Posts Tagged ‘Rock’

Plöpp Sounds 34

April 2, 2017

Neue Sendung von Sommer & Herbst ohne Motto und all mixed up.
Einfach selbst hören!
Und zwar hier:
Plöpp Sounds 34

Playlist:

01 The Delegators – Nowhere To Run
02 Mickey Murray – Shout Bamalama
03 Stella Chiweshe – Mese Maikwana
04 The International Noise Conspiracy – Capitalism Stole My Virginity
05 Kristof Schreuf – Bourgeois With Guitar
06 Motörhead – Killed By Death
07 The Remote Viewers – Screens And Uniforms
08 Jung An Tagen – Der klare Blick
09 Mouse On Mars – Schunkel
10 Patrick Pulsinger – City Lights Pt. 2 (City of Starsign)
11 Paka – Conquête (Version III)
12 Gil Scott-Heron – „B“ Movie
13 Orchestre Poly-Rythmo de Cotonou – Iya Me Dji Ki Bi Ni
14 Codona 3 – Clicky Clacky

Getränk dieser Sendung: 2014er Gau-Odernheimer Spätburgunder vom Weingut Becker Landgraf
Dauer: ca. 71 min.
Moderation: Sommer & Herbst
Recorded 31.03.2017 at Plöpp Sound Studios Berlin

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Double A

März 1, 2015

Traglotyd001

Rocket/Freudental vs. Cockbirds – Ich bau Scheiße / Suche Kontakt
(Split-7″, Troglodyt Schallplatten, TRG#001, 2015)

Kaum treffen zwei Musikfreunde zusammen entsteht ein neues Label. Zumindest ist es in diesem Fall so: Auf Troglodyt Schallplatten veröffentlichen die DJs, Künstler und Höhlenmenschen Sackzement & Ole Verstand nichts anderes als Lieblingslieder. Und zwar auf Single-Schallplatten. Jeder darf eine Seite auswählen. Und dann ab ins Presswerk, das die Songs teilweise in schwarzes und teilweise in zufallsfarbiges Vinyl presst. Das erste mal auf 7″. Und garantiert ohne Download Code.

Für die erste Single wurden zwei Indie-Punk-Rock-Oderso-Bands ausgewählt.

„Ich bau Scheiße“ (2004 auf „Die Weisheit wächst auf Bäumen“ bei Pavlek Records erschienen) von Rocket/Freudental erinnert mich irgendwie an S.Y.P.H., vielleicht wegen der Art des vokalen Vortrages, knallt aber ziemlich rauh. Eine glampunkrockige Versager-Hymne.

Auf der anderen A-Seite dann: „Suche Kontakt“ von den Cockbirds (2006 auf dem Album „Superdanke“ bei Staatsakt veröffentlicht) kommt erst als eine Kontaktanzeige vertonender Punk Song daher, die Streicherklänge machen die Tür auf zur Disco und zwischendurch kommt noch Electro mit ins Spiel. Punk Rock, Disco Punk und Electro Punk in einem. Hammer!

Bemerkenswert ist auch das Druckbild auf der Hülle. Das computergenerierte Linienmuster, das auch die Etiketten dieser kleinen Schallplatte wiedergeben, wurde als Linolschnitt, einem Hochdruckverfahren, vom Künstler selbst gedruckt. Also weder in dem für Kleinauflagen so beliebten Siebdruck-Verfahren noch im industriellen Offsetdruck. Mit dem Erwerb dieser 7″ bekommt man nicht nur zwei super Songs, sondern auch ein kleines Kunstwerk geliefert.

Während ich mich noch über die erste Troglotyd-Single freue, ist die zweite schon in Sicht. Dort teilen sich Doc Schoko und Schnuffel Das Total Süsse Eichhörnchen (Was Für Ein Bandname!) eine Scheibe. Die Release-Party findet am 24.04.2015 im Ballhaus Berlin statt – dann wenn dort Doc Schoko vor Attwenger spielt.

GZ,
01.03.2015

Geburtstag nicht vergessen!

