Posts Tagged ‘Oi Oi Oi!’

Verschwundene Lokalitäten (5)

Januar 16, 2012

atahk
(Dominikanergasse 7, Würzburg)

Anfang der 1980er Jahre gegründeter Plattenladen, aus dem das Label und Versandhaus Recommended No Man’s Land entstand. Nach ein paar Jahren wurde der Laden nicht mehr öffentlich betrieben und diente nur noch als Büro für Label und Versand. Beides wurde 1996 nach Berlin verkauft.

Die oben abgebildete Anzeige stammt aus der im April/Mai 1983 erschienenen Erstausgabe des Würzburger Fanzines Oi! Oi! Oi! (später 10.15 bzw. 10.16 Megazine).

Verschwundene Lokalitäten (4)

Januar 16, 2012

AKW
Autonomes Kulturzentrum Würzburg
(1982 bis 2009, anfangs Martin-Luther-Straße 4,
später Frankfurter Straße 87)

Heute zufällig in einer Schublade gefunden:
Diese Pfandmarke aus dem „neuen“ AKW.

Unten ist noch eine Anzeige des „alten“ AKW zu sehen, also vor dem Umzug in die Zellerau, aus der 1985 erschienenen fünften Ausgabe des 10.15 Megazine.

Hollow Punk

Dezember 5, 2011

Hollow Skai:
Punk – Versuch der künstlerischen Realisierung einer neuen Lebenshaltung.
(Sounds-Buch)

Schon 1980 versuchte Hollow Skai in diesem Buch etwas von dem Drive des Punk für die Nachwelt festzuhalten. So spricht Hollow quasi aus den Herzen der Scene, und wenn man es nicht zweimal liest, glaubt man es nicht: Es war seine Magisterarbeit, in der er (wissenschaftlich-) analysierende Prosa mit dem LayOut eines Fanzines verband und den eigentl. Punk als Ausbruch aus der Langweile Mitte der 70er charakterisierte.

Gleich zu Anfang des Buches zerstört Hollow Skai jede Hoffnung auf ein ‚Happy End‘. Sämtliche Thesen zur Festlegung des Begriffs ‚Punk‘ werden über den Haufen geworfen, um am Ende zu dem Schluß zu kommen, Punk sei immer mehr als… . Seine Festlegung bedeute seinen Tod. Daher jedoch erörtert Hollow von den SEX PISTOLS in England über Fanzines, etc. bis zu Art Attaks in Amerika, alles was irgendwie mit Punk zusammenhängt. Dies geschieht in umfangreicher Form, ist wegen des abwechslungsreichen Schreibstils aber nie ermüdent. Auch die Reaktion der öffentlichen Presse kommt in vielen eingefügten Original-Artikeln nicht zu kurz und wirkt bisweilen grotesk bis erheiternd. Besonders gut gefallen mir die Artikel über Fanzines und der Anhang „Der destruktive Charakter“ in dem nocheinmal sämtliche (polit.) Schablonen zerstört werden und der Mensch und seine Kultur als einziges übrig bleibt.

Kein Buch über Punk, sondern ein Buch der Punk-Scene für Leute, die’s nicht (von Anfang an) miterlebt haben und es trotzdem ‚verstehen‘ wollen. Aber natürlich auch für andere.

Erhältlich leider nur noch in der Stadtbücherei; dort aber im ‚Sonderangebot‘: Entweder kostenlos (nicht weitersagen!!) oder für 13,20 dm (66 Verkleinerungen).

cl.g.

Dieser Text stammt aus dem 4. Heft des Würzburger Fanzines Oi Oi Oi! (später 10.15 bzw. 10.16 Megazine), erschienen im Juli 1984.
Autor: Claus-Georg Pleyer

Cassettentäter: Markus

Dezember 5, 2011

Oben abgebildete Seite stammt aus der Sonderausgabe des 10.15 Megazine (Edit 7), die parallel zum Cassetten-Sampler „Saturday Night Favourites“ (Klappstuhl Records / Zu Viel Cassetten, 1986) erschien.

