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Ein Hanebüch

Mai 16, 2011

Jan-Uwe Fitz:
Entschuldigen Sie meine Störung – Ein Wahnsinnsroman

(DuMont Buchverlag, ISBN 9783832161477)

Im April 2011 debütierte uns der berühmte Twitterer @vergraemer mit seinem ersten Buch.

Der Titel verrät fast schon alles: „Entschuldigen Sie meine Störung – Ein Wahnsinnsroman“. Meist in Form von Gesprächsprotokollen, Dialogen oder belauschten Selbstgesprächen werden die psychischen Verhaltensauffälligkeiten eines gewisser Jan-Uwe Fitz erzählt, der vor allem unter Menschenangst leidet. So erfährt man unter anderem von einer Wanderbaustelle, die ihm folgt, von ausgepufften Strategien eine Party schnell wieder zu verlassen und wie man sich in eine Privatklink einschleicht. Das wird mit einem Wortwitz beschrieben, der die Verhältnisse ins abstuse und absurde überführt. Irgendwie kommt mir dieses Werk wie das Manuskript zu mehreren gespielten Witzen vor, deren nicht vorhandene Pointen ins Leere laufen. Das ist kühl! Obwohl es während dieses „Wahnsinnsromans“ sogar ein Mordopfer gibt, bleibt dieses Buch bemerkenswert unspannend.

Und irgendwie weiss ich nun auch nicht, was ich von diesem Dingsbums halten soll. Es hat mir auf jeden Fall ein paar unterhaltsame Stunden beschert. Easy reading.

Ein herzliches Dankeschön jedenfalls geht an Herrn Fitz für die Verwendung des Wortes „hanebüchen“!

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#immfv4

März 1, 2010

Michaela von Aichberger aka @frauenfuss:
Ich male meine Follower Vernissage Nummero 4,
Hamburg, 27.02.2010

(Vorneweg: Eigentlich hatte ich gar keine große Lust, über diese Veranstaltung etwas zu schreiben. Vernissagen sind nicht so mein Ding. Aber irgendwie kam es dann doch dazu. Hier wird kein Namedropping stattfinden – ich mag das nicht.)

Dass wir es hier nicht mit einer Untergrundkünstlerin zu tun haben, war schon bei der Wahl der Örtlichkeit dieser Ausstellungseröffnung klar. Statt in dem vermutlich wesentlich kleineren Ladengeschäft in Eppendorf, in der die eigentliche Ausstellung stattfindet, wurde diese Vernissage im Hamburger Stilwerk abgehalten. Für ein paar Stunden. Was für ein organisatorischer Irrsinn! Aber der Andrang war gross, die Massnahme somit gerechtfertigt. Dennoch fand ich diesen versnobten Kommerz des Stilwerks hinter gediegener Hamburger Kaufmannsfassade als Umfeld für eine solche Vernissage etwas abschreckend. Ein autonomes Kulturzentrum wäre wohl ebenso seltsam gewesen. Der Raum im fünften Stock war dann aber eher neutral und die Stellwände grau bis weiss. An diesen hingen in voluminösen Rahmen Notizbücher, in die Michaela von Aichberger Zeichnungen ihrer Verfolger bei Twitter gemalt hat. Schöne illustrative Werke. Selten in voller Farbigkeit, manche sogar nur schwarz-weiss oder mit bluttriefenden Akzenten.

Michaela muss man einfach mögen (Ich würde sie sofort heiraten. Aber sie hat ja schon den Michael). An ihr ist nichts gekünstelt. Sie macht einfach ihr Ding. Sie schreckt nicht vor Kooperationen mit Versandhäusern und Modeblogs zurück (ich könnte das wahrscheinlich nicht). Sie ist anscheinend relativ unvoreingenommen und geht offen auf die Menschen, die sie „nur“ über soziale Netzwerke kennengelernt hat, zu. Und sie malt und malt und malt und malt ihre Follower. An diesem Tag auch live. Und jeder darf sich geehrt fühlen, den sie zu Papier bringt. Denn sie ist schon sowas wie ein bunter Hund in dieser bundesdeutschen Twitterwelt. Wer kennt sie nicht?

Und somit ist so eine Veranstaltung eine gute Gelegenheit, die Nasen, die man nur unter Pseudonymen und von komischen Bildchen her kennt, auch mal in echt zu sehen. Sehr interessant. Da gibt es Leute, die man sofort auch in Wirklichkeit sympathisch findet, andere huschen schnell weiter oder sind einfach nicht greifbar. Mit anderen geht man anschließend ein Bierchen trinken.

Ein Programmpunkt dieser Vernissage war auch eine Twitterer-Lesung. Dummerweise gab es nur einen einzigen Raum, so dass das Publikum im vorderen Bereich Probleme hatte, den vortragenden Künstlern zu folgen. Der erste war von meinem Standpunkt aus relativ gut zu hören. Dem Blogger Nummer Vier könnte ich schon nicht mehr so recht folgen. Zuviel Rhabarber Rhabarber Rhabarber. Die Stargästin des Abends sagte aufgrund dieser widrigen Umstände ihr Vorlesen ab. Schade! Aber durchaus verständlich. Lesungen im  Rahmenprogramm benötigen offensichtlich einen abgetrennten, intimeren Bereich.

Danke, Michaela, für diesen erhellenden Abend!

Programmhinweis:
Bis 07.03.2010 sind die Bilder von @frauenfuss zu sehen bei
Irene‘s Interiors & Meyola, Lehmweg 6, 20251 Hamburg

Heimseite von @frauenfuss:
ich-male-meine-follower.de