Januar 26, 2014
Dorau2013

Andreas Dorau in der Bücherhalle (Pressefoto: Sönke Held)

50 Jahre Andreas Dorau Gala
(Various Artists, Bi Nuu, Berlin, 25.01.2014)

Am gestrigen Samstag fand im Berliner Bi Nuu die „50 Jahre Andreas Dorau Gala“ statt – eine Woche zuvor wurde so eine Show bereits in Hamburg veranstaltet. Denn an einem 19. Januar erblickte Andreas Dorau das Licht der Welt. Aber das war nicht der einzige Grund so eine Sause zu starten – vor kurzem erschienen gleich zwei Dorau-Alben – ein neues und eine Compilation – und da muss man schon mal auf die Pauke hau’n.

Der überaus bunte Abend wurde von einem Mann namens Markus von Schwerin an der akustischen Gitarre musikalisch eröffnet, bevor Andreas Dorau selbst die Bühne erklomm und als Trio, zusammen mit Tim Lorenz am Laptop und einem Schlagzeuger, bewährte Tracks der letzten zwei, drei Dekaden spielte.
Dann schneller Wechsel, statt Laptoper plötzlich Die Liga der gewöhnlichen Gentleman auf der Bühne, zusammen mit Dorau und einer Gastsängerin zwei Songs der neuen Platte „Aus der Bibliothèque“ darbietend: über das Flaschenpfand und die Bücherhalle im Hamburger Hühnerposten.

Zwischendurch durfte Maurice Summen (Die Türen) ein paar Songs zum Original-Dorau-Playback singen.
Stereo Total wirkten so als wären sie nur mal kurz auf den Sprung vorbeigekommen und spielten „Telefon“ so wie es nur Françoise und Brezel tun (für diesen Song fühlten sich in Hamburg Egotronic zuständig).
Hobby-Ornithologe und Texter so manchen Dorau-Liedes Wolfgang Müller (ex Die Tödliches Doris) sang rührend dilletantisch seine Version von „Blaumeise Yvonne“ und erschien später nochmals als Gastsprecher bei „Das Eis“.
Justus Köhncke präsentierte einen Smart Phone Minimal Electro Slow Motion Remix von „Fred vom Jupiter“ sowie seine Version von „Wasserstoff“, endlich wieder ein Stück aus dem aktuellen Album, das, wie er erwähnte, wohl im Möbel Olfe entstand.
Der Plan, in dessen Ata Tak Studio Dorau’sche Frühwerke aufgenommen wurden, nahmen sich die Freiheit, zwei Songs umzudichten. Da wird aus der Tante in Texas der Onkel aus Tonndorf und aus „Fred vom Jupiter…“ wird „Andreas Dorau ist ’ne coole Sau…“. Bei diesem Geburtstagsständchen tauchten sogar zwei der originalen Marinas auf. Als Abschluss des Auftritts von Der Plan – mit Diashow historischer Dorau-Fotos und selbstgemalten Masken – spielen sie noch „Alte Pizza“ – trotzdem lecker und tatsächlich trat diese ehemals Düsseldorfer Band erstmals seit Jahrzehnten anlässlich dieser Hamburg-Berliner Gala in Originalbesetzung auf.

Bevor am Ende der musikalische Staffelstab an DJ Penis übergeben wurde, gab der elektronische Andreas Dorau im zweiten Teil seines Konzerts noch mal richtig Gas. Furios bot er Lieblingslieder dar, auch seinen Zweit-Hit „Girls In Love“. Und als letzte Zugabe wurde schnell noch einmal Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen (teilweise ex Superpunk) auf die Bühne gescheucht um ein zweites Mal den Ohrwurm vom neuen Album zu rocken. „Fli Fli Fla Fla Flaschenpfand…“.

GZ,
26.01.2014

No More Reeper Mania!

August 18, 2012

Derzeit macht das Reeperbahn-Festival also Plakatwerbung für den im September 2012 in Hamburg stattfindenden „Event“. Selbst in Berlin sind hinterleuchtete „City Light Poster“ zu sehen. Ein sexy „Layout“ wurde in ein „Template“ für von der Hanselstadt Hamburg geförderte Kultur gezwängt. Oder ist es sogar schon sexistisch volle Busen öffentlich auszustellen? Voll klischeemäßig ist es auf jeden Fall: In Hamburch läuft sowieso jeder mit Matrosenmütze und Tatütatoos rum.

Aber man beachte auch das Kleingedruckte: gefördert wird das Festival also u.a. von den Gebrüdern Warner, dem Norddeutschen Rundfunk und der Bundesregierung. Ojehminee, das klingt ja echt voll total nach Rock’n’Roll! Es jetzt!

