Welle, für Leute, die es genau wissen wollen, und weniger für ich-will-spaßige NDW-Partygänger.

21.04.2010

Nicht alle durcheinander

März 31, 2010

Herpes und Fehlfarben live
(am 28.03.2010 im Uebel & Gefährlich, Hamburg)

Eigentlich wollte ich über dieses Konzert nichts schreiben. Denn im Juni 2007 hatte ich die Band schon mal am gleichen Ort gesehen und von daher waren für mich persönlich keine großen Überraschungen zu verzeichnen. Aber dann stieß ich auf einen Link zu einer Konzertkritik in der Welt und wollte meinen Augen nicht trauen. Da wurde so getan, als ob die Fehlfarben 2002 aus der Versenkung wiedererstanden wären – ein Blick in deren Diskographie hätte genügt um zu sehen, dass diese Band auch in den 1990ern in unterschiedlichen Konstellationen aktiv gar. Allerdings nicht mit so einer Schlagkraft wie jetzt. Ganz toll in diesem Artikel war auch die Behauptung, dass der Ansturm auf die Bar während der neuen Lieder deutlich größer gewesen wäre als bei den alten Hits (oder so ähnlich – ich werde mir jetzt diesen Artikel nicht heraussuchen um daraus zu zitieren). Das ist so eine abgehangene Floskel, die gerne genommen wird, wenn der Schreiberling irgendetwas nicht mag. Das mit dem Ansturm auf die Bar habe ich nicht beobachtet, denn ich stand vorne und was da hinten am Tresen abging war mir herzlich egal. Soweit zum Thema Qualitätsjournalismus.

Die Fehlfarben haben jedenfalls ordentlich gerockt an diesem Abend. Der offizielle Set wurde jeweils mit einem Song aus ihrem neuen Album begonnen und beendet. Zwischen „Glücksmaschinen“ und „Wir warten“ gab es eine bunte Mischung aus ganz alten, brandneuen und nicht mehr ganz so neuen Songs. Anschließend das Ritual mit den Zugaben und ca. fünf (?) weiteren Titeln. Natürlich wurden auch Hits wie „Paul ist tot“ und sogar „Ein Jahr (Es geht voran)“ gespielt – obwohl Peter Hein das Lied vor 30 Jahren nicht besonders mochte. Auch Liedgut, das damals ohne ihn entstand, wie „Die Wilde 13“ wurde dargeboten („… jetzt ’ne Coverversion…“). Schade, dass die launigen Ansagen von Peter Hein im Schlagzeuggewitter manchmal etwas untergingen. Die Band hat das Konzert natürlich profimäßig durchgezogen.

Für die Show wurden extra Klamotten gefertigt, die mit Farben gestaltet und beschriftet waren, die im Schwarzlicht extra grell leuchten. Gitarrist Uwe Jahnke mit seiner weißen Schlaghose schoss dabei den Vögel ab. Auch an Gerätschaften wurden Akzente mit Leuchtfarbe gesetzt. Und das Motto des Tages war am Podest unter dem Schlagzeug zu lesen: „Nicht alle durcheinander“. Auf dem Blog der Fehlfarben wird erklärt, was es mit diesem Spruch auf sich hat: er stammt ”von einer Kellnerin, die uns bediente und wir gerade mal alle schwiegen“.

Wer früh genug da war konnte noch eine hervorragende Vorgruppe erleben: Herpes, eine junge Band, anscheinend aus Berlin, die angenehm ungestylet (schreibt man das so?) und mit nervöser Energie daherkam. Fünf Leute an Schlagzeug, Bass, Gitarre, Keyboards (die Frau könnte meinetwegen auch bei Aavikko einsteigen) und Mikrophon. Deutschsprachige Texte, kurze Songs. Klasse!

31.03.2010

I Wanna Be A Mama

März 27, 2010

Stereo Total – Baby Ouh!
(LP, Disko B / Indigo, 2010)

