Posts Tagged ‘Úlfur Hródólfsson’

Valeska

September 19, 2010

Wolfgang Müller – Valeska Gert: Ästhetik der Präsenzen
(Taschenbuch, Martin Schmitz Verlag, ISBN 978-3-927795-51-8)

Valeska Gert – Baby
(7“, Martin Schmitz Verlag, 2010)

Obwohl ich keine Ahnung von Tanz habe, finde ich dieses neue Buch von Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris) sehr interessant. Denn hier stellt er nicht nur dar, welche Bedeutung Valeska Gert (1891 – 1978) für den Modernen Tanz hat, sondern auch den Einfluss auf ihn selbst und den Kreis der Genialen Dilletanten im Westberlin der frühesten 1980er Jahre. Müller selbst hat sie Mitte der 70er Jahre, als er noch in Wolfsburg wohnte, in einer Talkshow gesehen. Die Faszination an dieser Person scheint ihn bis heute nicht losgelassen zu haben. Aber auch Frieder Butzmann hat sie damals für sich entdeckt, was dazu führte, dass er einen Song mit dem Titel „Valeska“ aufnahm, eine Hommage an verschiedene starke Frauen (zu hören auf Butzmann & Sanja – Valeska / Spanish Fly / Waschsalon Berlin, 7“, Marat, 1979).

Auf dem Cover zitiert er eine kurze Passage aus Gerts Buch „Mein Weg“ aus dem Jahr 1931 (welches ergänzend als Anhang in Müllers Buch komplett mit abgedruckt wurde), die zeigt,  welche zukunftsweisenden Ansichten sie damals bereits hatte. Inspiriert durch neu aufkommende Technologien (z.B. Tonfilm)  brachte sie neue Elemente in den Tanz ein, der wohl fast schon Performance-Charakter hatte (bei dieser Gelegenheit kommt Müller auf das Thema Gebärdensprache zu sprechen, das ihn auch schon lange begleitet). Und auch das Konzept der Künstler-Kneipen, in den 1980ern gab es in Berlin beispielsweise das Kumpelnest 3000, hat Valeska Gert an verschiedensten Orten dieser Welt vorweggenommen. Und nicht nur das.

Parallel zum Buch wurde eine auf 400 Exemplare limitierte Vinyl-Single veröffentlicht. „Baby“ sollte in den 1960er Jahren bei der Deutschen Grammophon erscheinen. Aber anscheinend waren die damals entstandenen Aufnahmen immernoch zu revolutionär um veröffentlicht zu werden und sind verschollen. 2009 tauchte ein 40 Jahre altes Video auf und wurde vom ZKM in Karlsruhe digitalisiert. Die Tonspur kann man nun auf dieser Single hören: abstrakte, knurrige, mit Mund und Kehlkopf generierte Geräusche, Röcheln, Schreie. Ob Free Impro Vokalist Phil Minton auch mal so angefangen hat? Schade, dass man das dazugehörige Video und Gerts Mienenspiel nicht sehen kann. Aber im Buch wurde dies ja zumindest als schönes Daumenkino abgebildet.

Anlässlich dieser Veröffentlichung findet bis zum 6. Februar 2011 eine Ausstellung im Hamburger Bahnhof, Museum für Gegenwart, in Berlin statt: Pause. Valeska Gert: Bewegte Fragmente
www.hamburgerbahnhof.de

Das Buch und die Schallplatte kann man direkt beim Verlag bestellen:
www.martin-schmitz-verlag.de

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Leben heißt das Loch

September 12, 2010

Mutter live at Dockville Festival, Hamburg, 15.08.2010

MUTTER – Trinken Singen Schiessen
(CD / DoLP, Die Eigene Gesellschaft, DEG 006, 2010)

Schon das erste Lied dieses Albums zeigt, dass die Berliner Band Mutter immernoch keine allzu positive Sicht auf dieses Ding namens Leben hat. Dabei stammt der Text von „Loch“ ausnahmsweise nicht von Max Müller, sondern von Dieter Roth, einem Künstler, der ebenso wie Müllers Bruder Wolfgang, temporär auf Island aktiv war.*

Mutter blickt etwas genervt auf verschiedene Aspekte des Lebens, u.a. Liebe, Freiheit, Jung, Alt. Und auf Idioten, die einen dazu bringen sich selbst zum Idioten zu machen. In einem Lied geht es um das Verhältnis zwischen Wohltätern und Opfern. Eine Blasmusik-Version dieses Liedes am Ende des Albums nennt sich „Wohlopfer“. Dialektik ohne Ende.