GZ,
16.08.2012

Sonic Cage Jazz

Juli 21, 2012

Rusconi live
(11.07.2012, Bix, Stuttgart)

Dieses nach Bix Beiderbecke benannte Lokal im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus erscheint mir fast etwas zu luxuriös-elegant für ernsthaften Musikgenuss. Dank der gemütliche Sessel und Tischchen wirkt es wie eine Mischung aus Restaurant und Kabarett-Bühne. So kann es passieren, daß man während einer lyrischen Musikpassage von der Bedienung schräg von der Seite angequatscht wird („Darf‘s noch etwas sein?“) oder der Bandleader den beiden abendessenden Gästen „Guten Appetit!“ wünscht. Aber solche Rahmenbedingungen sollten nicht von der Musik ablenken.

Rusconi ist ein Jazz Klavier Trio aus der Schweiz in der klassischen Besetzung Flügel (Stefan Rusconi), Kontrabass (Fabian Gisler) und Schlagzeug (Claudio Strüby). Aber so richtig konventionell klingen sie dann doch nicht: das Klavier wird mal mehr, mal weniger präpariert und liefert sich auch mal ein Duell mit den Schlagzeuger, der herrlich rumpeln und kratzen kann, wenn es von Nöten ist. Und dann wäre da noch dieser coole Kontrabassist mit Sonnenbrille, der ab und zu zur E-Gitarre greift. Man muss sich somit nicht wundern, dass diese Band schon verschiedene Songs von Sonic Youth weiterverarbeitet hat. Gemeinsam intonieren sie manchmal diesen wortlosen Harmonie-Gesang, der mich an die Fleet Foxes erinnert – obwohl ich die gar nicht so gut kenne.

Live changiert Rusconi zwischen schönen, fließenden und krachigen, energetischen Passagen – oftmals verbunden durch harte Schnitte. Ihr erster Set war etwas ruhiger, entsprechend ihres aktuellen Albums „Revolution“ (auf dem übrigens Fred Frith bei einem Stück gastiert), der zweite rockte mehr und wurde von einem neuen Stück mit gamelan-artiger Piano-Präparation eingeleitet – Weltpremiere eines Souvenirs von ihrer Asien-Tournee. Und dann hatte Rusconi bei einem sehr kurzen, rockigen  Stück noch eine selten gehörte Mitmach-Aktion auf Lager: statt schnipsen, klatschen oder mitsingen durfte das Publikum 12mal laut schreien. Die Stuttgarter machten begeistert mit. Urschrei Rules OK!

Überraschend in diesem Umfeld auch der Moment, in dem die Band ihre Instrumente komplett durchwechselte: Gitarre statt Piano, Schlagzeug statt Kontrabass, Tasten statt Sticks. So wurde Virtuosentum ausgebremst und die immer vorhandene Spielfreude kam für einen Moment noch deutlicher zum Vorschein.

Als Zugabe gab es nicht nur eine fast schon krautig-psychedelische Version des Sonic Youth-Titels „Hits Of Sunshine (For Allen Ginsberg)“, die ‚ältere Herrschaften‘ zu lauten Begeisterungsschreien (!) bewegte (bei der Tochter, noch Studentin, setzte die Begeisterung etwas später ein – war sie etwa peinlich berührt oder mußte sie nur ihren Facebook-Status aktualisieren?).

Tolles Konzert einer sympathischen Band mit Klangforschung der angenehmen Art. Hier sind keine Extremisten am Werk, aber Grenzgänger zwischen Jazz, Rock und Experiment.

GZ,
18. Juli 2012

Dort kann man Musik von Rusconi kaufen und selbst entscheiden wieviel Geld man für die Dateien ausgeben möchte (es gibt aber auch Vinyl):
rusconi-music.com

PS:
Vielen Dank an Micha und Thomas, die mich auf Rusconi gebracht haben!

Ja, Heiterkeit!

Mai 26, 2012

Die Heiterkeit / Ja, Panik –
Für den nächstbesten Dandy / The Evening Sun

(4 track 12“, Nein, Gelassenheit / Staatsakt / Rough Trade, 2012)

Ein paar Hamburgerinnen treffen in Berlin, womöglich in der Flittchenbar, auf irgendwelche Österreicher und nehmen anschließend gemeinsam eine Split-Maxi auf. Jeder darf einen eigenen Song spielen, muß aber auch den der umseitigen Band covern.