Hier war Markus mit dem Titel „Dark Room“ vertreten. Auf seinem eigenen Label Einsame Kultur Erzeuger veröffentlichte er die beiden Tapes „Solo 1982-1983“ (1984) und „Filmmusik 1“ (1985)

Damals lebte er in Osnabrück, heute wohl in Berlin.

Abschrift:

„markus ( geb. 1962 ) kann aus allem Musik machen, was er in die Finger kriegt. Manchmal leiht er sich auch ganz normale Instrumente, und wenn dann noch eine so gute Sängerin wie Hurwineck dazukommt, entsteht so was wie „Dark Room“.
Eigentlich ist das ein Stück Filmmusik, zum „Zebrastreifer“ von Hanno Nehring.
Ansonsten versammelt markus unter seinem Label EINSAME KULTURERZEUGER diverse seltsame Musik, einzige Gemeinsamkeit ist, daß alles nur auf Cassette produziert wird. Wenn er keine Musik macht, so macht er gerade Filme oder Comix oder Fanzines oder Fotos oder rast auf seinem Fahrrad durch Osnabrück.“

(Autor unbekannt)

Lorenz Lorenz in Interview

Juni 21, 2010

Das DHT-project-Interview mit

Lorenz Lorenz

Der durch seinen Fernsehauftritt bekannt gewordene Entertainer wurde schon oftmals von verschiedenen Journalisten interviewt, die ihn, wie er meint, bald mal am…. können. Deshalb ist es erfreulich, daß Lorenz Lorenz dem DHT-project die Gelegenheit gab, in sein Innerstes einzudringen, nämlich in sich selbst.

DHT : Nun, zuerstmal würde uns interessieren, wie Du nun wirklich heißt?

L.L. : Lorenz

DHT : Und weiter?

L.L. : Lorenz

DHT : Aha. Welche Absicht verfolgst Du?

L.L. : Meine Absicht ist ein Chaos-Entertainment.

DHT : Ein paar grundsätzliche Fragen: Ist das eigentlich dein Hauptberuf?

L.L. : Nein, nebenberuflich arbeite ich in einer Druckerei.

DHT : Um auf Deine Füße zu kommen: Was hast Du für eine Schuhgröße?

L.L. : 41

DHT : Und deine körperliche?

L.L. : 1,80m

DHT : Augenfarbe:

L.L. : braun

(Diese Fragen wurden mit Rücksicht auf den Verfassungsschutz gestellt)

DHT : Rasierst Du dich naß oder elektrisch?

L.L. : Ich bin Naßrasierer.

DHT : Welche Hobbies hast Du?

L.L. : Ich habe Postkarten gesammelt.  Die sind aber leider alle verschimmelt. Besonders habe ich mich auf Karten aus dem ersten Weltkrieg spezialisiert. Davon habe ich dann aber die Finger gelassen, weil ich nur eine einzige hatte.

DHT : Sehr interessant.

L.L. : Ja, eben.

DHT : Hast Du irgendein Lieblingsgetränk?

L.L. (langes Überlegen) : Bananensaft? Nein! Ich weiß nicht. Aber das von meinem kleinen Bruder ist Blue Curacao mit Orangensaft.

DHT : Um auf die Kunst zurückzukommen: Welche Instrumente spielst Du?

L.L. : In letzter Zeit fast nur noch Gitarre.

DHT : Wovon handelt Dein Buch? (Gesammelte Kurzgeschichten im Eigenverlag. Zu haben bei Du Bist So Gut Zu Mir Cassetten & Zeitvertreib / Molto Menz, Gravelottstr. 3, 8000 München 80 oder auch im Atahk; kostet so 6 Mark).

L.L. : Es handelt von der Trivialität des Lebens, es ist ja alles dasselbe.

DHT : Welche Projekte schweben dir in Zukunft vor?

L.L. : Ich will einen Entwicklungsroman schreiben, der Elemente aus Ulysses und den Buddenbrocks enthält. Es soll eine moderne Version werden.

DHT : Wie willst Du eigentlich noch bekannter werden?

L.L. : Bekannter? Ich möchte endlich mal unerkannt U-Bahn fahren.