Dabei bewegt sich Mutter musikalisch zwischen eher langsamen, manchmal malmenden Songs – ein Stück erinnerte mich entfernt an Bohren Und Der Club Of Gore, nur munterer sowie mit Gesang – und relativ flott und locker dahin gelegten, vermeintlichen Popsongs. Das Keyboard bringt stellenweise orchestrale Klangfarben mit ein in den von Gitarre, Schlagzeug und Bass dominierten Mutter-Klang. Aber es gibt auch eine seltsame Kinderstimme zu hören sowie feminine Background-Vocals, die – ba ba ba ba ba ba – eine gewisse Leichtigkeit in „Der Zug“ bringt. Gegend Ende ist sogar noch eine schöne akustische Gitarre zu hören. Es ist also durchaus für bunte Klangtupfer und Abwechslung gesorgt.

Wird wohl eine meiner Lieblingsplatten des Jahres 2010 werden.

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Anmerkung:
* Das ist nicht die erste Dieter Roth-Cover-Version dieser Band – auf der Compilation „Das Dieter Roth oRchester spielt kleine wolken, typische scheiße und nie gehörte musik“ wurde bereits „Warum ist das so?“ zu einem Song verarbeitet.

Hörproben: myspace.com/muttermusik

Mutter auf Tournee:
07.10.2010 Köln, Gebäude 9
08.10.2010 Trier, Exhaus
09.10.2010 München, 59 to 1
10.12.2010 Schorndorf, Manufaktur
11.12.2010 Weinheim, Café Central
16.12.2010 Hamburg, Hafenklang
17.12.2010 Husum, Speicher
18.12.2010 Wolfsburg, Hallenbad
(Quelle: www.muttermusik.de)

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Elfen helfen

Mai 18, 2010

Der Islandliebhaber und Elfenforscher WOLFGANG MÜLLER hat es nicht nur geschafft uns zu Weihnachten 2000 die erste auch für Menschen sichtbare Elfenpost zu bescheren (in Form von vier in der taz erschienenen Zeitungsseiten), nein, ein paar Monate zuvor erschien auf einer CD-Maxi eine musikalische Huldigung seiner geliebten Elfen, Zwerge und Feen. In einem wunderbar eingängigen Synthie-Pop-Arrangement von und mit Sir Henry verkündigt er: „Ich hab sie gesehn’…“ (erschienen im Martin Schmitz Verlag Berlin, 2000). In einer besseren Welt würde dieser Song nicht in einer Kleinauflage erscheinen sondern als Superhit in der Heavy Rotation eines jeden Radiosenders zu finden sein. Für den Isländer in Euch gibt es diesen Song – ebenso wie ein Loblied auf den Wein – noch in einer isländischen Sprachversion.

Wolfgang Müllers Islandfaszination schlägt übrigens selbst dann noch durch, wenn er Geburtstagsständchen für Oswald Wiener singt. Auf der zu dessen 65. Geburtstag erschienenen Compilation „2:3“ (CD, Supposé Verlag Köln, 2000) ist Müller mit zwei Stücken vertreten, die etwas mehr an seine Vergangenheit als Mitglied von Die Tödlichen Doris erinnern als oben erwähnter Elfen-Popsong. Aber unter Mithilfe des Pianisten Sir Henry wird dennoch die Songform gewahrt, so daß trotz leichter musikalischer (aber genialer) Schräglage dank Repetition der immer gleichen Textzeilen ein gewisser Ohrwurmeffekt nicht ausbleibt.