Im Vergleich zu ihrem Song „Alle Menschen“ (zusammen mit drei weiteren Songs auf einer Single verewigt), bei dem Wiederholung eine große Rolle spielt, kommt „Für den nächstbesten Dandy“ fast geschwätzig daher. So viele Worte ist man fast nicht gewohnt von Die Heiterkeit. Ihre Musik kommt wieder sympathisch unspektakulär daher: schrammelige Gitarre, trockener Bass, schlichtes Schlagzeug, kühle Stimme. Alles bestens.
Ihrer Version von „The Evening Sun“ fehlt alles, was mich an Ja, Panik mittlerweile etwas stört: das Gospelige, das Schmalzige, das fast schon Bombastische, das 70er-Jahre-mäßige.

Auf Ja, Panik hätte ich in diesem Zusammenhang also gut und gerne verzichten können. Überhaupt sollte man mit der Ressource Vinyl behutsam umgehen. Da hätte man meinetwegen die beiden Wiener Songs weglassen und lieber noch acht Lieder von Die Heiterkeit unterbringen können. Das wäre bestimmt eine interessante LP geworden!

GZ,
26.05.2012

… klingt gut

Mai 23, 2012

Teekrautzungen

Der Zickzack-Mann bringt drei Promo-CDs vorbei, Teil 3:

BESSERE ZEITEN – Sanktionen im Schutt
(LP/DL, All Rock’n’Roll Speeds Up/Zickzack/Hanseplatte, ZZ2037, 2012)

Für diese Band wünsche ich mir einen Besseren Namen, denn wenn ich „Bessere Zeiten“ lese muß ich Alter Sack / Alte Schachtel an den gleichnamigen Song von Kolossale Jugend (ca. 1988 bis 1991) denken. Und deren ehemaliger Sänger Kirstof Schreuf schreibt dann auch noch den Begleittext zu diesem Album, der allerdings genausowenig erhellend ist wie die Texte der Band. Zu allem Überfluß nimmt Tobias Levin of Capt. Kirk &.-Fame (ca. 1986 bis 1994) diese wohlklingende Platte auf. Das sind mir allzuviele offensichtliche Referenzen an den Kern der sogenannten Hamburger Schule Ende letzten Jahrhunderts.

Krautzungen, immer wieder werden Krautzungen erwähnt. Keine Ahnung, was das sein soll. Eine Wucherung mit Phantasienamen, eine Veranstaltungsreihe, eine Kreuzung von Kunst und Popkultur?

Egal, vielleicht sollte man diesen ganzen Ballast einfach ignorieren, wenn man denn könnte…

Dieses Album, das am 1. Juni 2012 in den Darreichungsformen LP und Download erscheint, enthält zehn Lieder mit deutschsprachigen Texten, eingespielt in der waaahnsinnig originellen Besetzung Gitarre, Bass und Schlagzeug plus Keyboards. Natürlich singt auch noch einer. Die Lyrics vermeiden konsequent Einfachheit und Eingängigkeit. Da hat womöglich wiedermal jemand sein Studium der Literatur zu ernst genommen. Nicht mein Fall sowas. Die Musik klingt super angenehm, fast schon zu perfekt produziert, zwischen elegantem Schmalz („Mexiko“, beispielsweise) und nervösem Rock (beim Titelstück, beispielsweise), auch wenn der Keyboarder ab und zu zweifelhafte Sounds einsetzt. Natürlich gibt es auch ein bedeutungsschwangeres Sprechstück mit atmosphärischer Klavieruntermalung.

Gymnasiasten-Pop /
Germanisten-Rock.

Trotzdem sympathisch.

Video gucken:
Zuweitgehen

GZ,
23.05.2012

Die Frau, Das Monstrum

April 2, 2012

Stereo Total feat. Käptn Blauschimmel – Die Frau in der Musik / Das Monstrum
(7“, Staatsakt / Rough Trade, 2012)

Vor ein paar Tagen ist diese neue Single der „Berliner Rockgruppe“ Stereo Total erschienen. Diesmal kümmern sich die beiden um Frauen nicht nur in der Musik. Traurig, daß dies heutzutage immer noch ein Thema ist. Hat sich seit der Post Punk New Wave Ära mit all den Mädchengruppen wirklich nichts getan, trotz Riot Girls und so? Der Text hätte auch schon 1979 geschrieben werden können: Die Frau in der Musik nervt, spielt Bass, ist sexy, trällert Liebesliedchen und „stört immer“. So denken wohl heutzutage immer noch etliche Musiker, Bühnentechniker und Konsumenten. Traurig!

