Posts Tagged ‘Stefan Hetzel’

Best of 2014

Dezember 11, 2014

phaerenz

Jahr für Jahr das gleiche Bild. Da sitzen alle wieder blöde da und überlegen zwanghaft, was sie in ihre Top 10, Top 20, Top 30, was sie in ihre Bestenlisten für das vergangene Jahr reinschreiben sollen – wenn es nicht schon längst erledigt wurde.

Nunja, egal, hier nun mein Überblick über ein paar Veröffentlichungen und Veranstaltungen, die wohl das Jahr 2014 in meiner Erinnerung überleben werden. Hier nun also meine Lieblinge 2014:

Alben
Mutter – Text und Musik
Sudden Infant – Wölfi’s Nightmare
Zeitkratzer perform Lou Reed – Metal Machine Music
(live, full instrumental version)

7″
Der Wahre Heino – Deutschland / Die letzte Schlacht…

Wiederveröffentlichungen
Morton Subotnick – The Wild Bull (1968)
Die Zimmermänner –  Die Wäscheleinen waren lang (1980 – 1985)

Denkwürdige Konzerte
50 Jahre Andreas Dorau Gala
(25.01.2014, Bi Nuu, Berlin)
Doctor Nerve
(26.09.2014, Freakshow Artrock Festival, Würzburg)
Lydia Lunch Retrovirus feat. Weasel Walter, Bob Bert & Tim Dahl
(02.03.2014, Grüner Salon, Berlin)
Sudden Infant
(13.10.2014, Urban Spree, Berlin)

Fanzine-Jubiläum
30 Jahre Bad Alchemy

Kleines feines Label
Karlrecords

Musikdokumentation
Stefan Hetzel & Ralf Schuster – Improv 2014 (Peitz)

 

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Mingling

November 1, 2014

improv

Improv 2014 (Peitz)
(Ralf Schuster und Stefan Hetzel, Musik-Dokumentation, 22 min., 2014)

Dieser Kurzfilm von Ralf Schuster (Kamera, Schnitt) und Stefan Hetzel (Konzept, Regie) dokumentiert Interviews mit improvisierenden (Jazz-) Musikern, die während des Festivals „Jazzwerkstatt 51“ in der kleinen Ortschaft Peitz (in der Nähe von Cottbus) geführt wurden. Dabei ist gottseidank kein herkömmlicher Frage- und Antwort-Blablabla-Film entstanden sondern eine gelungene Collage aus Statements der Musiker zum Thema Improvisation (versus Komposition) und ihrem Selbstverständnis damit umzugehen sowie Momentaufnahmen verschiedener Konzerte – plus Stimmungsbildern aus Peitz selbst, die den Rezipienten visuell durchatmen lassen.

Auch beim Filmemachen wurde improvisiert und mehr oder weniger spontan Musiker davon überzeugt sich interviewen zu lassen. Autor Stefan Hetzel (selbst Musiker) hat einen Fragenkatalog erarbeitet, der als Grundlage für diese Gespräche diente. Dabei geht es nicht um die Musiker selbst oder gar um ihren Lebenslauf (das kann man woanders nachschlagen) sondern um ihre Haltung mit Musik umgehen und was sie so unter Improvisation verstehen. Für die Gespräche konnten Friedhelm Schönfeld, Gebhard Ullmann, Wayne Horvitz und Hamid Drake gewonnen werden – eine Ost und West sowie Europa und Amerika umspannende, erhellende Mischung.

Am 23.10.2014 hatte dieser Film im Rahmenprogramm des 30. Jazzfestivals in Würzburg Premiere – sozusagen als Vorfilm zum Impro-Ambient-Konzert der Formation hetzel.thieme.volpert. Allerdings hat es dieser Film verdient auch auf Filmfestivals und im Kino gezeigt zu werden. Und eine Fortsetzung könnte ich mir ebenso lebhaft vorstellen.