PS: Auf der Frankfurter Buchmesse 2000 hat Wolfgang Müller seine Musik am Supposé-Stand ähnlich präsentiert wie hier:

(Wiederveröffentlichung; geschrieben im Dezember 2000 / Januar 2001 für Bad Alchemy 37)

3 Pop Bücher 1998

Mai 1, 2010

Pop-Literatur ist schon ein komischer Begriff. Wörtlich gelesen müsste er für populäre Literatur stehen – also für alles, was der Allgemeinheit zumindest vom Namen her etwas sagen müsste. Bei den Büchern, die hier nachfolgend eine Rolle spielen, handelt es sich allerdings um Literatur, die Pop-Musik zum Thema hat oder zumindest im Umfeld einer pop-kulturellen Praxis entstand, die auch mehr oder weniger aktuelle Pop-Diskurse aufgreift. Hier soll die Rede sein von Andreas Neumeister und von Thomas Meinecke, zwei (zufälligerweise) in München ansässige Autoren. Danach als Bonus noch kurz etwas über Herrn Wolfgang Müller.

Andreas Neumeisters Buch „Gut laut“ (Suhrkamp 1998) wird vom Verlag zwar als Roman geführt, hat aber meines Erachtens mit dieser Erzählform wenig zu tun. Eher handelt es sich hier um einen Gedankenstrom, der sich insbesondere um München und Musik sowie damit verbundenen Kindheitserinnerungen dreht. Es geht um The [Disco-] Sound Of Munich und das glamouröse München der 70er Jahre, aber auch um das München der Jetztzeit, in dem Leute wie DJ Hell leben und arbeiten. Unterbrochen wird dieser Gedankenstrom immer wieder durch z.B. Bildunterschriften – zu denen es keine Abbildungen gibt -, Auflistungen verschiedenster Dinge (darunter auch recht komplett wirkende, literarisch spielerisch verpackte Zusammenstellungen der Pseudonyme/Projekte von Aphex Twin oder Mike Ink) oder auch einfach mal einer leeren Seite (Stille im Sinne von John Cage?). Kompositionsprinzipien und Stilelemente, wie sie Neumeister auch schon bei seinem Vorgänger „Ausdeutschen“ (1994) verwendet hat, aber hier zum Thema Musik besser passen. Gerne wird soetwas mit der Tätigkeit eines DJs verglichen und in der Tat ist Neumeister auch als DJ und sogar als Hörspielautor unterwegs. Aber gab es soetwas ähnliches – okay, in radikalerer Form – in der Literatur nicht längst vor der Sampletechnologie und wurde damals Cut-Up genannt? Auf jeden Fall ist dieses Buch eine Freude für alle, die mit orange-schwarzen BASF-Cassetten und Lego-Bausteinen aufgewachsen sind und sich für Plastikmusik der 70er, 80er, 90er Jahre – also für Disco, New Wave, (Minimal) Techno und all dem Pop interessieren. Schöne Sache und ohne lästigen theoretischen Überbau.
Einzelne Textabschnitte aus „Gut laut“ fanden übrigens auch Eingang in die Hörspielproduktion „Prima leben und sparen“, die er zusammen mit Robert und Ronald Lippok von To Rococo Rot unter dem Projektnamen DOLORES im Jahr 1998 für den Bayerischen Rundfunk realisierte. Spätestens hier wird deutlich, dass diese Texte gut dafür geeignet sind, laut vorgetragen zu werden. Wen wundert es da, dass Neumeister 1996 den Sammelband „Poetry!Slam!“ zusammen mit Marcel Hartges herausgegeben hat…