Die Pärchen-Combo Stereo Total ist nicht nur mit dieser Single der lebende Gegenbeweis dazu. Ihrem Sound sind sie treu geblieben. Trashiges Schlagzeug trifft Synthesizer, da rockt die Disko, Frau singt, Mann sendet lustige Störgeräusche (soll das wirklich ein echtes Trautonium sein? Oskar Sala rotiert in seinem Grab!). Das noch kürzere Lied auf Face B, ebenfalls zum Thema „Sie“ (aber nicht in der Musik) rockt dann noch mehr und überracht mit Boogie Woogie-Klavier. Klasse! Auf der angekündigten LP soll das angeblich alles ganz anders klingen. Da bin ich ja mal gespannt – auch ob das dann ein Konzeptalbum zum Thema Frauenklischees werden wird!?

02.04.2012

In Interview: The Milkshakes

März 5, 2012

Am 12. April 1984 spielten THE MILKSHAKES aus England wiedermal im [Jugendzentrum] Falkenhof in Würzburg. Dieses Konzert war inzwischen schon ihr fünftes in Würzburg (1x Kulturkeller, 1x Omnibus, 3x Falkenhof) und endlich haben wir es gewagt, so schüchtern wie wir sind, ein Interview (oder sowas) mit ihnen zu machen. Trotz mäßigen Englischkenntnissen und unleserlichen Notizen nun das langersehnte Interview mit THE MILKSHAKES:

Oi Oi Oi!:
Wer sind die MILKSHAKES?

The Milkshakes:
Die MILKSHAKES sind Billy [Childish], Bruce [Brand] (beide Ex-POP RIVETS), John [Gewen] und Micky [Hampshire]. Ursprünglich waren die POP RIVETS und THE MILKSHAKES zwei voneinander unabhängige Bands, aber seit 3-4 Jahren machen wir zusammen als THE MILKSHAKES weiter.

O: Wie würdet ihr eure Musik bezeichnen?

M: Rock’n’Roll, Acid Punk, Cycle Motobilly, Rhythm’n’Beat.

O: Spielt ihr die Musik eurer Väter?

M: Einige unserer Songs sind von unseren Vätern, aber die meisten Titel haben wir selbst geschrieben.

O: Wollt ihr mit euren Texten etwas sagen?

M: Eigentlich weniger. Meistens geht’s um Frauen, um Autos und ums sich zulaufen Iassen.

O: Welche Musik hört ihr so?

M: Nur gute Musik aus den 50er, 60er und 70er Jahren, weniger aus den 80er. Vor allem halt alte Songs.

O: Was haltet ihr von Gruppen wie SOFT CELL oder DEPECHE MODE?

M: Fucking creeps!

O: Und was haltet ihr von SHAKING STEVENS?

M: Bruce ist sein Sohn! Außerdem war Bruce Sessiondrummer bei NENA’s „99 Red Ballons“.

O: Warum nennt ihr euch eigentlich THE MILKSHAKES?

M: Als wir mal durch irgendeine Straße gingen, kamen uns 6 (oder 122) Schwarze entgegen und sagten zu uns „Ab sofort nennt ihr euch THE MILKSHAKES!“.

O: Warum veröffentlicht ihr eure Platten auf einem unabhängigen Label?

M: Wir wollen nicht, dass uns irgendeiner sagt, was wir spielen sollen und wieviel Platten wir im Jahr aufnehmen müssen. Wir sind froh, dass wir ein unabhängiges Label gefunden haben und machen was wir wollen.

O: Wie fühlt Ihr euch auf der Bühne?

M: Besoffen. Einfach zuviel Bier. Während unserer Auftritte trinken wir meistens zwei Flaschen Whiskey und etliche Biers.

O: Wer kommt denn so zu euren Auftritten?

M: Total verschiedene Leute. Teds, Punks, normale Leute. Auch ältere, die diese Musik gehört haben, als sie noch jung waren, in den frühen 60er Jahren. Ich würde sagen, wir haben ein Publikum im Alter zwischen 14 und 40. Nur die 12jährigen Mädchen kommen meistens nicht, weil ihre Großmütter sie vor uns einsperren müssen.