DHT : Was sagst Du dazu, daß Du von so vielen Blättern in die Dilettanten-Szene eingeordnet wirst?

L.L. (aufrasend) : Völlig zu unrecht!! Ich bin geradezu empört darüber!

DHT : Was willst Du in nächster Zeit machen?

L.L. : Ich bereite mich für die Aufnahmeprüfung in eine Journalisten-Schule vor. Das ist exklusiv!

DHT : Danke für den Hinweis. Wie stehst Du zu  Hippies?

L.L. : Ich habe viel Mitleid mit ihnen. Es sind arme Menschen.

DHT : Abschließend noch eine Frage: Was hältst Du von der sog. neuen deutschen Welle?

L.L. : Oh! Nunja, einerseits – andererseits.

DHT : Vielen Dank für das sehr informative Interview.

In seiner anschließenden Performance zeigte Lorenz Lorenz sein vielseitiges Können, das ihn so auszeichnet.
Er sang ein Liebeslied mit gezielt politischer Agitation, imitierte Adolf Hitler und philosophierte über den Untergang der 6. Armee bei Stalingrad, brachte die innerdeutschen Beziehungen ins Spiel: „Honecker in Cambodia“ und kommentierte einen Super-8-Film aus Dänemark mit seinen politischen Attacken.

DHT-project

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Editorische Notizen:

Dieses Interview führte der Autor DHT-project anlässlich eines Gastspiels von Lorenz Lorenz im Würzburger Kulturkeller (aka die Burse) und erschien im April 1983 in der Erstausgabe des Fanzines Oi Oi Oi!.

Der oben erwähnte Fernsehauftritt fand wohl in „Dreiklangsdimensionen. Eine deutsche Musikrevue“ (1981) statt. Bilder davon gibt es auch auf Youtube zu sehen – aber schwachsinnigerweise ohne Ton. Das hat bestimmt nicht nachvollziehbare copyrighttechnische Gründe.

Der oder das oben erwähnte Atahk war ein Würzburger Plattenladen für eher abseitige bis experimentelle Musik. Die gleichen Leute betrieben in der Dominikanergasse auch einen entsprechenden Versandhandel sowie Plattenfirmen wie Recommended No Man’s Land, Review Records oder Bad Alchemy (Fanzine und Label).

Schlimm. Schlimm?

Mai 20, 2010

Ein Interview mit DIE ZIMMERMÄNNER

(zwei Seiten aus Oi Oi Oi! Nr. 1 vom April 1983)

Die zukünftige Entwicklung der Musikindustrie

April 14, 2010

Hier nun ein Text nicht von mir sondern von Edi Roger!
Dieser Artikel entstand 1989/90, also in einer Zeit vor Durchbruch von CD-R und Internet! Trotzdem interessant, was Edi hier schrieb. Vor allem sein Fazit am Ende des Textes kann man immernoch als gültig erachten.

Text: Edi Roger
aus: 10.16 Megazine XIII, erschienen Anfang 1990
(reissued without kind permission of Edition Roger, Westberlin)

Schwefel

April 9, 2010

Wiederveröffentlichung aus 10.16 Megazine 12, 01/1989:

Norbert Schwefel in Interview

Schwefel alias Norbert Schwefel wird inzwischen als zukünftiges Teenie-Idol der Independent-Szene (scheußlicher Begriff!) hochstilisiert. Mit seinem neuen, rockigen Album hat er auch die Chance, einigermaßen viele Platten verkaufen zu können, was durch seine Tour im Winter 88/89 wohl auch kräftig unterstützt wurde. Vor seiner Tournee durch den deutschsprachigen Raum hatten wir Gelegenheit, bei Weißbrot und Sekt (Schwefel’s alkoholischem Lieblingsgetränk) der Marke Oppmann ein nettes Plauderstündchen mit dem zukünftigen Star aus Mannheim zu verbringen. Dabei fing bei Norbert alles so harmlos an:

„Irgendwann kam ein Freund zu mir und meinte, daß er Gitarre spielen lernen will. Darauf antwortete ich ‚O.K., ich will das auch lernen‘ und bin zu meiner Mutter und hab gesagt, daß ich eine Gitarre haben will. Dann sagte sie: ‚Oh gut, kannst eine Gitarre haben‘. Einen Tag später kommt der Typ wieder und meint – er hat nämlich keine gekriegt – ‚Ich mach des doch nicht, hab keine Lust mehr‘. Und dann hatte ich natürlich auch keine Lust mehr, mußte es aber lernen, weil ich eine Gitarre bekommen hatte. Naja, so hat’s eben angefangen.
Dann hab ich auch früh (mit 14/15) eigene Musik gemacht und die erste richtige Band, mit der wir Auftritte gemacht haben, hatten wir zur NDW-Zeit. …
Und da war auch das Problem: Bei einer Band sind z.B. vier Leute und diese vier Leute müssen irgendwie zusammenbleiben und einer ist auf den anderen angewiesen und meistens klappt das halt nicht so. Die Musik, die ich machen wollte, ging meistens nicht mit einer Band und dann hab ich mir halt gedacht, daß ich mit dem Scheiß aufhöre und alleine was mache. Und so hab ich irgendwann angefangen, fast ganz alleine Cassetten zu machen. Dann bin ich irgendwann zu dem Saxophonisten Martin Buchholz gestoßen und zu Mirko Krüger (vom Amigo-Label). Und dann haben wir zu zweit, Martin und ich, die erste Platte ‚Schizophrenic Party‘ gemacht.“

Die ‚Schizophrenic Party‘ geht in fünf Stücken ab, in denen Schwefel Elemente der 70er und 80er Jahre verbindet und eine eigene, gelungene Mischung aus Rock, Jagger, Bauhaus, Punk und Pop kreiert und den Hörer außerdem noch mit herrlichen Gitarrensounds und passenden Rhythmus- und Synthlinien erfreut. Und Martin Buchholz veredelt mit seiner Klarinette und seinem Saxophon diese fünf Songs zu wahren Pop-Perlen. Aber woher ist eigentlich der Text von ‚This Is For‘, der ist doch wortwörtlich von einem Bauhaus-Cover geklaut?!

„Ja, so isses.“

Und warum hast Du das nicht angegeben?

„Och, das war glaub ich irgendwie nicht nötig, denn Du kriegst ja Gemagebühren dafür, wenn du ihn als eigenen Text angibst…. Das ist halt so eine Sache. Bei ‚Schizophrenic Party‘ waren die Texte für mich noch nicht so wichtig. Ich hab das gelesen, fand es geil, da machst mal was draus. Der Text ‚Metropolis‘ war eigentlich auch nicht von mir, den habe ich zusammen mit einer Frau gemacht. Mit der Zeit kommst du halt ‚rein in die Sache und jetzt werden die Texte auch immer wichtiger für meine Musik, seit ‚Champagne Champagne And The Golden Rain‘ und ‚Hot In Hong Kong‘.“

‚Metropolis‘ war Schwefels zweite Mini-LP, die im Vergleich zum Vorgänger etwas düsterer ausgefallen ist, was gerade zu dem vom gleichnamigen Film inspirierten Titel-Track recht gut paßt, der sechs Minuten lang durch die Großstadt groovt, vorbei an futuristischen Sehenswürdigkeiten. Auf der B-Seite findet sich neben einer Coverversion des T.Rex-Songs ‚Visions Of Domino‘, die außer dem Gitarrenriff recht wenig an Marc Bolan erinnert, auch noch ein getrageneres Liebeslied mit schönen Akkordeonklängen.
‚Champagne Champagne And The Golden Rain‘ ist schließlich Schwefels popigstes Werk, auf dem auch wieder stärker Saxophon eingesetzt wird, nachdem auf ‚Metropolis‘ etwas sparsamer umgegangen wurde. Jedesmal ist anders und seine im Oktober 1988 erschienene erste Langspielplatte ist wesentlich rockiger als seine drei vorherigen Minis/Maxis zusammen, was einfach daran liegt, daß sie mit der Band eingespielt wurde, mit der Norbert Schwefel dann auch auf Tournee ging.