„Tomboy“ (Suhr camp, 1998) von Thomas Meinecke wird ebenfalls als Roman kategorisiert, obwohl sich dieses Buch genauso wenig wie „Gut laut“ um die Pflege dieses Formates kümmert. Viel mehr reihen sich hier kurze Abschnitte aneinander, die wie Dreiminuten-Pop-Songs zusammen ein Konzeptalbum ergeben. In „Tomboy“ geht es um feministische Männer, um Frauen, die Frauen lieben, um Frauen, die Frauen lieben, die eigentlich Männer sind usw. usf. – gender troubles at it’s best. Das ganze spielt im Odenwald bzw. im lieblichen Heidelberg. Hier wird natürlich die Gelegenheit an Schopf gepackt, das dort ansässige Source Label mit ins Spiel zu bringen. überhaupt spielt Musik in diesem Buch eine nicht gerade kleine Rolle – mal reden die Protagonisten über irgendwelche Schallplatten oder Bands, die mehr oder weniger Bezug zum Thema haben. Für einen Vortrag von Judith Butler fährt man zwischendurch mal nach München. Ansonsten trifft man sich und diskutiert irgendwelche literarische Texte oder wissenschaftliche Quellen, auf die man als Philosophiestudentin gestoßen ist. Oder man liest sich gar vor (das Wort „man“ wurde von Thomas Meinecke übrigens ganz ausgemerzt und taucht in Tomboy auf keiner Seite auf. Politische Korrektheit bis ins Detail). Auf diese Weise werden verschiedenste Theorie- und Literaturschnipsel in dieses Buch hineingesampelt und anschließend mittels der mehr oder weniger agierenden Figuren zusammengehalten. Und zwischendurch gibt es noch ein paar banale Geschichten zu erleben, zu denen Meinecke bestimmt durch kleine Zeitungsmeldungen inspiriert wurde. Geschichten, die das Leben schrieb.
Mit der Frage „Warum kann ein Mann nicht lesbisch sein“ und dem Thema ‚Mark Twain in Heidelberg‘, das in diesem Buch auch kurz angeschnitten wird, hat sich Meinecke bereits vor Jahren in Liedform beschäftigt – zu hören auf der LP/CD „International“ von F.S.K. (1996, SubUp). Und den Titel „Tomboy“ trägt bereits ein im Jahr 1995 entstandenes Kunstwerk von Michaela Melián, der Musikerkollegin und Lebensgefährtin von Thomas Meinecke, das auszugsweise auch für das Layout des Schutzumschlages herangezogen wurde. Meinecke & Co. scheinen sich also schon länger mit dem Thema Gender zu beschäftigen. Im Katalogbuch zu Meliáns Ausstellung „Tomboy“ (1995) in der Kunsthalle Baden-Baden ist auch ein offensichtlich improvisierter Text von Thomas Meinecke und Thomas Palzer zu diesem Thema mit der Überschrift „I Gave My Cock A Woman’s Name“ enthalten. Und dieser Text fand wiederum Eingang in den Sammelband „Poetry!Slam!“. Der Kreis schließt sich. Die Welt ist klein. Hauptsache wir lassen die Kirche im Dorf.

Das Buch „Blue Tit – das deutsch-isländische Blaumeisenbuch“ des ehemaligen Mitglieds der Geniale-Dilletanten-Künstlergruppe Die Tödliche Doris wurde mindestens zwei Buchmessen lang als das bevorstehende neue Buch von Wolfgang Müller angekündigt und erschien letztendlich im Juli 1998 beim Martin Schmitz-Verlag. Vielleicht hat es sich vor allem durch die Übersetzung ins Isländische – das deutsch-isländische Blaumeisenbuch ist in der Tat zweisprachig gehalten! – verzögert. Oder lag es an den exzessiven Recherchearbeiten? Denn nahezu jede Kleinigkeit wird mit einer Fußnote belegt. Höhepunkt dabei sind die über zwanzig Anmerkungen zu Andreas Doraus Song „Blaumeise Yvonne“. Soviel übertriebener Fleiß läßt an Ironie denken.
„Blue Tit“ ist also kein Roman und schon gar kein Sachbuch zum Thema „Blaumeisen in Island“ – denn diese Meisenart gibt es dort garnicht – sondern ein alphabetisch geordnetes Sammelsurium zur isländischen Kultur. Und da packt Müller alles rein, was ihn so beschäftigt und interessiert. Das geht von Elfen über Flechten und Meisenknödel bis hin zu Islands einzigem Transsexuellen und anderen Obskuritäten. Diese einzelnen Sachverhalte werden teilweise in Art von Zeitungsreportagen dargelegt oder in Form von Interviews näher gebracht. Wobei einzelne Kapitel ja auch bereits tatsächlich in Zeitungen wie der Berliner taz veröffentlicht wurden. Desweiteren sind hier die schriftliche Dokumentationen eines Hörspiels sowie Auszüge aus einem Roman von Úlfur Hródólfsson enthalten, der offensichtlich mit Wolfgang Müller identisch ist. Trotz allem erfährt man viel Wissenswertes über Island und seine Seltsamkeiten, sollte diese Informationen aber am besten persönlich am Ort nachprüfen. Solche Schlitzohren wie Wolfgang Müller darf man nun mal nicht wörtlich nehmen, vor allem, weil da ein recht verschrobener Humor mitschwingt, der mit so ernster Miene dargeboten wird, dass unvorbereitete Menschen in Schleudern geraten könnten. Oder handelt es sich hier etwa doch um Kunst?