O: Wie steht ihr zu eurem Publikum?

M: They pay, we bless them!

O: Um was geht’s euch bei euren Auftritten?

M: Vor allem ums Feeling! – Aber vom Feeling kriegt man kein Geld!

O: Seid ihr berühmt?

M: Weniger. Wir nehmen selbst auf und verkaufen unsere Platten in der ganzen Welt. Wir spielen halt und machen Platten. Bis jetzt gibt’s von uns vielleicht 30.000 – 40.000 Platten. Am 1.2.1984 haben wir ja vier LPs an einem Tag herausgebracht, die wir alle in ein paar Wochen aufgenommen haben. Insgesamt haben wir jetzt 8 LPs in drei Jahren herausgebracht und zwei Singles.

O: Könnt ihr von eurer Musik leben oder arbeitet ihr auch?

M: Von der Musik können wir nicht leben. John hat seine Arbeit aufgegeben, als wir nach Deutschland gingen. Bruce hat noch einen Job als Kellner in ner Bar. Der Rest lebt von der Wohlfahrt.

O: Welche Zahnpasta benutzt ihr?

M: Keine, weil wir sowieso so nach Bier stinken, dass es egal ist.

O: Was haltet ihr vom deutschen Bier?

M: Davon kann man Fässer saufen ohne dass man besoffen wird!

O: Könnt ihr eigentlich auch Deutsch?

M: Nein, aber Bruce spricht ein bißchen Deutsch.

Bruce: Dummkopf! Doof!

O: Was erlebt Ihr so auf Euren Trips durch Europa?

M: Ja, wir sind illegal über die DDR-Grenze gefahren, als wir nach Berlin fuhren. Dabei hat sich Gary (ihr Roady) den Arm gebrochen.

Gary: Micky lügt wie gedruckt

O: Stimmt das?

Micky: Ja, stimmt!
(hä?)

O: Was habt ihr so für Lieblingsausdrücke?

M: ‚Get out of your milk!‘, ‚Fucking shit!‘, ‚Where’s the whiskey?‘, ‚Where are the 12-year-old girls?‘, ‚Shaggy wiggy, ‚Knick Knock‘.

O: Und was heißt ‚Shaggy wiggy‘ oder ‚Knick knock‘?

M: Keine Ahnung. Haben wir gerade erst erfunden! Vielleicht was anderes für Fuck.

Nachdem uns dann keine Fragen mehr einfielen und uns die MILKSHAKES auch nicht mehr mit anderen Fragen weiterhelfen könnten, bestiegen sie irgendwann die Bühne und begannen zu spielen. Ihr erster Titel: „Let’s rock“. Ein guter Einstieg, denn THE MILKSHAKES rockten und rollten ziemlich los.
Ihre Musik: eben Rhythm’n’Beat, so wie er Anfang der 60er gespielt wurde. Manchmal hört man auch alte Songs von BO DIDDLEY, KINKS oder den BEATLES, die von den MILKSHAKES allerdings schneller und härter als im Original gespielt werden. Fetz, fetz. Rock, rock.
Kurz vor Ende ihres Konzertes brachten sie noch ein paar krönende, lustige, kurze Showeinlagen: Micky, Billy und John, die Gitarren/Bass in MP-Haltung gehen wie Tiger auf die Mädels los und schauen ihnen tief in die Augen, oder so. Nach etlichem Alk und zwei Zugaben („I wanna be your man“ und ein Instrumental, verließen die 4 MILKSHAKES dann fluchtartig den Saal. Im großen und ganzen ein absolut gutes Konzert! Beste Beatmusik von vier lustigen Engländern. Also, wenn THE MILKSHAKES das nächste Mal irgendwo spielen, nichts wie hin!

lym/del.toid/dom
(heißen Dank an DHT-project und einen Gruß an Hansi [Steinmetz]!)