Momentan kann man diese Doku im Netz auf dem Video-Kanal von Ralf Schuster gucken:
http://vimeo.com/99544266

Der Filmemacher Ralf Schuster bei der Sichtung von erstem Filmmaterial in Lieberose

Der Filmemacher Ralf Schuster bei der Sichtung von Bewegtbildmaterial.

Best of 2013

Dezember 17, 2013
eastley

An aeolian harp on top of a former water tower,
part of Max Eastley’s sound installation Aeolian Circles.

Schon seltsam, im Lauf der Zeit werden meine Listen mit den Lieblingen des Jahres immer kürzer. Nunja, egal, hier nun wiedermal ein Überblick über die Sachen aus dem Jahr 2013, die mir irgendwie gut gefallen haben. Hipsterkinderkram müsst ihr woanders suchen.

Alben
Laurent De Schepper Trio – Aquanaut
Woog Riots – From Lo-Fi To Disco!

Konzeptkunstvinyl
Christine Sun Kim / Wolfgang Müller – Ranging From Panning To Fanning

Maxi-Single
Die Tödliche Doris – Stopp (Der Information) (Vollendet von Namosh 2012)

Wiederveröffentlichung
Max Müller – Alt Und Schwul

Bestgelaunte Musik
Orchestre Miniature in the Park – Der Sommer ist da EP

Denkwürdige Konzerte
Jerry Dammers‘ Spatial Orchestra
(25.02.2013, Haus der Kulturen der Welt, Berlin)
Auf / Shellac
(29.05.2013, Berghain, Berlin)

Tolles Festival
A L’Arme Festival Volume II – Avantgarde Jazz
(08.-10.08.2013, Radialsystem V, Berlin)

Bestes Lied im Burt-Bacharach-Gedächtnis-Sound
Julia Holter – This Is A True Heart

Sound Museum
Max Eastley – Aeolian Circles
(Singuhr Hörgalerie, Großer Wasserspeicher, Berlin)

Musikdokumentation
Ralf Schuster – Wer komponiert ist ein Idiot

Buch
Wolfgang Müller – Subkultur Westberlin 1979-1989

Trauer
15.08.2013 Almut Klotz
18.09.2013 Lindsay Cooper
23.09.2013 Paul Kuhn
19.10.2013 Ronald Shannon Jackson
27.10.2013 Lou Reed

Hypnotisierungsmusik

Oktober 12, 2013

MuPo006

Ralf Schuster und Stefan Hetzel – Hypnotisierungsmusik
(Tape, C60, MultiPop prod., MuPo 007, 1991)

Das ist doch mal ein schönes Wiederhören! Da hat Stefan Hetzel nun diese alte Kassettenveröffentlichung digitalisiert, die er zusammen mit Ralf Schuster bespielt hat und die wahrscheinlich nur in einer sehr kleinen Stückzahl unter die Leute gebracht wurde.

Endlich, muss man fast sagen! Denn die Arbeit hat sich gelohnt. Obwohl die Aufnahmen unglaubliche 22 Jahre alt sind, wirken sie überhaupt nicht angestaubt und schon gar nicht nostalgisch. Vielleicht liegt es daran, daß Hetzel & Schuster damals in der Ochsenfurter Fuchsenmühle ihr eigenes Ding vierspurig aufgenommen haben – ohne auch nur einen Gedanken an irgendeinen Zeitgeist zu verschwenden. Teilmengen dieser einstündigen Musikkassette wurden unter Verwendung von Instrumenten wie Synthesizer, Orgel, Melodica, E-Gitarre oder Schlagzeug improvisiert, manchmal werden Schuster’sche Texte dazu vorgetragen. Es kommt zum Haushaltskollaps und die Unterhosen sitzen nicht so gut.

In der Musik, bilde ich mir ein, sind Einflüsse von genialen Dilletanten zu erkennen, aber auch Jazz und Minimal Music spielt da eine Rolle und bestimmt auch Post Punk und sogar Frank Weghardt hat seine Spuren hinterlassen (ein Komponist, dem Schuster & Weber eine ganze 7″EP gewidmet haben).

