Posts Tagged ‘Kassette’

Molto bene

Juni 11, 2014

Du bist so gut zu mir

Copy Artwork aus einem Kassetten-Katalog von Molto Menz, München, 1983

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Humor 001

November 17, 2013

MM012

Max Müller – Alt Und Schwul
(Tape, C30, Mauerstadtmusik, MM012, 2013)

MM wie Mauerstadtmusik, MM wie Max Müller. Bei diesem Tape handelt es sich um eine Wiederveröffentlichung von Material, das im Jahr 1987 in einer Kreuzberger Wohnung mit einfachen Mitteln aufgenommen und als Kassette unter Freunde gebracht wurde. Thomas Pargmann, der Mauerstadtmusik-Macher (MMM), hat sich sogar die Mühe gemacht, mit den alten Bändern in ein Studio zu gehen und dieses Tape neu zu mastern. Dabei kam eine mehr als ordentliche Klangqualität heraus.

Ja, das ist wirklich eine Wiederveröffentlichung einer Musikkassette als Musikkassette, kein Vinylsammlerspekulationsobjekt (mit dem Motto „first time on vinyl“) und einen Downloadcode hierfür gibt es auch nicht. Die Musik wird in der Tonträgerform neu präsentiert, in der sie zuerst veröffentlicht wurde. Aber wer hat den heutzutage noch ein Cassettenabspielgerät zu Hause, höre ich so manchen fragen. Garnicht mal so wenige, vermute ich. Vintage Audio ist doch en vogue. Und nachdem für Vinylfetischisten ein Record Store Day ausgerufen wurde, fand in diesem Jahr erstmals ein Cassette Store Day statt, allerdings mit null teilnehmenden Läden in Germany. Davon abgesehen: wer kein Tapedeck in seinem Haushalt beherbergt, ist meines Erachtens sowieso zu bemitleiden. Aber kommen wir zurück auf dieses Tape mit der schönen Bestellnummer MM 012.

Zu hören sind hier 12 Miniaturen, vermutlich mit Hilfe eines Vierspurtapedecks entstanden sowie Instrumenten wie Rhythmusmaschine, Keyboards, Effektgeräte, Gitarre und natürlich Max Müllers Stimme, die man auch von der Band Mutter kennt. Die Aufnahmen klingen rauh und ungehobelt, Störgeräusche wie das Klacken der Aufnahmetaste sind Bestandteil der Stücke. Es schrammelt und scheppert. Wer die Single „Wir steh’n hier jeden Tag“ / „Sie ist aus Holland“ (1989 erschienen auf Die Tödliche Doris Schallplatten) kennt, kann sich ungefähr eine Vorstellung machen, wie das hier klingt.  Zwei Titel haben es auch schon auf die Compilation-CD „Max Müller“ (1995 erschienen auf Die Eigene Gesellschaft) geschafft, u.a. „Zweiter Weihnachtsfeiertag“, eines der besten (Nicht-) Weihnachtslieder ever.

Einige Songs sind Portraits von Menschen mit Tendenz zum Scheitern, sogar in einem Instrumental geht es um ein Scheusal. „Ein seltsamer Tag“, ebenfalls instrumental,  klingt als hätte Der Plan den Soundtrack für einen Endzeitfilm auf Demo-Tape skizziert, strange und skurril.

Auf dem ursprünglichen – und auf dem Cover dieser CompactCassette abgebildeten – Mastertape wurde handschriftlich die imaginäre Bestellnummer „Humor 001“ aufgebracht, was in der Tat von einem speziellen Humor zeugt, auch wenn dieses Tape das Gegenteil einer Witzkassette darstellt.

Für mich eine der interessantesten und besten Wiederveröffentlichungen des sich zu Ende neigenden Jahres 2013.

GZ

Schrottplatz ?

Mai 26, 2013

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SCHROTTPLATZ ?
Die FAHRSCHULEN-ORGANISATION verabschiedet sich

Diese transparente Kunststoff-Box enthält neben einem Beiheft alle fünf Kassetten, die das Label Fahrschulen-Organisation aus der Würzburger Sanderau in den Jahren 1982 – 1984 veröffentlicht hat. Darunter die beiden Sampler „Fahrstunde“ und „Fahrprüfung“ sowie Tapes der Bands AUTUMN CHIC (live in der Burse), LALLAGUA VIGO und BUNSENBRENNER No. 9.

Über die Cassette der letztgenannte Band, die den wunderbaren Elektro-Hit „Wir sind die Chemiker“ produziert hat, war in einem lokalen Fanzine folgendes zu lesen:

BUNSENBRENNER NR. 9
(C45, Ein Produkt der Fahrschulen-Organisation)

