Posts Tagged ‘Student Pogo Info’

Musique für Früh um 4

Februar 12, 2015

SPI-Poster

Poster der Ochsenfurter Band DIE MESOMERE GRENZSTRUKTUR, erschienen vermutlich Ende der 1980er Jahre als Ausgabe des Fanzines Student Pogo Info (SPI). Format: 210 x 297 mm

 

Die Tödliche Doris, ernster als sonst

März 27, 2012

Autogrammkarte als Titelbild, handcolorierte Xerographie, 1984

Die Tödliche Doris (siehe auch Titelseite) ernster als
Sonst:

Als hätte die tödliche Doris geahnt, daß es für die Leser unserer Zeitung sicherlich langweilig ist, wenn sie auf unsere (obskuren. dummen. gewollt ausgefallenen) Fragen genauso lustig/gewollt originell antworten wie der PLAN, haben sie etwas Ernst/Ehrlichkeit an den Tag gelegt. (Oder waren sie bloß zu faul, sich mehr auszudenken??) Wahrscheinlich liegt es daran, daß sich die tödliche Doris nicht berechnen lässt. So auch ihre Puppenschallplatte: Ein nachdenklicher, geradezu mystischer Roman, in dem mehrere Phrasen immer wieder an nichtvorhersehbarer Stelle wiederholt werden, und eben diese Phrasen werden auf den acht Schallplatten (je eine min. Spieldauer) gesungen, von Chören und Solisten, ganz ohne Instrumenttalbegleitung. Der Sound ist miserabel, der Kauf des acht-Platten-Sets (samt Plattenspieler und dem Kurzroman, für 34.–) lohnt sich sicherlich nicht, aber wenn man es erst einmal besitzt, ist es bisweilen faszinierend. Ein archaischer Musikgenuß. Geradezu humorlos, stattdessen präzise und unkonventionelle Wortkombinationen. Am besten lässt sich der Eindruck des kombinierten Musik-Romanwerkes durch ein Zitat aus des dem Fanzine Student Pago Info (5/84) beschreiben:.. man ahnt den tiefen Sinn der Worte, ohne ihn zu verstehen.
Chöre & Soli lässt ahnen!

SPI fragt: (Unter anderem)

Wie heißt ihr mit richtigem Namen? Wer ist für was zuständig (Instrumenteverteilung, Texte)?
Wie alt seid ihr? Wie lange lebt ihr schon in Berlin? (schon immer?)
Haltet ihr es für euch und eure Musik für wichtig in einer Metropole zu wohnen?
Was habt ihr gemacht, bevor es die tödliche Doris gab?
Wie unterscheidet ihr euch von anderen Menschen? Was hindert euch am Selbstmord? Warum veröffentlicht ihr eure
Saudumme Frage: Was bezweckt ihr mit eurem musizieren und sonstigem Wirken? Gebt ihr oft Konzerte? Wo und wann? Würdet ihr euch als berühmt bezeichnen? (Wenn ja, lohnt es sich berühmt zu sein?) Wodurch verdient ihr Geld? Habt ihr außer Musik und Frauen andere vitale Interessen? Wo wollt ihr im Sommer Urlaub machen?
Platz für Ergänzungen oder graph. Erläuterungen: Natürlich könnt ihr auch beliebig viele Zettel beilegen und überhaupt sind wir für jeden Mist dankbar!)

Die tödliche Doris antwortet: (Unter anderem)

Fragebogenbeantwortung für STUDENT POGO INFO
Käthe Kruse/Nikolaus Utermöhlen/Wolfgang Müller/(Tabea Blumenschein)/
Sie kommen aus Bünde, Konstanz, Wolfsburg, Würzburg und leben verschieden lange in Berlin. Inzwischen halten sie es nicht mehr für so wichtig, in einer Metropole zu wohnen. Auch glauben sie, daß sie sich immer weniger von anderen Menschen unterscheiden, die sich dabei ja auch nicht umbringen.
Die berühmten 4 haben schon an die 30 Konzerte im Laufe von 3 Jahren gegeben, sicher nicht nur mit Musik und Frauen, sondern auch mit anderen vitalenn Interessen ihr Geld verdient. Im Sommer 1984 werden sie vielleicht in der Umgebung Basel sein.
Natürlich ist damit noch lange nichts bezweckt, musiziert oder sonstig gewirkt. So sind sie immer dankbar für Anregungen, Kritik und beliebig viele Zettel.
Lesen kann man sie überall und alles. Wie „Chöre & Soli auch hören“