Für mich ein All Time Favourite, der jetzt auch für Menschen hörbar wird, die damals den Herren Stefan Hetzel und Ralf Schuster nicht über den Weg gelaufen sind.

Ab sofort ist dieses Werk frei zugänglich auf archive.org zu hören. Dort findet man weitere Informationen sowie die ursprünglichen Liner Notes:
http://archive.org/details/hypnotisierungsmusik

Idiot.

Juni 4, 2013

SchusterHetzelIdiot

Wer komponiert, ist ein Idiot.
(Ralf Schuster, Musik-Dokumentation, 15 min., 2013)

Der Autor, Blogger, Musiker und Komponist Stefan Hetzel (*1966) hat seit den 1980er Jahren schon so manches auf die Beine gestellt und auch veröffentlicht – in Fanzines und Zeitschriften, auf Cassette und CD sowie in den unendlichen Weiten dieses Netzes, auch so manches Foto. Beeinflusst u.a. vom (Free) Jazz und Minimal Music improvisiert und komponiert Hetzel gleichermaßen.

Im März 2013 hat nun sein „Kumpel“ und Filmemacher Ralf Schuster ein kurzes Portrait dieses Herren vollführt, das Hetzel in seinem Eibelstädter Musikzimmer zeigt und vor allem seine Art zu  komponieren thematisiert. Heutzutage fröhnt Stefan Hetzel elektronisch generierter sogenannter Neuer Musik, wobei er beim Komponiervorgang sein MIDI-Keyboard in improvisierender Weise nutzt. Diese Arbeitsweise wird von Hetzel eloquent erklärt, auch Einflüsse werden offen gelegt, ebenso die Hoffnung, dass seine Kompositionen durch einen konventionellen kammermusikalischen Klangkörper (KKK) aufgeführt werden, obwohl das eigentlich garnicht nötig ist, da ja längst elektronische Möglichkeiten existieren. Momentan kommt vorwiegend der ePlayer zum Einsatz. Zum Thema Technik und Komponieren werden Ausschnitte aus seinem dreiteiligen Filmessay „Komponieren heute“ in diese Dokumentation eingestreut.

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Schuster und Hetzel bei einer Besprechung in Berlin

Im Film sieht man Stefan Hetzel auf dem Weg zum Bus, bei sich zu Hause, Kaffee trinkend, aber vor allem auf seinem Sofa im Gespräch mit einem Doktor der Musik im Rock’n’Roll-Look (der allerdings nur zweimal als Stichwortgeber ins Bild kommt), in seinem Studio, aber auch mit anderen Musikern in einer Galerie frei improvisierend. Zu hören ist das kammermusikalische Stück „2008“, das durch hypnotische Passagen glänzt. In den Redepausen streift die Kamera durch die Küche, in der nicht experimentiert wird, dafür aber im benachbarten Musikzimmer mit all dem Equipment, philosophische Bücher kommen ins Bild, auch eines über autonome Kunstkritik. Schön auch die sich zur Musik amorph bewegenden Trickfilmfiguren, welche die Handschrift von Ralf Schuster tragen. Im Abspann noch eine Impression der heimischen Mainschifffahrt.

Es gäbe sicherlich noch viel mehr zu erzählen über diesen unterfränkischen Komponisten, dennoch konzentriert sich diese Dokumentation auf das Thema Komponieren und wühlt nicht in der Vergangenheit. Das tut diesem Kurzfilm gut. Es lohnt sich, diesen Typen kennenzulernen. Anschauen!

Der Film von Ralf Schuster:
Wer komponiert ist ein Idiot.

Das Filmessay von Stefan Hetzel:
Komponieren heute

Dessen Blog:
Weltsicht aus der Nische

Seine Homepage:
www.stefanhetzel.de

Aural Screen Savers

Juni 28, 2011

Dies ist mir beim umzugsbedingten Sortieren wiedermal in die Hände gefallen: Ein Artikel über den Musiker und Komponisten Stefan Hetzel, der im Würzburger Stadtmagazin Herr Schmidt (Heftpreis 3 DM) im Februar 1998 veröffentlicht wurde.