BUNSENBRENNER NR. 9 sind drei Typen (Weihnachtsmann, Jacomo, Edi Roger) aus Würzburg, die mit dieser C45 ihre ersten musikalischen Versuche veröffentlichen.
Angeblich will BUNSENBRENNER dem Hörer „die sagenhafte, bedrohliche und geheimnisvolle Welt der Chemie“ nahebringen, und schreckt dabei (angeblich) nicht vor „sensationellen Enthüllungen zurück“. Sensationen gibt es auf diesem Tape trotzdem nicht, weder chemisch noch musikalisch. BUNSENBRENNERs Musik wird von Synthesizern und Rhythmusgerät bestimmt, ab und zu spielt mal jemand Bass, Gitarre oder Trompete. Teilweise wirkt das Ganze dilettantisch. Manchmal klingt es dann doch ganz gelungen und manchmal wird es sogar gut tanzbar. Der Gesang ist nicht so toll, meist nur eine Art Sprechgesang. BUNSENBRENNERs Texte schwanken zwischen ‚ganz lustig‘ / ‚originell‘ und ‚hohl‘. Ernst, bedrohlich wird es eigentlich nur bei „Chemischer Tod“, einem chemischen Endzeit-Stück.
Auf die Dauer langweilen mich BUNSENBRENNER, weil sie 45min. lang fast immer das gleiche bringen. Besonders auffällig wird’s bei den Texten, wenn immer wieder Ionen, Chemiker, Anoden, Kathoden, Basen etc. auftauchen. Hätte BUNSENBRENNER eine C10 rausgebracht, wäre die sicherlich toll.

dom
(aus dem Würzburger Fanzine Oi Oi Oi!, 4. Heft, Juli 1984)

Kassette sich wer kann!

April 22, 2010

Frank Apunkt Schneider:
Als die Welt noch unterging – Von Punk zu NDW
(Ventil Verlag, 2007, ISBN 3-931555-88-7)

Endlich komme ich dazu, dieses Buch zu lesen. Dessen Autor Frank Apunkt Schneider begegnete mir erstmals vor etlichen Jahren im Fanzine Der kosmische Penis als „King-Crimson-Ironiker“, dann als Mitglied der Ernst Neger Revival Band (ihr Hit: „Frauen über 30“) und der Künstlergruppe Winkelwurst sowie als Sacro-Pop-Experte, Lashcore-Cassetten-Compiler und Hörspielautor. Später schrieb er lieber für renommierte Fachmagazine wie Bad Alchemy und natürlich Testcard. Kunst macht er heutzutage unter der Wiener Dachmarke Monochrom. Er lebt, arbeitet und organisiert im oberfränkischen Bamberg.

Bei Testcard und Monochrom ist es ja durchaus üblich, als Fan an die Sachen ranzugehen, aber diese möglichst akademisch zu behandeln – oder umgekehrt. Wozu hat man schließlich irgendetwas geisteswissenschaftliches studiert?! Bei „Als die Welt noch unterging“ bekommt Apunkt aber noch ganz gut die Kurve, hier wird zwar auch manchmal wortreich diskursiert, aber der Musikfan dominiert dann doch. Eine eindeutige Definition dieser NDW kann und will Schneider nicht liefern. Vielmehr zeigt er, wie es zu diesem Begriff kam und dass es ihn womöglich auch schon vor Alfred Hilsberg gab. Um das Thema einzugrenzen schaut er nur bis etwa 1984 – Frank Apunkt Schneider war in diesem Jahr erst 15. Er bezeichnet sich selbst als „knapp Zuspätgekommener“. Was seiner Sammelwut und Sachkenntnis aber offensichtlich keinen Abbruch tut. Diese, wenn auch kurze, Distanz zum Thema tut dem Buch gut, man kann hier gottseidank keine nostalgisch verklärten Anekdoten eines ex-Mittendringewesenen lesen. Vielmehr versucht Schneider das Phänomen Punk und NDW in deutschsprachigen Landen (Österreich, Schweiz und die DDR werden ebenfalls angeschnitten) von verschiedensten Seiten her einzugrenzen. Was garnicht so einfach ist. Denn die Ränder fransen aus, sind unscharf und keineswegs eindeutig. Daher sei ihm auch verziehen, wenn Frank Apunkt in allgemeine, nicht nur für Deutschland spezifische Aspekte dieser Musikgeschichte abdriftet. Interessant ist das auf jeden Fall, auch wenn er manchmal dann doch ins Akademische verfällt und stellenweise vielleicht etwas zu viel Adorno und Horkheimer geraucht hat. Allerdings landet er während seinen Abschweifungen aber auch Seitenhiebe, die man lachend begrüßen muss. Das Schwurbeln hat er also nicht verlernt und seine Wortneuschöpfungen sind amüsant bis erstaunlich. Irgendwie ist genau dieses Diskursive das Schöne an Alcos Buch. Es wird abgeklopft was vorher, nachher, parallel so alles passierte. Und er wagt sich in den unübersichtlichen Untergrund der damaligen bundesdeutschen Kassettenszene. Diese wurde wohl in noch keinem anderen Buch über Punk und NDW so ausführlich gewürdigt. Auch wird hier die Provinz besser repräsentiert als in manch anderen Büchern zum Thema. Meist wird deutscher New Wave ja als Bewegung aus Düsseldorf, Westberlin, Hamburg und vielleicht noch Hannover und Hagen abgefeiert. Aber dass insbesondere in einzelnen Kleinstädten ein Urwuchs an Bands und Kassettentätern wucherte, wird meist vernachlässigt. Frank Apunkt Schneider versucht dies auch in der umfangreichen Disko- und Kassettografie abzubilden – was für eine Fleißarbeit! Offensichtlich hat er ein Herz für Sammler und berücksichtigt sogar die ein oder andere Phantomplatte, die zwar in der Primär-Literatur auftaucht, aber sich wohl nie materialisiert hat. Insgesamt sehr interessante, aber nicht gerade einfache Lektüre. Eher etwas für Fans der untergründigen Neuen Welle, für Leute, die es genau wissen wollen, und weniger für ich-will-spaßige NDW-Partygänger.

21.04.2010