Okay, es gibt eine neue Platte dieser Rockgruppe aus Berlin; 16 bis 17 neue Songs im guten alten Stereo Total-Sound. Das ist erstmal nicht so ungewöhnlich und man ist dazu bereit diese Platte vorab schonmal unter „just another Stereo Total record“ abzuheften. Aber dann schaffen Brezel Göring und Françoise Cactus wiedermal zu überzeugen, indem sie Referenzen aufzeigen, die dem Party-Charakter ihrer Musik scheinbar widersprechen, oder indem sie einfach ein paar Klassiker der Pop-Geschichte erfrischend aufarbeiten. Auf der B-Seite covern sie gleich drei Titel in Reihe. Zuerst „Wenn ich ein Junge wär“, ein Lied das durch die Nina Hagen Band bekannt gemacht und schon 1963 von Rita Pavone gesungen wurde. Auch der „Radio Song“ von Udo Lindenberg, in dem so rührend-unmoderne Vokabeln wie „Radio“ oder „Plattencompany“ vorkommen, muss daran glauben. Der Hammer ist allerdings die grelle Einlage von Der Grindchor (Das Original Oberkreuzberger Nasenflötenorchester) – spielt da nicht auch Thomas Kapielski mit? – auf „Tour de France“! Ehrfürchtiger Respekt sieht gottseidank anders aus. Der Song „No Controles“ darf einem ruhig spanisch vorkommen, aber so richtig interessant ist eher die Übertragung des Liedes „Voy A Ser Mama“ (Fans kennen beide Songs bereits vom Album „No Controles“) von Almodovar y McNamara aus den frühen 1980er Jahren vom Spanischen ins Englische. War da wirklich Pedro Almodovar mit im Spiel? Kein Wunder bei dem Thema. Wolfgang Müller (ex Die Tödliche Doris) durfte auch wieder textlich etwas beisteuern: „Du bist gut zu Vögeln“ darf zwar vom Partyvolk eindeutig zweideutig und somit für echt lustig gefunden werden – aber Müller ist wirklich an Vögeln interessiert, rein ornithologisch gesehen! Von ihm gibt es ein Blaumeisen-Buch und er hat auch schon mal eine Schallplatte mit Fledermäusen gemacht, aber das gehört nicht hierher. Ansonsten ist „Baby Ouh!“ wieder eine gute Ansammlung von Songs in deutscher, spanischer, englischer und französischer Sprache im treschicen Sequenzer-meets-Rockabilly-Schlagzeug-Sound. Klar, dass da Andy Warhol und Divine auch noch eine Rolle spielen dürfen. Sehr amüsant, das Ganze!

Hier noch eine Non-Album-Kurzversion von “ Wenn ich ein Junge wär“, wie sie im Sommer 2009 im TV zu sehen war:

27.03.2010

Kebabträume heute nicht

Februar 10, 2010

D.A.F. live am 27.02.2009 im Uebel & Gefährlich, Hamburg

Nachdem wir gegenüber dem Hochbunker am Heiligengeistfeld noch einen Falafel verspeist hatten, betraten wir früh am Abend – und nach einer kurzen Fahrt mit dem Aufzug – das Uebel & Gefährlich. Die Vorgruppe spielte bereits: Leichtmatrose bot leichten Gothic Electro Pop dar – mit deutschsprachigen Texten. Wobei Worte wie „Trauer“ und „Melancholie“ auf die Leinwand geworfen wurden. Aber düster war das gar nicht. Wobei mich so manch unfreiwillig komischer Reim sogar zum Lachen brachte. Die elektronische Klangspur wurde wohl eingespielt, Gitarre, Schlagzeug und Gesang – es war auch noch eine Backgroundsängerin mit von der Partie – waren live. Am Ende gab es wenig Zuspruch – Vorgruppe zu sein ist halt immer ein Scheissjob und „Leichtmatrosen haben’s schwer“.

Dann kam die Deutsch Amerikanische Freundschaft im Dunkeln auf die Bühne. Als erster Robert Görl mit einem Silberling, welchen er mit ausgestrecktem Arm dem Publikum präsentierte und anschließend in den Player einlegte. Statt damals Kassetten werden heute CDs als Abspielgeräte für das elektronische Playback verwendet – dazu wird live geschlagzeugert und gesungen. Wobei Gabis Stimme nicht so toll in Form war. Auch bei den „romantischeren“ Liedern gab er eher ein Shouten von sich. Hat er sich etwa bei seinen Techno-Ausflügen mit Daf Dos seine Stimme versaut? Als erster Track wurde der Titel „Gewalt“ eingespielt (nur der elektronische Teil dieses Frühwerkes) – der passende Soundtrack für den Auftritt von Gabi Delgado-López, der mit einem leichten, selbstsicheren Grinsen auf dem Gesicht die Bühne betrat.
Zuerst gab es mit „Verschwende deine Jugend“ noch einen frühen Titel. Mit ihrem 1980er Hit  „Der Mussolini“ brachte D.A.F. die Menge zum Toben. Das Publikum war vom Alter her sehr gemischt. Da gab es viele, die Robert und Gabi wohl noch von früher kennen. Aber auch junge Gesichter waren zu sehen. Gespielt wurden neben Frühwerken und fast allen Songs ihrer dritten LP „Alles ist gut“ (und der darauf folgenden) auch Songs ihrer Reunion-Platte „15 neue DAF Lieder“ aus dem Jahr 2003. Wobei gerade bei den Spätwerken schon mal Sachen dabei waren, die man besser nicht kennenlernen wollte. Einmal gab es auch einen Mash Up: zur Musik eines Track von „Die Kleinen und die Bösen“ (?) sang Gabi „Sex unter Wasser“.
Nach 60 Minuten war Schluss. Ungefähr vier Zugaben wurden dargeboten, zu jeder einzelnen ließen sich die Herren bitten. Wieder wurden CDs ein- und danach losgelegt. Statt „Kebabträume“ wurde noch mal „Der Mussolini“ zum Austoben vorgespielt. Vielleicht hätte ich vor dem Konzert keinen Falafel essen sollen?