(überarbeitete Wiederveröffentlichung, geschrieben im Januar 1999 für Bad Alchemy)

typische Scheiße und nie gehörte musik

April 27, 2010

Various Artists:
Das Dieter Roth oRchester spielt kleine wolken, typische Scheiße und nie gehörte musik
(CD, intermedium rec. 026, 2007)

„Das Dieter Roth oRchester spielt kleine wolken, typische Scheiße und nie gehörte musik“ hatte anno 2006 seine Ursendung auf Bayern2Radio, wo die Hörspiel- und Medienkunst liebevoll gehegt und gepflegt wird. Dabei handelt es sich bei dieser Hommage an den bildenden Künstler Dieter Roth eher um eine Compilation liedhafter Interpretationen dessen literarischer Ergüsse, herausgegeben von Wolfgang Müller und Barbara Schäfer. Roth war auch auf dem schriftstellerischen Gebiet überproduktiv. Diese CD stellt also eher ein Album von Neu-Interpretationen dar und kein Hörstück im eigentlichen Sinne. Die Idee hierzu stammt vom ebenfalls bildenden Künstler und Island-Fan WOLFGANG MÜLLER (alias Úlfur Hródólfsson, ex Die Tödliche Doris) der das Roth-Buch „Frühe Schriften und typische Scheiße“ irgendwann in einem Berliner Wühltisch für 3 Mark entdeckte. Und damit wohl auch seine Geistesverwandtschaft – war der ebenfalls in Island wirkende Dieter Roth nicht auch irgendwie ein, äh, genialer Dilettant, ein Bruder im Geiste? Für sein Projekt holte sich Müller u.a. Unterstützung bei alten Bekannten wie Brezel Göring und Françoise Cactus (Stereo Total, Wollita), bei seinem Bruder MAX MÜLLER sowie dessen Band MUTTER, aber auch bei KHAN, TRABANT (aus Island) oder NAMOSH. Wolfgang Müller, der solo zu trivialem Electro-Pop neigt, steckt wiederum hinter dem WALTHER VON GOETHE QUARTETT und den beiden schwulen Stoffpuppen ARMAND & BRUNO, die sich mit der Häkelpuppe WOLLITA angefreundet hatten als diese als sexistisches (Nicht-) Kunstwerk von der Berliner Boulevard-Presse angefeindet wurde (zu diesem Thema ist übrigens ein Taschenbüchlein mit 3“CD im Martin Schmitz Verlag erschienen). Überraschenderweise ließen sich die Texte von Dieter Roth auch zu wunderbaren Popsongs formen. Die Beiträge von STEREO TOTAL oder WOLLITA sind in dieser Hinsicht zwei Meisterwerke. ANDREAS DORAU schafft es leider nicht daran anzuknüpfen, ihm gelingt trotzdem ein für ihn typisches Electro-Groove-Stück. Überhaupt klingen viele Tracks typisch für ihre Erzeuger. Offensichtlich lassen diese Texte hierzu genügend Spielraum – im Gegensatz zu gängigen Musik-Tribute-Projekten. GHOSTDIGITAL (ein Projekt eines ehemaligen Sugarcubes-Musikers) erinnern mich irgendwie an Therofal von The Blech im bassbetonten Elektronikkleid, welches bei mir wiederum Assoziationen an Werke von Goebbels/Harth aus den 1980ern erweckt. Nach 17 Beiträgen nicht ganz so vieler Künstler gibt es als Zugabe mit „doit again“ noch ein verschroben groovendes Stück von MOUSE ON MARS. Insgesamt gilt: typische Scheiße, interessant aufgearbeitet!

(geschrieben im Oktober 2007 für Bad Alchemy 55)