Neuere & Neueste Aktivitäten

„Die tödliche Doris informiert: Pressestimmen 81/82“
Poster, Berlin/ Eigenproduktion

„Tour 83“
Konzerte in: Kopenhagen, Wien „Töne & Gegentöne“, Hamburg „wildes Kino“, Frankfurt/Harmonie, Villingen-Schwenningen/ Zirkuszelt, München/Werkstattkino

„Die tödliche Doris auf Helgoland“
Reiseveranstaltung und Konzert Helgoland

„Chöre & Soli“
8 Miniphon Platten mit Abspielgerät, Berlin/gelbe Musik, Düsseldorf/pure freude

1984

„Chöre & Soli – live“
Konzert im Rahmen der H. Szeemann Ausstellung „Der Hang zum Gesamtkunstwerk“,
Sylvesternacht im Berliner Delphi-Kino.

„Tapete“
28-minütiger S8-Film in Breitleinwandformat

„30min. Kavaliere“
Konzert beim 4. 0snabrücker Experimentalfilm-Workshop

„Samplerbeitrag auf Dave Henderson (SOUNDS, England) LP“, London

„Die Tödliche Doris in THE KITCHEN“, NYC
Konzert in New York

„Die Tödliche Doris in TUBE“,
Beitrag für die englische Popsendung auf canal 4, London

Dieser Texte stammt aus dem Ochsenfurter Fanzine Student Pogo Info, erster Jahrgang, Heft 7,  August 1984 und wurde von Ralf C. Schuster verurhebert.
Digitalisiert und minimalinversiv editiert von Guido Zimmermann.
Unbedingt das Original-Layout begutachten! Hier als PDF:
Student Pogo Info_7_1984_Die Toedliche Doris

One unforgettable day

September 5, 2011

Foto: Stefan Hetzel

New York, September 2001
(Super-8-Film, fast 6 Minuten, 2004)

Kein schönes Jubiläum. Aber Jahrestage müssen abgefeiert werden. So steht es in den allgemeinen Geschäftsbedingungen der Medien. Wer auch immer diese sein mögen. So entsteht zehn Jahre nach diesem als 9/11®  „gebrandeten“ Ereignis wieder eine wortreiche Informationsflut, die niemand verarbeiten wird. Genauso wenig wie die damals im Fernsehen und auch im Radio auf Endlosschleife drehenden Informationen der Marke Nix-genaues-weiss-man-nicht.

Grund genug, auf einen kurzen, experimentellen Super-8-Film hinzuweisen, der die Ereignisse des 11. September 2001 in New York in beeindruckender Weise zeigt.

Der Komponist Stefan Hetzel (Eibelstadt) und der Filmemacher Ralf Schuster (Cottbus), beides alte Freunde, die schon in den 1980er Jahren im unterfränkischen Ochsenfurt filmisch und musikalisch zusammen unterwegs waren, machen im September 2001 Urlaub in New York. Schuster hat eine Super-8-Kamera dabei um mit Einzelbildern die Reise zu dokumentieren. Als die beiden eines Tages im Hotel aufwachen, werden sie Zeugen der Auswirkungen dieses Terroranschlages auf die Türme des World Trade Center. Und Schuster filmt.

Aber erst ein paar Jahre später wird der Film fertig gestellt. Und Hetzel komponiert eine Musik dazu, die einfach passt und stellenweise diese eher ruhige als nervöse Beklemmung wiederspiegelt. Eine der ersten Aufführungen diese Filmes fand vermutlich in der Gambacher Scheune des bildenden Künstlers Christian Walter statt. Irgendwann wurden die Bilder digitalisiert und via Archive.org zugänglich gemacht. Somit braucht es nur noch einen Klick um sich diesen Film ohne Worte anzusehen:
Klick hier
oder hier
Play full screen!
Play loud!

Interessant auch die Anmerkungen von Stefan Hetzel zu dieser Sache auf seiner Site:
stefanhetzel.de