(Wiederveröffentlichung – geschrieben am 03.03.2009 und bereits andernorts in diesem Netz veröffentlicht).

Über: Alles nur geträumt

Januar 11, 2010

Hollow Skai:
Alles nur geträumt – Fluch und Segen der Neuen Deutschen Welle
(Hannibal / Koch)

Hollow Skai kennt man von früher. Zumindest vom Hörensagen. Damals in den frühesten 1980er Jahren hat er das No Fun-Label in Hannover betrieben (kollektiv mit Leuten u.a. von Hans-á-Plast) und somit den Aufstieg und Fall von Punk und New Wave aus deutschen Landen hautnah als Zeitzeuge erlebt. Davon erzählt er in seinem im Jahr des Herren 2009 bei Hannibal erschienenen Buch „Alles nur geträumt – Fluch und Segen der Neuen Deutschen Welle“. Er erzählt von den ersten deutschen Retorten-Punk-Bands und dem Düsseldorfer, Berliner, Hamburger und Hannoveraner Untergrund, aber auch von ein paar wenigen Bands in der Provinz. Er weiß zwischen New Wave, Neue Welle und Neue Deutsche Welle / NDW zu differenzieren. Und er hat das Insider-Wissen eines zu jener Zeit aktiven – alternativen – Geschäftsmannes um zu erklären, warum damals kleine Vertriebe eingingen und einzelne Bands zu den großen Kompanien wechselten. Und dann ist da noch die Geschichte von den altgedienten Profi-Musikern, die auf den „Die neue Welle zur Frikadelle“-Zug aufsprangen. Das ganze liest sich flott und unterhaltsam. Das einzige, was mich an diesem Buch stört ist, dass Hollow Skai dann manchmal doch etwas hudelt. Da behauptet er auf Seite 55, dass auf dem zweiten Album von Der Plan „beschwingte kleine Single-Hits wie ‚Da vorne steht ’ne Ampel'“ enthalten seien – meines Wissens wurde dieses Lied damals wirklich nur als 7″ veröffentlicht. Auf meiner „Normalette Surprise“-Vinyl-Ausgabe sucht man dieses Stück jedenfalls vergeblich. Und dass in der Auswahldiskographie im Anhang das Label Ata Tak konsequent falsch als Warning Records – dessen allererste Wuppertaler Inkarnation – erscheint, finde ich auch etwas befremdlich. Ebenfalls seltsam: dem Autor scheint eine Band, die ich bis dato erfolgreich versucht habe zu ignorieren, doch irgendwie sympathisch zu sein: Extrabreit. Der Roman „Hart wie Marmelade“ von deren Sänger Kai Havaii wird sogar besonders gelobt – während das Buch „AnarchoShnitzel schrieen sie“ von Oliver Maria Schmitt (Die Partei, ex Titanic Magazin) beherzt verrissen wird. Rührend, wie ernst Skai den teilweise etwas pubertär daher kommenden Satiriker Schmitt nimmt. Na dann werde ich mir wohl den Roman von Herrn Havaii mal antiquarisch besorgen und zu Gemüte führen müssen.

Ohne Bezug zu diesem Buch möchte ich Hollow Skai und seinen Mitstreitern bei No Fun Records danken für Langspielplatten von Bands wie Hans-á-Plast, Der Moderne Man,  Mythen In Tüten, 39 Clocks sowie Bärchen und die Milchbubis!

(18.12.2009)