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Dieser Text stammt aus dem 4. Heft des Würzburger Fanzines Oi Oi Oi! (später 10.15 bzw. 10.16 Megazine), erschienen im Juli 1984.

totgut

Februar 25, 2012

DIE TOTEN HOSEN
‚Wir sind bereit‘ / ‚Jürgen Engler’s Party‘
(7″, Totenkopf, Tot2, 1982)

Seit ein paar Monaten gibt es in Düsseldorf ein neues Label: TOTENKOPF- Schallplatten. Ihre ersten Produkte sind eine ZK-live-LP (lustig! lustig!) und als zweites eine Single der TOTEN HOSEN (Bestellnummer TOT 2).
Die Vereinigung der TOTEN HOSEN besteht aus Trini Trimpop (ex der KfC), Jochen H., Kuddel. Whyat Earp, W. November, Andi M. und Campi. Wenn man die Single das erste Mal hört, denkt man unwillkürlich an die legendären ZK: der gut arrangierte (arrangiert???) Chorgesang (Aaaaaa/Aaaaa), das Klatschen und die tolle Stimme. Kein großes Wunder, denn Campi, der Sänger mit der tollen Stimme kommt direkt von ZK, die sich ja getrennt haben, aber back to the Musik: einfacher, gerader, harter und gutgemachter (Punk?-) Rock mit guten, originellen deutschen Texten. Allerdings besser bzw. perfekter produziert als bei ZK. Die A-Seite ‚Wir sind bereit‘ ist gut, aber die B-Seite ‚Jürgen Engler’s Party‚ ist genial!
Der Text beißt alle düsseldorfer Ex-UntergrundundjetztPopstars, vor allem die Englers und Doraus*. Passend zum Song ist auf dem Cover noch der Brief einer 13jährigen Gymnasiastin an Jürgen abgedruckt: „Ich hab alle deine Platten und viele Fotos von Dir und Bernward. Ich weiß nicht, wen ich von euch schöner finde. ….. Wenn ich mir zusammen mit Ulla und Karin eure Platten anhöre, muß ich immer in die Hosen machen. Letzte Woche…“

*****

DIE TOTEN HOSEN
‚Niemandsland‘ / Reisefieber‘
(7″, Totenkopf, Tot1, 1982)

Die zweite TOTEN HOSEN-Single ist da! (Diesmal Best.-Nr. TOT 1). Wieder gerader, rauher und fetziger Rock mit tollem Backgroundgesang und Campi’s (Hallo, wie gehts deinen Campino-Bonbons?) einzigartiger Stimme. Die Texte sind kurz und bündig, aber nie albern, sondern gut. Danke für das Textblatt, ohne das würde man nur die Hälfte mitkriegen!
Am Anfang von ‚Reisefieber‚ hört man einen Dudelsack (oder ist es eine Tote Hose?) und das Meer (eigentlich mehr den Wind) rauschen. Bei ‚Niemandsland‘ gefällt mir besonders dieses ‚khwüa!‘ (oder halt so ähnlich) in der Mitte.
DIE TOTEN HOSEN schaffen es, obwohl bei ihnen u.a. Leute mitspielen, die seit ca. fünf Jahren aktiv sind, frischeste Musik zu machen, die auch noch mit guten Texten Spaß macht. DIE TOTEN HOSEN gegen tote Hose in überall!

Achtung! Hab noch mehr Informationen aus Düsseldorf über die TOTEN HOSEN gekriegt: Und zwar, daß es schon wieder eine neue Single gibt. Titel: ‚Armee der Verlierer‘, ‚Opel-Gang‘ und ‚Eisgekühlter Bommerlunder‘. Eine Flasche Bommerlunder liegt bei. Aber besauft euch nicht!
P.S.: DIE TOTEN HOSEN sind nicht toll, sondern totgut ! ! !

dom

*****

Diese beiden zeitgenössischen Reviews stammen aus der im April 1983 erschienenen Erstausgabe des Würzburger Fanzines Oi Oi Oi!.

Ein herzliches Beileid an Die Toten Hosen zu ihrem 30-jährigen Jubiläum und dazu, daß ausgerechnet die Zeitschrift Rolling Stone aus diesem Anlaß im April 2012 ihre erste Single wiederveröffentlichen wird. Was nichts daran ändert, daß die ersten Hosen-Singles zu meinen All time favourites zählen!

Anmerkung:
* wobei eh klar ist, daß Andreas Dorau kein Düsseldorfer ist, genausowenig wie Holger Hiller. Aber bei den Leuten von Der Plan bzw. Ata Tak hat er die eine Hit-Single aufgenommen. Im Song der Toten Hosen ist Dorau auf dem Balkon zu sehen. Der Bilker Jürgen Engler war Mitglied von Male, bevor er mit Die Krupps erfolgreich wurde.