„Wir spielen jetzt schon seit zirka einem Jahr zusammen. Ich mach die Songs, Text, Harmonien und alles, spiele der Band das vor und dann versuchen wir, es zusammen zu arrangieren. Das ist unheimlich schwierig. Die drei ersten Platten hab ich halt fast alleine gemacht und wenn du dann eine Band suchst, die jedes Teil, das du gespielt hast, nachspielt, geht das meistens in die Hose. Und jetzt haben wir probiert, daß wir einfach erst die Band hatten und live zusammen arrangiert und versucht haben, es so wie wir es spielen auch auf Platte zu kriegen. Und so können wir auf der Tour dementsprechend spielen, wie die ‚Hot In Hong Kong‘ klingt.“

Und willst Du in Zukunft weiter in diese Rock-Richtung gehen?

„Ich kann mir nicht vorstellen, wenn die ‚Hot In Hong Kong‘ ein Mordserfolg wäre, jetzt drei ‚Hot In Hong Kong‘-LP zu machen. Ich bin eigentlich ein Typ, der gern viele verschiedene Instrumente einsetzt, immer wieder mal was anderes. Ich kann mir schon vorstellen, daß die nächste Platte vom Arrangement her wieder ganz anders aussieht, vielleicht mit afrikanischen Trommeln oder so ähnlich. Aber darüber habe ich mir noch keine allzu großen Gedanken gemacht.“

Das Saxophon-Riff auf ‚Secret Eyes, Silver Moon‘ erinnert an die Titelmelodie von Raumschiff Orion………

„Das isses auch. Das war so eine Idee, diese Titelmelodie in ein Uptempo-Stück einzuflechten. Man darf das alles nicht so ernst nehmen. Es gibt Bands, die sehen das unheimlich verbissen; aber bei mir muß es immer irgendwie auch ein bißchen locker und lustig sein – wenn man so ernsthaft und verbissen ist, wirkt das oftmals aufgesetzt.“

Willst Du von Deiner Musik leben, wenn Du schon so viel Zeit investierst?

„Klar, auf jeden Fall. Ich leb ja eigentlich jetzt schon davon – aber nur schlecht, weil ich nichts anderes außer Musik mache. Ich mache keine Jobs mehr, ich hab absolut die Schnauze voll davon. Ich hab sechs Jahre als Gärtner gearbeitet; das hat mich irgendwie frustriert und hab dann einfach damit aufgehört. Ich hab’s immer gesehen: andere haben auch nicht gearbeitet und irgendwie leben die immer noch. Du brauchst einfach mal Mut dazu.“

Kümmerst Du dich eigentlich um Politik?

„Ich bin ein absolut unpolitischer Mensch; ich interessiere mich nicht dafür, wir stellen’s immer ab. Ich mach’s auch nicht in meinen Texten, ich kann’s einfach nicht ab. Ich lebe irgendwo in einer (Phantasie-) Welt, die absolut unpolitisch ist. Das törnt mich immer ab, wenn ich das sehe.“

Singst Du deswegen auch Englisch?

„Nein, das hat damit nichts zu tun. Als ich so 10 Jahre alt war, da war ich ein absoluter Karussell- Fan und habe mir aus irgendwelchem Kram, Sesseln ein Karussell gebaut. Und dazu mußte ich auch immer den entsprechenden Sound kriegen und hab dann Langwelle im Radio eingestellt und da kam immer so englische Musik und das hat mich so angemacht. Dann hab ich auch angefangen zu singen; es war zwar kein Englisch, aber es hat so geklungen. Und so bin ich einfach damit aufgewachsen. Ich könnte mir zwar vorstellen, deutsche Texte zu schreiben, aber ich kann mir nicht vorstellen, sie zu singen.“

Welche Musik hörst Du eigentlich?

„T.Rex, Alan Vega, Suicide, Bryan Ferry, Prince. In der Independent Szene gefällt mir nur noch ganz wenig und ich interessiere mich auch gar nicht mehr so stark dafür. Wenn dann mal eine neue Prince- oder Bryan Ferry-Platte rauskommt, fahr ich darauf ziemlich ab.“

Und was hältst Du von Deinem Label-Kollegen Turkish Delight?