Ohrschirmschoner aus Eibelstadt

In Unterfranken gibt es nicht nur selbstgebrannten Schnaps, sondern auch Musiker, die ihre ungewöhnliche Musik auf CDs in Kleinstauflagen veröffentlichen — also ebenfalls so gut wie selbstgebrannt.

Im romantischen Eibelstadt hat sich ein solcher Musiker namens Stefan Hetzel in einer ehemaligen Pension eingemietet und komponiert dort seit einigen Jahren, meist für rechnergesteuertes Digital-Klavier. Zumindest soweit dies seine kaufmännische Erwerbstätigkeit erlaubt. Nebenbei gibt er noch das Literaturmagazin mit dem sinnigen Titel „Ich“ heraus – im Buchladen Neuer Weg erhältlich – und schreibt Essays über Jazz und Minimal Music für das Würzburger Fanzine „Bad Alchemy“. Womit bereits zwei Referenzpunkte erwähnt wurden, die für Hetzels Musik eine große Rolle spielen. Bei den Kompositionen für rechnergesteuertes Klavier, die er im März 1997 in der Produzentengalerie Nulldrei vorgestellt und im November auf CD mit dem bescheidenen Titel „Aural Screen Savers“ („akustische Bildschirmschoner“) veröffentlicht hat, ließ er sich u.a. von den Großmeistern der Minimal Music (Morton Feldman, Steve Reich, Philip Glass) inspirieren. Aber auch der letztes Jahr verstorbene Conlon Nancarrow hat hier Spuren hinterlassen: dieser Eigenbrötler schrieb – für normale Pianisten unspielbare – Kompositionen, die Pianolas mittels Walzen oder Lochstreifen realisierten. Auch bei Stefan Hetzel wird ein Musikautomat angesteuert: von einem im Omikron-Basic
geschriebenen Programm über einen Atari-Computer auf ein Digital-Klavier bzw. ein Soundmodul, das quasi dem Player Piano von Nancarrow entspricht.

Trotz all dieser Bezüge, die von Stefan Hetzel keineswegs verschwiegen werden, klingen die Stücke auf „Aural Screen Savers“ gottseidank nicht so wie die Kompositionen der Leute, denen sie gewidmet sind. Weder klingt „Romantic Loop“ nach Wim Mertens harmonischem Kitsch, noch strahlt der dritte Satz von „Triptychon“ die minimalistische Unruhe eines Steve Reich aus.

Außer vorgegebenen Strukturen spielen Zufälle eine große Rolle; aleatorische Parameter lassen das zu. Bei jeder Aufführung bzw. nach jedem Programmstart kann dasselbe Stück in engen Grenzen anders klingen. Bei einer Komposition werden beispielsweise die festgelegten Patterns mit Tönen gefüllt, deren Höhe dem Zufall überlassen wird. Mit alldem sitzt der Schöpfer freilich zwischen den Klavierhockern. Teilweise kann man es als zeitgemäße instrumentale Electronic Listening Music mit Ambient-Charakter verstehen – oder aber als ernstzunehmende Neue Musik, mit der man sich in Ruhe befassen muß. Also weder was für Kids noch für Professoren? Dafür jedenfalls etwas für Musikliebhaber, die auf Grenzüberschreitendes stehen. Die erwähnte CD ist im Plattenladen monophon in der Sartoriusstraße 2 und beim Komponisten selbst erhältlich.

Eine weitere seiner grenzüberschreitenden Tätigkeiten ist übrigens das Spielen von Jazz-Standards aus Spaß an der Freude. Das kann man jeden zweiten Donnerstag im Würzburger Residenz-Cafe erleben.

Guido Zimmermann,
1998

Hier nochmal als PDF:
Stefan Hetzel in Herr Schmidt 02/1998