„Ich find es total hart, es kommt genau zur richtigen Zeit: Ofra Haza und so. Und er macht das halt jetzt im Independentbereich. Ich find es auf jeden Fall nicht schlecht, aber es fällt mit schwer, es wirklich zu hören. Bei der ersten Platte find ich das erste Stück spitze, das geht total geil los und dann flacht es teilweise in Lärm ab. Bei der neuen Maxi ist das ähnlich. Es ist halt ‚was vollkommen anderes. Er mag z.B. auch meine Musik überhaupt nicht und findet das total ätzend.“

Ja. Und sonst, gibt’s noch ‚was…?

„Ach ja! Ach ja! Die neue Schwefel-LP kommt auch als Compactdisc heraus mit wahrscheinlich zwei Bonustracks aus der ‚Champagne Champagne And The Golden Rain‘ – Zeit. Das eine Stück besteht nur aus Klavier, Tapes, Gesang, Bratsche und Cello. Und als zweites kommt noch der vierte Part von ‚Vertigo‘.“

Wieviel CDs laßt Ihr denn machen?

„Nur eintausend. Von der LP dreitausend Erstauflage, glaub ich. Das ist das, was wir an Maxis verkauft haben. Mir schwebt als Ziel irgendwas von sechstausend vor.“

Sechstausend Exemplare sind ja eigentlich gar nicht so viel…

„Ja, mit sechstausend geht’s dann schon langsam los, das sind von EfA schon die größeren Sachen. Dieser Philip Boa hat ja auch nur zehn/zwölftausend Platten verkauft. (…) Die EfA meint ja auch ‚Nachfolger von Philip Boa‘ und so. Bei der EfA ist das auch so eine Sache; die kriegen da Platten, verkaufen 1000 Stück und das interessiert sie überhaupt nicht, die machen überhaupt nichts dafür. Wenn sie dann mal merken ‚O.K.!‘, dann machen sie was. Jetzt haben sie gemeint, mit der ‚Hot In Hong Kong‘, da machen wir was – bei den anderen drei Platten hat Mirko wirklich die Promotion ganz alleine gemacht. Ab dreitausend wird’s für die erst interessesant.“

Bleibt uns nur zu hoffen, daß Schwefels Musik so oder so interessant bleibt.

This interview was edited and rearranged by mr.boredom

Das Original-Layout kann man sich hier als PDF ansehen.

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Schwefel-Discographie:

Cassetten:

– „The Dancing Partner“ (C-60, reissued as Amigo-Cassette 4)
– „Detailed“ (C-40 mit Demos und zuvor unveröffentlichtem Material, Amigo-Cassette 2)

Desweiteren verschiedene Cassetten-Sampler-Beiträge, u.a. auf:

– „Nichts ist sicher – Nuvox hat gesammelt“ (IndepenDance)
– „C-87 Space-Pop-Compilation“ (Amigo-Cassette 1)

Scheiben:

– „Schizophrenic Party“  (5-Track-12″, Amigo 501)
– „Metropolis“ (3-Track-12″, Amigo 502)
– „Champagne Champagne And The Golden Rain“ / „Decisions“
(2-Track-7″, Amigo 704)
– „Champagne Champagne And The Golden Rain“ (5-Track-12″, Amigo 504)
– „Hot In Hong Kong“ (9-Track-LP bzw. 11-Track-CD, Amigo 555)

Die Intuition aus dem Radio

April 7, 2010

Gehen wir zurück ins Jahr 1983 und zum Oi Oi Oi!-Heft Nr.1 :

Und hier das besser lesbare PDF – weil um 180 Grad gedreht:
Die Intuition aus dem Radio

Urheber: (mrbore)dom

Die Intension des Radio.

April 7, 2010

Zur Abwechslung wiedermal ein altes Machwerk aus dem Jahr 1984, erschienen in Oi Oi Oi! Nummer 3.

Und hier zur besseren Lesbarkeit das Ganze nochmal als PDF:
Die Intension des Radio

Urheber: (mrbore)dom